Sven Hannawald vermutet keinen Regelverstoß der ÖSV-Adler bei der Vierschanzentournee - Kritik am "Kasperltheater"

Die 73. Vierschanzentournee war nicht nur das gewohnte Saisonhighlight, sondern verwandelte sich zu echten Österreich-Festspielen - inklusive deutlicher Nebengeräusche. Der dominante Auftritt von Toursieger Daniel Tschofenig, Stefan Kraft & Co. lud manche zu Spekulationen um mögliche Regelverstöße ein. Sven Hannawald aber vermutet keine Schummelei, sieht beim ÖSV-Team jedoch ein "Kasperltheater".

Highlights: Tschofenig krönt furiose Aufholjagd mit dem Goldadler

Quelle: Eurosport

Damit spielt der Tournee-Sieger von 2001/2002 auf das zwischenzeitliche Versteckspiel der Österreicher an.
"Was die Bindung angeht, haben sie sie einmal abgedeckt, in Bischofshofen hat sich dann Daniel Tschofenig im Auslauf ohne Abdeckung der Bindung gezeigt", erklärte Hannawald im Gespräch mit "Sport1".
Aus Sicht des bis heute letzten deutschen Tournee-Gesamtsiegers ist das Hin und Her durchaus als Provokation an die Konkurrenz zu verstehen.
"Das ist für mich ein Kasperltheater, das die Österreicher aufziehen, wenn sie merken, dass sie zwei Schritte vor allen anderen sind. Ich möchte nicht von Bloßstellen reden. Aber sie machen sich schon darüber lustig und genießen es, dass alle anderen glauben, es sei da eine Wunderbindung dabei", betonte der 50-Jährige.

Österreicher mit Top-material

Über das "Kasperltheater" hinaus erhebt Hannawald indes keine Vorwürfe. "Es gibt Regeln, sei es beim Anzug, bei der Bindung oder bei den Schuhen. Der FIS ist bei den Kontrollen nichts aufgefallen, sonst hätten wir ja eine Meldung bekommen", stellte der Experte klar.
Auch aus "den inneren Kreisen" habe Hannawald "nichts munkeln gehört". Stattdessen glaubt der Team-Olympiasieger von 2002, dass der ÖSV im Sommer einen guten Job gemacht habe, was das Material angeht.
picture

Ski jumping - Feature - ITW Christian Kathol FIS equipment controller

Quelle: Eurosport

"Da die Österreicher in geballter Form als Team erfolgreich waren, gehe ich davon aus, dass sie im Sommer oder auch am Anfang des Winters etwas gefunden haben, was das Material angeht, speziell die Anzüge. Ich glaube, dass sie eine gute Stoffqualität hatten", vermutet Hannawald, der die ÖSV-Adler gleichzeitig sportlich auf hohem Niveau sah.
Auch Skisprung-Legende Jens Weißflog glaubt nicht an einen Verstoß, wie er im "Sport1"-Interview erklärte. Das Regelbuch sei mittlerweile so ausführlich und die Kontrollen so engmaschig, dass es kaum noch Spielraum gebe.

Schuster vertraut Kontrollen

Eurosport-Experte Werner Schuster stellte sich ebenfalls gegen die Schummel-Vorwürfe, die vor allem aus Norwegen - etwa von Halvor Egner Granerud oder Johann Andre Forfang - kamen.
"Es steht außer Frage, dass die Österreicher auch im technologischen Bereich hervorragend aufgestellt sind. Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht, davon kann man ausgehen. Zudem würde ich empfehlen, dass man den Kontrollen vertraut", sagte der ehemalige Bundestrainer im Exklusiv-Interview.
Schuster, Weißflog und Hannawald sind sich weitestgehend einig: Die Dominanz der ÖSV-Adler kommt zwar nicht von ungefähr, bewegt sich aber im Rahmen des Erlaubten - das "Kasperltheater" dürfte nach dieser 73. Vierschanzentournee eine Randnotiz bleiben.
picture

Geiger zieht Tournee-Fazit: "Das habe ich nicht kommen sehen"

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung