Vierschanzentournee: Super-Kraft gegen die Jungen, DSV-Adler gegen das Debakel - die wahren Duelle von Bischofshofen

Stefan Kraft hat seinen neuen Status als Tourneefavorit Nummer eins in der Qualifikation von Bischofshofen eindrucksvoll untermauert. Der 31-jährige Österreicher wies seine jungen Teamkollegen vor dem Showdown in die Schranken. Zum größten Konkurrenten der ÖSV-Asse schwingt sich derweil ein Schweizer auf. Die deutschen Springer sind dagegen um Schadensbegrenzung bemüht. Die wahren Duelle.

Schmitt-Analyse: Hinter diesem ÖSV-Ass stehen die meisten Fragezeichen

Quelle: Eurosport

Die österreichische Party bei der 73. Vierschanzentournee geht einfach nahtlos weiter.
Nur einen Tag nach dem triumphalen Dreifachsieg am Bergisel in Innsbruck sorgte Nationalheld Stefan Kraft in der Qualifikation für das abschließende Springen in Bischofshofen erneut für Begeisterung bei den heimischen Anhängern.
Der Salzburger setzte mit der Tagesbestweite von 142,0 m gleichzeitig das nächste dicke Ausrufezeichen im Kampf um den Goldadler gegen seine jungen Teamkollegen Jan Hörl und Daniel Tschofenig.
Im Schatten der neuerlichen Kraft-Gala hat sich auf der Paul-Außerleitner-Schanze ein Eidgenosse endgültig zum ärgsten Konkurrenten der ÖSV-Adler aufgeschwungen.
Für das deutsche Team geht es vor dem großen Finale am Dreikönigstag dagegen nur noch um Schadensbegrenzung.
Die wahren Duelle von Bischofshofen.
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"In seiner eigenen Liga": Kraft dominiert auch in der Qualifikation

Quelle: Eurosport

1.) Super-Kraft gegen die jungen Jäger

Eine bessere Dramaturgie hätte es vor dem krönenden Abschluss der 73. Vierschanzentournee kaum geben können.
Vor dem finalen Wettkampf liegen zwischen dem Gesamtführenden Kraft und dem drittplatzierten Tschofenig gerade einmal 72 (!) Zentimeter. Dazwischen reiht sich Hörl mit einem Rückstand von läppischen 33 Zentimetern ein.
"Das ist schon abartig. Das wird richtig, richtig spannend", kündigte daher Tschofenig an.
In der Tat sieht es auf dem Papier nach einem packenden wie engen österreichischen Dreikampf aus - doch am Sonntag machte Kraft mit seiner unvergleichlichen Konstanz deutlich: Der Gesamtsieg geht nur über ihn.
"Er macht wieder eine eigene Liga auf", schwärmte Werner Schuster am Eurosport-Mikrofon nach Krafts Qualisprung auf 142 Meter, was gleichbedeutend mit der Tagesbestweite war.
"Er springt wie aus einem Guss und befindet sich in einem echten Flow. Er kann seine gesamte Energie in jeden Sprung legen, weil er genau weiß: Das Set-up passt, das Material stimmt, und seine Technik ist auf den Punkt", zeigte sich auch Eurosport-Experte Martin Schmitt beeindruckt und betonte: "Wer Stefan kennt, der weiß, dass er in so einer Situation nichts herschenkt."
Für Hörl und Tschofenig vermag dies nichts Gutes heißen. Zumal die beiden trotz ansprechender Weiten (139,0 m/137,0 m) und Platzierungen (6./5.) ihre Probleme hatten.
"Ich muss die Kante treffen. Das war heute doch sehr spät, und dann komme ich nicht so gut über den Ski und bremse ein Stück weit über den gesamten Hang. Trotzdem ist noch etwas Gutes dabei herausgekommen", sagte Hörl bei Eurosport.
Auch Tschofenig hatte zum Auftakt seine liebe Mühe und Not. "Ich habe einfach nur gekämpft und hatte kein richtiges Gefühl", erklärte er.
Besonders die ersten beiden Trainingssprünge seien problematisch gewesen: "Da war ich viel zu früh dran. Das war zwar für den Absprung besser, aber das Fliegen hat überhaupt nicht gepasst und war nicht so, wie ich es momentan gewohnt bin."
Aufgegeben hat sich das Duo aber noch lange nicht. "Er (Kraft; Anm. d. Red.) sagt immer, dass er die Jungen ärgern möchte, morgen werden wir schauen, dass wir den Älteren ein bisschen ärgern", sagte Hörl.
Um einen Angriff auf den Mann der Stunde zu starten, müssen die beiden ihre Schwächen jedoch schnellstmöglich ausmerzen. Ein Unterfangen, das nicht zuletzt aufgrund Krafts momentaner Verfassung äußerst kompliziert werden wird.
"Stefan kann sich auf seine Technik und seine Fähigkeiten verlassen. Das will er morgen zweimal ins Tal ziehen und dann wird es für die Konkurrenz sehr, sehr schwer", bilanzierte Schmitt.
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Sterfan Kraft gewinnt die Qualifikation in Bischofshofen

