Romed Baumann hatte einen einfachen Rat. "Jetzt nur nicht die Nerven wegschmeißen", sagte der Routinier lapidar nach der zweiten Abfahrt am Lauberhorn in Wengen, die für ihn und seine nur noch drei Teamkollegen erneut mit einem enttäuschenden Resultat zu Ende ging.
Tatsache ist: Nur drei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele werden die deutschen Abfahrer ihren Erwartungen ganz und gar nicht gerecht. Also: Nerven behalten?!
Der beste Deutsche am Samstag, als es im Gegensatz zum Rennen am Vortag über die komplette 4,5 km lange Strecke ging, war abermals Dominik Schwaiger, er belegte Rang 17. Baumann folgte auf Rang 19, Simon Jocher wurde 24., Josef Ferstl fuhr auf Platz 30.
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Das war ein bisschen besser als am Vortag, und dennoch insgesamt "kein gutes Wochenende", wie Schwaiger sagte. Andreas Sander, immerhin WM-Zweiter, hatte nach Rang 41 am Freitag das zweite Rennen lieber ausgelassen.

"Sondertraining" für Kriechmayr

Bei blauem Himmel siegte diesmal ausgerechnet Vincent Kriechmayr. Der Doppel-Weltmeister aus Österreich hatte wegen einer Corona-Infektion die beiden Trainingsläufe in Wengen verpasst und somit nach den Regeln des Internationalen Skiverbandes FIS keine Startberechtigung.
Doch Renndirektor Markus Waldner und die Jury setzten für ihn am Freitagmorgen eigens ein "Training" an - der 30-Jährige fuhr dabei nur aus dem Starthaus heraus, war den Regeln entsprechend damit aber in den Rennen startberechtigt.

Feuz legt vor: Schweizer rast am Lauberhorn aufs Podium

Kriechmayr sagte, er sei "dankbar für die Ausnahmeregelung" der FIS und betonte, "ich hätte genauso eine andere Entscheidung akzeptiert". Der zweitplatzierte Schweizer Beat Feuz (+0,34 Sekunden) hielt die Ausnahme für vertretbar. "Den Vorteil, dass er ausgeruhter war, hatte er mit Sicherheit. Aber du musst das auch erst schaffen, ohne wirkliche Vorbereitung hier so zu fahren", sagte er. Dritter wurde Dominik Paris (Italien) vor dem Gesamtweltcup-Spitzenreiter Marco Odermatt (Schweiz).

Sander verzichtet auf Start

Die Deutschen haben derweil ganz andere Sorgen, vor allem Sander, der nach seinem missratenen Rennen ratlos wirkte. "Aktiver und Trainerteam haben gemeinsam beschlossen, dass sich Andi stattdessen auf die Rennen in Kitzbühel vorbereitet", begründete der Deutsche Skiverband (DSV) den Startverzicht des WM-Zweiten am Samstag. In Kitzbühel werden in der kommenden Woche erneut zwei Abfahrten ausgetragen - die letzten vor den Olympischen Spielen.
Geht es nach Alpinchef Wolfgang Maier, liegt Sanders Problem eher im mentalen Bereich - ausgelöst durch die sensationelle Silbermedaille im vergangenen Februar. "Er macht sich zu viel Druck", sagte er am Rande der Frauen-Abfahrt im österreichischen Zauchensee, wo die WM-Zweite Kira Weidle mit Rang zwei das beste Resultat ihrer Karriere im Weltcup einfuhr. "Man kann", ergänzte Maier, "an seinen Erwartungen auch manchmal scheitern."
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(SID)

Abfahrtssieg in Wengen: Der Sieglauf von Kriechmayr am Lauberhorn

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