Ski-Weltcup-Finale - Julia Scheib im Exklusiv-Interview: "Da hätte neben mir eine Bombe einschlagen können ..."
Update 25/03/2026 um 08:25 GMT+1 Uhr
Julia Scheib hat die kleine Weltcup-Kugel im Riesenslalom ein Rennen vor Saisonende bereits sicher. Im Eurosport-Interview mit Expertin und Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg erzählt die Österreicherin, worin sie ihren Schlüssel zum Erfolg sieht. Außerdem spricht die 27-Jährige über die Enttäuschung bei den Olympischen Winterspielen und verrät, welche Ziele sie sich für die Zukunft gesteckt hat.
Scheib exklusiv über mentale Stärke und ihre Zukunft im Super-G
Quelle: Eurosport
Julia Scheib sorgte zuletzt mit ihrem Sieg im Riesenslalom von Are für die vorzeitige Entscheidung um die kleine Kugel in ihrer Paradedisziplin.
Mit ihrem Triumph beendete sie gleichzeitige eine lange Durststrecke: Die 27-Jährige ist die erste Österreicherin seit zehn Jahren, die die Riesenslalom-Kugel gewann.
Vor dem letzten Saisonrennen ist Scheib mit 660 Punkten und 189 Zählern Vorsprung auf Verfolgerin Camille Rast nicht mehr einzuholen.
Scheibs Saison im "Riesen" ist beeindruckend: Fünf Siege und zwei zweite Plätze. Mit Rast (Kranjska Gora), Alice Robinson (Copper Mountain) und Sara Hector (Spindlermühle) trugen sich nur drei weitere Läuferinnen in die Siegerliste ein.
Am Mittwoch hat Scheib die Möglichkeit, ihre herausragende Saison beim Riesenslalom im Weltcup-Finale in Lillehammer (9:30 Uhr im Liveticker und live im Stream auf HBO Max). Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg traf Scheib vorab zum Interview.
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Highlights: Goggia macht Super-G-Kugel perfekt
Quelle: Eurosport
Julia Scheib, Herzlichen Glückwunsch zur Kristallkugel im Riesenslalom. Ist der Erfolg nach dem Rennen in Are mittlerweile bei Ihnen angekommen?
Julia Scheib: Ja, auf alle Fälle! Es sind mittlerweile doch ein paar Tage vergangen und es kommt immer mehr an. Auch wenn ich auf die ganze Saison zurückblicke, ist da einfach so viel Gutes passiert. Das hätte ich mir vorher so nie ausmalen können. Daher blicke ich echt gerne zurück.
Ich habe das im Skifahren auch anders erlebt. Ich hatte Momente, in denen ich mir gedacht habe, vielleicht kommt das bei mir nie - so zu liefern und mit dem Druck umzugehen.
Sie haben eine sehr erfolgreiche und konstante Saison mit fünf Weltcup-Siegen hinter sich. Was war der Schlüssel zum Erfolg?
Scheib: Ich denke, dass generell das erste Rennen in Sölden wichtig war. Das war für mich eine irrsinnige Drucksituation im zweiten Durchgang. Es war wichtig, den Lauf nach unten zu bringen und das Rennen auch zu gewinnen. Natürlich - ein Rennen zu gewinnen ist eine Sache, das zu bestätigen war dann sicher entscheidender. Ich bin gleich in Copper (Mountain; Anm. d. Red.) wieder gut gefahren und in Tremblant habe ich nach dem Ausfall im ersten Rennen das zweite gewonnen. Das war ein Schlüsselpunkt, da ist der Knoten geplatzt. Wenn man auf einen zweiten Platz und zwei Siege zurückblickt, merkt man: 'Okay, ich kann gewinnen, und ich kann auch öfter gewinnen.' Das fühlt sich dann auch am Start anders an.
Sie haben mehrfach bewiesen, dass Sie mit Druck umgehen können, speziell auch bei Ihrem Heimrennen.
Scheib: Ja, Gott sei Dank! Ich habe das im Skifahren auch anders erlebt. Ich hatte Momente, in denen ich mir gedacht habe, vielleicht kommt das bei mir nie - so zu liefern und mit dem Druck umzugehen. Aber in den letzten Rennen habe ich teilweise einen immensen Druck verspürt. Da bin ich echt froh, dass ich das eigentlich immer ins Trockene gebracht habe.
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Julia Scheib (zuletzt in Åre erneut Erste geworden) hat bereits vor dem letzten Saisonrennen die kleine Kugel im Riesenlalom-Weltcup für sich entschieden
Fotocredit: Getty Images
Haben Sie speziell mental gearbeitet?
Scheib: Mentaltraining in dem Sinne nicht wirklich. Ich habe mir nur gedacht, ich stehe am Start und ich habe es in der Hand. Da kann der weltbeste Experte in der Situation nicht weiterhelfen, weil es an mir liegt. Ich muss schauen, dass ich bei mir bleibe und meine Sachen mache und dabei auch nicht nach links und rechts schaue. Das ist mir in letzter Zeit sehr gut gelungen, dass ich das so gut ausblenden konnte. Da hätte neben mir eine Bombe einschlagen können und ich wäre wahrscheinlich trotzdem noch sehr konzentriert nach unten gefahren.
