Felix Neureuther sorgte in den vergangenen Wochen mit massiver öffentlicher Kritik für Aufsehen in der Alpin-Szene.
Vor allem in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sieht der 37-Jährige, der 13 Weltcup-Rennen gewann und seine Karriere im März 2019 beendete, den Skisport auf einem falschen Weg.
Das sei erneut beim Saisonstart in Sölden deutlich geworden, wo bereits am 23. Oktober auf dem Rettenbachferner ein Riesenslalom der Damen stattfand.
Olympia - Ski Alpin
"Wäre für Boykott zu haben": Neureuther kritisiert Olympia-Vergabe
07/10/2021 AM 09:15
"Muss es denn wirklich sein, dass man so früh in eine Weltcupsaison startet?", fragte Neureuther in der "Welt am Sonntag" und lieferte die Antwort gleich mit. Derart früh in der Saison terminierte Gletscherrennen seien nicht mehr zeitgemäß. Es gehe nun darum, die Gletscher zu "schonen, weil sie davonschmelzen".

Lehmann: "Das ist Mathematik 4. Klasse"

Ein Verzicht auf das frühe Sölden-Rennen ist aus Sicht von Urs Lehmann allerdings der falsche Ansatz. "Wenn der Skisport ein globaler Sport werden will, dann müssen wir mehr Zeit und Rennen haben. Dafür brauchen wir eine lange Saison", so der Präsident von Swiss-Ski im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de.
Nur so lasse sich die finanzielle Situation für die Aktiven verbessern. "Viele fordern zurecht höhere Einkommen für die Athleten im Alpinbereich, aber das geht nur mit mehr Rennen. Für mehr Einnahmen brauchen wir mehr Rennen, das ist Mathematik 4. Klasse", so Lehmann, der seine Laufbahn 1997 beendete.
Die Forderung von Neureuther, den Skisport nachhaltiger und umweltverträglicher aufzustellen, teilt der 52-Jährige dennoch. "Nachhaltigkeit ist für uns im Schweizerischen Skiverband natürlich ein Thema. Es gilt, verschiedene Dinge zu verbessern und da müssen wir alle mitziehen", stellt Lehmann klar. "Elektromobilität ist da eine Möglichkeit." Generell sei es im Skisport aber nötig, auch größere Reisen zu unternehmen, "sonst kann man damit aufhören".
Er gebe "Neureuther in einigem recht, aber nicht in allem". Im Hinblick auf die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 nach Peking stimmt Lehmann mit dem Weltmeister von 2005 nicht überein.

Neureuther kritisiert Milliarden-Ausgaben

Neureuther etwa sind die Milliarden-Ausgaben ein Dorn im Auge. "Es kann doch nicht das Interesse des olympischen Sports sein, die Spiele so aufzublähen, dass sie nicht mehr bezahlbar sind", monierte der ehemalige Rennläufer in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Es sei an der Zeit, nicht mehr in "Gigantismus, sondern in nachhaltige Themen" zu investieren.

Felix Neureuther

Fotocredit: SID

Lehmann hält Peking dagegen für eine gute Wahl und den asiatischen Skisport-Markt für zukunftsweisend.
"Nur mal ein Beispiel: 1990 wurden weltweit rund sechs Millionen Paar Ski verkauft, heute stehen wir in etwa bei drei Millionen. Da ist doch sonnenklar, dass man dahin gehen muss, wo Wachstumspotenzial besteht - und das ist derzeit vor allem auf dem chinesischen Markt der Fall. Um es auf den Punkt zu bringen: Werden weniger Ski verkauft, geht es der Ski-Industrie schlechter und damit letztlich auch dem Weltcup sowie den Athletinnen und Athleten", erläutert Lehmann.

Lehmann: "Peking ein wenig ein Blindflug"

Der Schweizer gibt zu, dass "die Olympischen Winterspiele von Peking ein wenig ein Blindflug" werden, man kenne "die Örtlichkeiten kaum, dazu kommt die Pandemie. Auch die Spiele von Tokio waren vorher ein Stück weit ein Blindflug, aber es wurden tolle Spiele. Das Wichtigste für uns ist, dass die Winterspiele in Peking stattfinden können, eine Absage wäre der Worst Case."
Neureuther, der inzwischen als TV-Experte bei der "ARD" arbeitet, dürfte das anders sehen, denn: "Leider wird in Peking wieder offensichtlich, dass diese Spiele zum dritten Mal hintereinander nicht die Werte verkörpern, die Olympische Spiele verkörpern sollten."
Eines immerhin zeigen die Aussagen von Neureuther und Lehmann - die Debatte um Gigantismus, Nachhaltigkeit und Umweltschutz nimmt an Fahrt auf. Der Skisport wird sich bewegen müssen ...
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