Vierschanzentournee-Sieger Daniel Tschofenig über seinen Erfolg und Material-Diskussion: "Wollten Streit provozieren"
Publiziert 10/01/2025 um 12:08 GMT+1 Uhr
Daniel Tschofenig gewann in einem dramatischen Finale am Dreikönigstag in Bischofshofen die Vierschanzentournee. Dabei setzte sich der Österreicher denkbar knapp gegen seine Landsmänner Stefan Kraft und Jan Hörl durch. Keine leichte Situation für den erst 22-Jährigen, verriet er nun. Auch zur Diskission um die verhüllten Bindungen äußerte er sich, wollte diese aber nicht überbewerten.
Highlights: Tschofenig krönt furiose Aufholjagd mit dem Goldadler
Quelle: Eurosport
Es war ein Herzschlagfinale, österreichische Festspiele mit dem besseren Ende für den jungen Himmelsstürmer Tschofenig. Dabei sah sein Teamkollege Kraft vor dem allerletzten Sprung in Bischofshofen bereits wie der sichere Sieger aus.
Aufgrund einer Jury-Entscheidung musste der Tourneesieger von 2015 allerdings minutenlang auf dem Balken warten - und fiel schließlich noch hinter Tschofenig zurück.
Für Letzteren keine einfache Situation, wie er nun im Interview mit der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" erklärte.
"Man erwartet sich eigentlich, dass im Moment des Triumphes der Druck von dir abfällt, das stimmt auch, aber auf der anderen Seite bist du einfach völlig überfordert", so der 22-Jährige. "Alles prasselt auf dich ein, die viele Eindrücke, die vielen Gefühle. Es wird zwar besser, aber ganz angekommen ist alles noch immer nicht."
Tschofenig leidet mit Kraft: "Mentaler Stress"
Wirklich freuen konnte sich der gebürtige Kärntener nicht über den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere – zumindest im ersten Moment. Ähnlich wie beim VAR im Fußball wollte der Skispringer die definitive Entscheidung über die Weite von Krafts Sprung abwarten:
"Aber was, wenn irgendwas falsch ist, wenn die grüne Linie nicht stimmt, wenn das 'To Beat' nicht stimmt, dann freust du dich, und dann bist du Zweiter, dann bist du halt ein richtiger Idiot."
Für seinen Teamkollegen konnte Tschofenig dennoch Mitgefühl aufbringen: "Das Pech für Krafti war der ganze Moment: Du sitzt da oben, liegst in Führung, der Wind spielt verrückt, du bist ohnehin schon gestresst, das Warten, der mentale Stress. Die Windbedingungen bei seinem Sprung waren dann eh ganz okay."
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Kraft kritisiert die Jury: "Sie starten immer zu hoch"
Quelle: Eurosport
Er selbst habe hingegen "Glück" gehabt, früher starten zu können. Auch der erste Sprung – "der keine besondere Granate war", habe er sich selbst den Druck genommen. "Ich hatte den Eindruck, dass ich es eh nicht mehr gewinnen konnte, mein Ziel war das Podest."
Trotz der gemischten Gefühle im ÖSV-Team habe man am Abend noch zusammen sitzen und die Vierschanzentournee "ausklingen" lassen können, verriet Tschofenig.
Tschofenig will Material-Diskussion nicht aufbauschen
Auch zur Diskussion um die verhüllten Bindungen der Österreicher bei der Vierschanzentournee äußerte sich der Sieger. Den ÖSV-Adlern war vor allem aus dem norwegischen Lager Schummelei vorgeworfen worden.
An böse Hintergedanken glaubt Tschofenig allerdings nicht: "Das wurde vor allem von einigen Medien aufgebauscht. Der Ursprung lag bei den Norwegern, deren Aussagen so verdreht wurden, dass es aussah, als ob uns vorgeworfen würde, mit illegalen Mitteln zu springen. Ich schiebe das jetzt einmal gutgläubig auf Übersetzungsfehler. Das ist ja auch ein direkter Angriff auf unsere Persönlichkeit und auch auf unsere Leistung und unser Können."
Er selbst habe mit dem Norweger Johann André Forfang gesprochen, der ihm versichert hätte, "dass sie nie behauptet hätten, dass wir betrügen".
Stattdessen nahm Tschofenig die Öffentlichkeit in die Pflicht: "Einige Medien wollten da scheinbar einen Streit provozieren. Das war bitter und frustrierend, vor allem, weil man immer darauf angesprochen wurde."
Der frühere Vierschanzentourneesieger Sven Hannawald hatte die Diskussion rund um das Versteckspiel der Österreicher jüngst als "Kasperltheater" bezeichnet.
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Schmitt-Analyse zum Tournee-Krimi: "Jury hat großen Einfluss genommen"
Quelle: Eurosport
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