Sie gehören mittlerweile zu den erfahreneren Läuferinnen. Was hat Ihnen auf dem letzten Schritt ganz nach oben geholfen?
Scheib: Es waren schwierige Momente dabei. Aber rückblickend - wer weiß, wofür das gut war? Vielleicht wäre ich jetzt nicht die Person und würde das nicht so ins Ziel bringen und die Leistung nicht so abrufen können, wenn das alles nicht so passiert wäre. Das hat sicher alles seinen Grund gehabt. Es hat mich alles hergeführt, wo ich jetzt stehe und ich bin sehr dankbar, dass ich das momentan so erleben darf.
Ich habe das letztes Jahr erlebt, als ich einige Rennen dabei hatte, wo ich mir gedacht habe: 'Das kann es doch nicht sein. Ich kann mehr.'
Inwieweit können Sie nachvollziehen, wie Rückschläge einen Athleten/eine Athletin formen?
Scheib: Es war sicher so, dass ich nach jeder Verletzung stärker zurückgekommen bin, gerade was den Kopf anbelangt. Generell ist es so, dass man aus einer Niederlage viel mehr lernt. Das hört man so oft, aber es ist wahr. Ich habe das letztes Jahr erlebt, als ich einige Rennen dabei hatte, wo ich mir gedacht habe: 'Das kann es doch nicht sein. Ich kann mehr. Es kann nicht sein, dass der eine Lauf schnell ist und der andere gar nicht.' Mit dieser Einstellung bin ich in die aktuelle Saison gegangen. Ich wollte den Fehler nicht noch mal machen. Ich habe das Gefühl gehabt, dass ich mich in den vergangenen Jahren - speziell im Vorjahr - unter Wert verkauft habe. Deswegen wollte ich anders in die Saison starten.
Haben Sie in der Vorbereitung irgendwelche Aspekte verändert oder angepasst, um diese Entwicklung zu vollziehen?
Scheib: Was sich sicher geändert hat, ist, dass wir im Trainerteam erfahrene Coaches haben. Das hat von Tag eins an eine irrsinnige Ruhe reingebracht. Da habe ich für mich gemerkt, dass es genau das ist, was ich brauche: Mit Ruhe zu arbeiten und generell eine Sache mit Ruhe anzugehen. Das ist genau das Richtige für mich und hat mir sehr gutgetan.
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Highlights: Scheib gelingt Coup - Aicher schlägt Shiffrin
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Bei den Olympischen Winterspielen in Cortina hatten Sie Schwierigkeiten. Was hat an dem Tag bei Ihnen nicht funktioniert?
Scheib: Das ist für mich immer noch ein schwieriges Thema, weil das vom Gefühl her einer meiner besten Tage war, was meine mentale und körperliche Verfassung angeht. Ich bin morgens aufgewacht und habe mir gedacht, dass alles perfekt für mich wird. Dann hat es einen Kommunikationsfehler gegeben, was mich unten etwas Zeit gekostet hat. Für den zweiten Lauf habe ich dann gewusst, dass ich wirklich alles aus mir rausholen und mehr Risiko gehen muss. An einer Stelle war es zu viel Risiko, deswegen war es ziemlich schnell vorbei. Wenn ich daran zurückdenke, gibt es natürlich ein paar Dinge, die ich hätte anders machen können. Dann wäre alles anders gekommen, aber das ist alles nicht so einfach. Das ist Leistungssport und das einzige, was ich daraus mitnehmen kann, ist, dass ich es beim nächsten Mal besser mache. Dass ich daraus lerne und weiter nach vorne schaue. Wenn du zu lange in der Situation hängen bleibst, kann dich das schon ein wenig auffressen.
Ich bin sehr motiviert, weil ich das Gefühl habe, dass ich noch nicht am Limit bin
Im Weltcup gewinnt die konstanteste Fahrerin. Sehen Sie es auch so, dass das eigentlich das Größte ist, was man als Rennfahrerin erreichen kann?
Scheib: Absolut. Ich habe mir immer gesagt, wenn ich mich entscheiden müsste, dann wäre es definitiv die Kugel. Das war für mich gerade mit Blick auf die vergangenen Jahre ganz weit weg. Da hat es immer an der Konstanz gefehlt. Darum ist es immer noch etwas surreal für mich, dass es jetzt so gut geklappt hat.
Wie sehen Ihre nächsten Ziele aus?
Scheib: Es gibt einige Ziele. Vor allem bin ich sehr motiviert, weil ich das Gefühl habe, dass ich noch nicht am Limit bin. Das ist ein schönes Gefühl, weil ich weiß, dass da noch ein bisschen mehr drin ist. Der Super-G ist für mich sicherlich ein Thema, den fahre ich unglaublich gerne. Gleichzeitig merke ich aber, dass mir noch einiges fehlt. Ich kann die Situationen teilweise noch nicht so richtig einschätzen, da fehlen mir noch die Rennkilometer. Ich werde es auf alle Fälle zu hundert Prozent angehen.
Heißt das, Sie werden im Sommer mehr Fokus auf das Speedtraining legen?
Scheib: Genau, das ist der Plan, dass man eine gute Vorbereitung absolviert, um beides unter einen Hut zu bringen. Aber ich glaube, mit den zwei Disziplinen lässt sich das gut vereinbaren.
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