Ski-WM: Schweizer feiern zwei Medaillen in der Abfahrt - Stimmung auch bei geschlagenem Marco Odermatt top
VonJan Zesewitz
Update 10/02/2025 um 08:05 GMT+1 Uhr
Die Schweizer Speedfahrer sind ihrem Favoritenstatus bei der WM in Saalbach gerecht geworden. Sowohl der Super-G als auch die Abfahrt gingen an die Eidgenossen, dazu kam noch eine Bronzemedaille in der Abfahrt. Auf dem Podium der Königsdisziplin sucht man den Team-Leader aber vergebens: Marco Odermatt wurde beim Sieg von Franjo von Allmen "nur" Fünfter. Die Stimmung ist trotzdem top.
Die Schweiz rasiert! Odermatt und Co. mit Halbglatzen unterwegs
Quelle: Eurosport
Am späten Nachmittag begann die Schweizer Party so richtig. Im Zielbereich der WM-Wettbwerbe von Saalbach trat das Team mit zahlreichen Athleten und Trainern in einer der Aprés-Ski-Locations bestens gelaunt auf - und mit abenteuerlichen "Frisuren". Odermatt, Von Allmen und Co. ließen sich die Haare zu Teilen abrasieren, ein fragliches modisches Statement, aber ein klares Zeichen für den Teamgeist der Eidgenossen.
Dabei erlebte gerade der Dominator Odermatt eigentlich eine leichte Enttäuschung. Als Führender in der Abfahrts-Wertung und Weltmeister im Super-G ging er als Favorit ins Rennen, wurde aber "nur" Fünfter.
Nach anfänglicher Enttäuschung freute er sich schon im Zielbereich für den neuen Weltmeister Von Allmen und den Drittplatzierten Alexis Monney.
"Ich bin nicht komplett zufrieden", sagte er am Eurosport-Mikrofon. "Ich hätte mir schon eine Medaille gewünscht. Der Speed war da, ich habe viel riskiert, aber ein paar Fehler gemacht, die man sich natürlich nicht leisten darf. Wir haben erst von Alexis, dann von Vinc (Vincent Kriechmayr, Anm. d. Redaktion) und von Franjo drei weltmeisterliche Fahrten gesehen, da muss alles passen, wenn man da mitfahren will."
Odermatt ist mit sich im Reinen sein. Der WM-Titel im Super-G fehlte ihm noch, daran konnte er nach seiner Fabelfahrt am Freitag einen Haken setzen. Die Titelverteidigung in der Abfahrt gelang ihm nicht, das Schweizer Gesamtergebnis konnte sich aber sehen lassen: Von Allmen wurde mit 23 Jahren der jüngste Weltmeister seit Urs Lehmann 1993. Monney gewann Bronze und mit Odermatt (5.), Justin Murisier (8.) und Stefan Rogentin (12.) landeten alle fünf Schweizer unter den Top12.
Die Stimmung im Team ist nach diesen Erfolgen entsprechend gut - und auch Odermatt gab trotz des kleinen individuellen Rückschlags nicht den Partycrasher. "Unglaublich stark, was Franjo heute wieder gezeigt hat", sagte er beim "SRF". Wir sind ein super Team, wir pushen uns, helfen einander, profitieren voneinander."
Einen kleinen Seitenhieb in Richtung der Gastgebernation konnte er sich mit einem Augenzwinkern nicht verkneifen: "Und mir ist es auch lieber, es gewinnt ein Schweizer als ein Österreicher."
Schweizer Miteinander ein Schlüssel zum Erfolg
Die Aussage des 27-Jährigen sollte nicht zum Rückschluss führen, der Schweizer Teamgeist rühre daher, dass man dem Alpennachbarn möglichst eins auswischen möchte. "Wir haben einen super Team-Spirit. Wir feiern miteinander, das macht es cool", sagte er gegenüber Eurosport.
Und es gibt viel zu feiern, wie auch der frischgebackene Weltmeister ankündigte. "Heute gehen wir zu Boden", sagte von Allmen dem "SRF", ein schweizerdeutscher Ausdruck, der einen feucht-fröhlichen Abend im Schweizer Hotel verspricht.
Von Allmen als Weltmeister ist nach seinen Vorleistungen keine Sensation, aber doch eine kleine Überraschung, schließlich gewann er noch nie ein Weltcup-Rennen in der Abfahrt. Von einem gesamt-schweizerischen Miteinander musste er schon vor einigen Jahren profitieren, als seine Skifahrer-Karriere vor dem Aus stand.
Als er 17 Jahre alt war, starb sein Vater, er war noch nicht im Nationalteam und benötigte dringend finanzielle Unterstützung. Von Allmen machte eine Ausbildung zum Zimmermann, um abgesichert zu sein und startete ein Crowdfunding für die Ski-Karriere. Es kamen 16.000 Franken zusammen, wodurch er eine weitere Saison finanzieren konnte und anschließend den Sprung in die Schweizer Nationalmannschaft schaffte.
Monney: "Wenn ich spaß habe, bin ich immer schnell"
"Es ist schwierig einzuordnen, was gerade auf mich einprasselt", sagte der 23-Jährige gegenüber dem "SRF". "Ich versuche, den Moment zu genießen, wenn man dann von Österreichern hier bei ihrer Heim-WM Gratulationen bekommt, ist das schön, das schätze ich sehr. Nach dem Super-G wollte ich noch einmal angreifen, ich hatte nichts zu verlieren. Ich bin volles Risiko gegangen, es war am Limit, aber es ist aufgegangen. Ich hatte riesig Spaß."
Das galt auch für Monney, der hinter dem Österreicher Kriechmayr auf Platz drei landete. Auch der 25-Jährige hob bei der Analyse seiner Fahrt im "SRF" den Schweizer Teamgeist hervor: "Es war ein super Tag. Ich war im Ziel etwas überrascht, weil ich im Mittelteil einen Fehler hatte. Dann habe ich Platz eins und eine Sekunde Vorsprung gesehen, das waren fast zu viele Emotionen. Ich habe heuer viel Spaß beim Skifahren, das ist sehr wichtig. Wenn ich Spaß habe, bin ich immer schnell. Wir sind ein super Team, heute ist es wirklich schön, mit Franjo auf dem Podest zu sein."
Und auch Monney verspricht einen aufregenden Abend: "Franjo und ich sind gemeinsam im Zimmer. Es könnte gefährlich werden."
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Highlights: Spektakel in der WM-Abfahrt - von Allmen haut einen raus
Quelle: Eurosport
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