Die finnische Zeitung "Iltalehti" sorgte dieser Tage für Aufsehen, in dem sie einen anonymen "Insider" zitierte, der erfahren haben will, dass die deutschen Langläuferinnen bei den Winterspielen auf ein Ski-Wachs mit C8-Fluorid zurückgegriffen hätten.
Es wäre eine Verletzung des Reglements, Silber in der 4x5-km-Staffel und Gold im Teamsprint wären somit durch Betrug zustande gekommen.
Der Deutsche Skiverband (DSV) reagierte prompt und empört. "Zu anonymen Vorwürfen, noch dazu wenn sie so hanebüchen sind, geben wir normalerweise keine Stellungnahme ab", betonte Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach gegenüber Eurosport. "Aber um es klar und deutlich zu sagen: Der Deutsche Skiverband hält sich an alle Vorgaben und Regeln."
Olympia - Skilanglauf
Betrugsvorwürfe bei Langlauf-Gold - DSV reagiert empört
19/02/2022 UM 13:48
Man verwende "sicherlich kein C8-Fluorid, da wir es nicht mehr bei uns haben", stellte Andreas Schlütter, sportlicher Leiter im Bereich Skilanglauf beim DSV, gegenüber der norwegischen Zeitung "Dagbladet" klar. "Es ist eine Lüge, was sie schreiben."

Behle stellt klar: C8-Wachs sinnlos bei Olympia

Tatsächlich gibt es keinerlei Hinweise, dass an den Unterstellungen etwas dran ist.

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Bleibt die Frage, worum es sich bei C8-Wachsen handelt und ob ein Einsatz bei Olympia überhaupt Vorteile mit sich gebracht hätte?
Letzteres verneint der ehemalige Bundestrainer Jochen Behle im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de. "Wachse mit C8-Fluorid hätte bei den Spielen in China kein Team freiwillig eingesetzt. Der Grund liegt auf der Hand: Dieses Material bringt nur etwas bei feucht-nassen Bedingungen, wenn es etwas wärmer ist und die Loipe schmierig wird", so der 61-Jährige. Dann werden die Ski langsamer, die Gleitfähigkeit nehme ab. Dieser unerwünschte Prozess lasse sich mit C8 hinauszögern.
An den olympischen Wettkampfstätten im Nordischen Ski- und Biathlonzentrum Guyangshu herrschten allerdings komplett andere Bedingungen. "Wir hatten eine Luftfeuchtigkeit von etwa nur 40 Prozent, tiefe Temperaturen und sehr kalten Schnee. Es hätte keinen Sinn ergeben, C8-Wachs einzusetzen", erläutert Behle.

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Der zuständige FIS-Renndirektor Pierre Mignerey sieht die Sachlage genauso. "Ich habe keinen Grund, es zu glauben. Vielleicht haben die Leute bemerkt, dass Deutschland besser gleitet, und spekuliert. Aber ich denke nicht, dass es sinnvoll ist, weil es hier keinen Schnee gegeben hat, bei dem diese Produkte etwas nutzen", betonte der Franzose gegenüber dem norwegischen "Dagbladet".

Vorwürfe gegen deutsches Teams aus Neid?

Und die Vorwürfe des sogenannten Insiders?
"Wohl eher Neid", vermutet Behle, der am 17. Dezember 1989 im Weltcup das 50-Kilometer-Rennen im kanadischen Calgary gewann.

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Ein Problem sei indes die Nachweisbarkeit verbotener Wachse. Der Internationale Skiverband (FIS) und die Internationale Biathlon-Union (IBU) haben den Einsatz von C8-Fluorpolymeren untersagt und kommen damit EU-Regularien nach.
"Firmen dürfen das Produkt auch nicht in den Verkauf bringen, sonst drohen empfindliche Strafen. Das gilt auch für Verbände, die es unerlaubterweise weiterhin nutzen", weiß Behle. Es gebe zwar Möglichkeiten, C8 am Ski nachzuweisen, die Umsetzung vor Wettkämpfen gestalte sich aber schwierig und werde bislang nicht oder kaum durchgeführt.

Langläuferin kontert Journalist frech und witzig

Neben dem deutschen Team wurde bei Olympia auch die Auswahl des Russischen Olympischen Komitees (ROC) mit Unterstellungen konfrontiert, wonach man beim Wachsen betrüge. Besonders plakativ setzte sich Veronika Stepanova gegen die vom schwedischen Journalisten Tomás Petterson in der Zeitung "Expressen" erhobenen Vorwürfe zur Wehr.

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"Ich mache Dir einen Vorschlag, Thomas - warum schaust Du nicht in meiner Unterhose nach? Vielleicht verstecke ich einen Motor darin, wie Karlsson vom Dach? Die Überschrift würde sich doch noch besser verkaufen, oder?", konterte die Skilangläuferin auf Instagram und sahnte damit jede Menge Likes ab.
Allerdings: Das Thema C8-Wachs wird sich mit Ende der Olympischen Spiele wohl nicht erledigt haben, glaubt Behle. "Wenn Ende der Saison in Skandinavien die Weltcups gelaufen werden und die Bedingungen wärmer und feuchter sind, wird das wahrscheinlich wieder hochkommen. Dann sollte die FIS zumindest Stichproben machen", schlägt Deutschlands Langlauf-Ikone vor.
Keine Frage: Steigen die Temperaturen auf den Loipen, wird auch das Thema C8-Wachs wieder heißer ...
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