Fotocredit: Imago

2.) DSV-Adler gegen das Debakel

Mehr als ein etwas gequältes Lächeln konnte sich Paschke nach seinem Qualisprung nicht abringen.
Der Kiefersfeldener zeigte einen ordentlichen Sprung (135,0 m), zu Kraft fehlten aber ganze sieben Meter. Mehr als Rang 13 sprang für den 34-Jährigen damit nicht raus.
"Bei Pius merkt man, dass die Enttäuschung darüber, seine starke Form nicht halten zu können, mitschwingt. Das ist emotional nicht leicht zu verkraften", brachte es Schmitt auf den Punkt.
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"Kein schlechter Sprung": Paschke mit solider Qualifikation

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Der Routinier war nach seinem Traumstart in den Winter und fünf Erfolgen der große Hoffnungsträger im deutschen Team. Mit Gesamtrang sechs absolviert er zwar die beste Tournee seines Lebens, für einen Platz ganz vorne reichte es - abgesehen von Rang vier in Oberstdorf - nicht.
Somit droht dem DSV zum zweiten Mal seit 2017/18 die Heimreise aus Bischofshofen ohne ein einziges Tagespodest bei der Tournee im Gepäck.
"Der entscheidende Unterschied zu Kraft ist der halbe km/h (88,9 zu 89,4 km/h), der Paschke bei der Anfahrtsgeschwindigkeit fehlt", analysierte Schuster: "Er hat aber etwas Aggressivität rausgenommen, das stimmt mich positiv für morgen"
Damit es mit dem ersehnten Erfolgserlebnis aber noch etwas wird, müssen sowohl Paschke, der als einziger Deutscher in den Top Ten der Tournee-Wertung steht, als auch seine Teamkollegen noch einmal nachjustieren.
Schließlich hat auch Eurosport-Experte Schmitt bei Andreas Wellinger, dem besten Deutschen in der Quali (9.), eine Schwäche ausgemacht.
"Andi gefällt mir vom Absprung her noch nicht, da ist er aktuell nicht absolute Weltspitze. Da muss er im Saisonverlauf aufholen", bemängelte der zweimalige Gesamtweltcupsieger.
Karl Geiger (16.) war dagegen erleichtert, das frühe Aus von Innsbruck ein klein wenig vergessen zu machen. "Heute habe ich erst überhaupt nicht reingefunden, deshalb bin ich wirklich, wirklich froh, dass ich den Qualisprung so hinbekommen habe", sagte er.
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Bischofshofen : Interview - Karl Geiger

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Für einen Lichtblick sorgte erneut Philipp Raimund (15.) mit einem weiten Satz auf 138,5 Meter. "Philipp macht es super. Er wird immer stärker, bekommt immer mehr Selbstverständnis in seinen Sprung und belohnt sich langsam dafür", lobte Schmitt den 24-Jährigen.
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"Da geht noch mehr!" Raimund haut in der Qualifikation einen raus

Quelle: Eurosport

Wirklich warm wird Raimund mit der Paul-Außerleitner-Schanze dennoch nicht. "Ich hasse Bischofshofen. Ich schlafe hier jedes Mal fast ein, wenn ich in den Radius komme, weil der Anlauf so lang und so langsam ist", sagte er unumwunden.
Am Dreikönigstag gilt es jedoch, noch einmal hellwach zu sein, um die Tournee zu einem versöhnlichen Ende zu bringen.
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Raimund nach Topsprung ehrlich: "Ich hasse Bischofshofen"

Quelle: Eurosport

3.) Ein Eidgenosse gegen die Eintönigkeit

7., 6., 4., 2., 3., 4.
Deschwanden präsentierte sich bei der diesjährigen Tournee (Quali + Wettkampf) bis dato verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk.
In Bischofshofen machte er genau da weiter und landete mit einem Satz auf 142,0 m auf Platz drei. Lediglich eine verpatzte Landung und entsprechende Haltungsnoten um die 15,5 verhinderten ein noch besseres Ergebnis.
"Alle drei Sprünge (Training und Quali; Anm. d. Red.) hatten ein wirklich gutes Timing. Es war bei der Tournee meine erste Qualifikation, bei der ich wirklich gut im Timing war. Mit der Landung bin ich allerdings noch nicht zufrieden. Ich hoffe, dass ich es morgen besser machen kann", analysierte der Viertplatzierte der Tournee-Wertung am Eurosport-Mikrofon.
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Gregor Deschwanden im Training in Bischofshofen

Fotocredit: Getty Images

Der 33-Jährige erlebt in dieser Saison so etwas wie seinen zweiten Frühling und ist der Einzige, der mit seinem zweiten Platz in Garmisch-Partenkirchen das Dauer-Abo der Österreicher auf alle drei Podestplätze bei der Tournee durchbrach.
Dass Deschwanden selbst das Zeug für einen Tagessieg hat, stellte er am Sonntag unter Beweis.
"Das wäre eine schöne Geschichte. Die Gesamtwertung machen die Österreicher selbstverständlich unter sich aus, aber dann wäre das noch ein kleiner Farbtupfer, wenn der Gregor das morgen machen würde", sagte Schmitt abschließend.
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Bischofshofen : Interview - Paschke

Quelle: Eurosport


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