Die Lehren aus Garmisch-Partenkirchen: Das deutsche Warten auf einen Gesamtsieg geht weiter - Österreich überragt erneut

Daniel Tschofenig gewinnt das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen bei der Vierschanzentournee, während Pius Paschke mit Problemen zu kämpfen hat. Ein deutscher Tourneesieg rückt angesichts des Rückstandes von 25,3 Punkten in weite Ferne. Dagegen kann ein Schweizer auf der Olympiaschanze zum wiederholten Mal in dieser Saison für eine Überraschung sorgen. Drei Lehren aus dem Neujahrsspringen.

Schmitts Halbzeit-Analyse zur Tournee: "Paschke hatte kein Pech"

Quelle: Eurosport

Das neue Jahr startet für die DSV-Adler mit einem Rückschlag. Durch seinen neunten Platz beim Neujahrsspringen der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen verlor Pius Paschke massiv Punkte in der Tourneewertung und musste zudem das Gelbe Trikot des Gesamtführenden an Tagessieger Daniel Tschofenig abgeben.
Derweil läuft es bei den Springern des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) wie geschmiert: Nach dem Dreifachtriumph in Oberstdorf zum Auftakt legten die ÖSV-Adler um Tschofenig mit einem Doppelpodium nach.
Von sechs Podestplätzen gingen beim Jahreshöhepunkt bisher fünf an die Alpenrepublik, deren Athleten aktuell auch die drei vordersten Positionen in Gesamtwertung belegen.
Einzig Gregor Deschwanden konnte die rot-weiß-rote Phalanx bisher durchbrechen.
Drei Lehren aus dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.

1.) Paschkes Rückstand schon zu groß

Bereits während des Trainings und in der Qualifikation hatte sich abgezeichnet, dass die große Olympiaschanze für Pius Paschke eine Herausforderung werden würde. Der Bayer ging nach 133 Metern in der Qualifikation als Neunter ins Neujahrsspringen.
picture

Tschofenig dominiert, Hayböck bricht Schanzenrekord - Highlights

Quelle: Eurosport

Dort wurde es nur bedingt besser: Auf Rang 16 nach 129 Metern im 1. Durchgang, ließ Paschke im Finale zwar starke 143,5 Meter und eine Verbesserung um sieben Plätze folgen, dennoch steht unter dem Strich nun ein Rückstand von 25,3 Punkten auf den neuen Tourneeführenden Daniel Tschofenig.
Umgerechnet liegt Paschke nach zwei Stationen bereits 14 Meter hinter der Spitze. Hat man die deutsche Brille auf, verweist man darauf, dass immer noch zwei Wettkämpfe ausstehen - und im Schnitt 3,5 Meter pro Sprung aufzuholen, erscheint zumindest theoretisch machbar.
Allerdings stehen mit Tschofenig, Stefan Kraft und Jan Hörl drei Österreicher an der Spitze, die nicht nur überragende Leistung gezeigt haben, sondern die bei den beiden abschließenden Springen auch noch mit Heimvorteil an den Start gehen.
Neben der Formstärke seiner Konkurrenten ernüchtert der Blick auf Paschkes bisheriges Abschneiden in Innsbruck und Bischofshofen. Lediglich ein einziges Mal gelang ihm in der zweiten Tournee-Hälfte eine Top-Ten-Platzierung: Platz acht in Innsbruck im vergangenen Jahr beim Sieg von Kraft.
picture

Paschke gelingt Befreiungsschlag: Tosender Jubel in Garmisch

Quelle: Eurosport

Am Bergisel schied er 2024 mit 114 Metern sogar im 1. Durchgang aus, nachdem er 2023 dasselbe Schicksal auf der Paul-Außerleitner-Schanze erlitten hatte.
Eine Bilanz, die wenig Hoffnung macht. Zumal die DSV-Adler bei den österreichischen Stationen der Vierschanzentournee fast schon traditionell schlecht abschneiden. Seit dem Grand Slam von Sven Hannawald vor mittlerweile 23 Jahren gab es in Innsbruck nur vier deutsche Podestplatzierungen - in Bischofshofen waren es derer sechs.
picture

Paschke exklusiv nach Garmisch: "Darauf baue ich jetzt auf"

Quelle: Eurosport

Einzig Richard Freitag konnte seit 2002 in der Alpenrepublik für einen schwarz-rot-goldenen Sieg sorgen (2015 in Innsbruck).
Hoffnung macht den deutschen Fans eigentlich nur der späte wie unerwartete Aufstieg Paschkes zum Spitzenspringer in dieser Saison. Mit 34 schien der Zenith seiner Karriere überschritten, doch plötzlich gewann er zu Beginn des Winters fünf Weltcups. Das hilft derzeit aber nur bedingt. Das Warten auf den ersten deutschen Tourneesieg seit Sven Hannawald geht wohl in die nächste Runde.

2.) Immer wieder Österreich

Unglaublich, aber wahr: Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass Kraft als bis dato letzter Österreicher den Goldenen Adler des Tourneesiegers in die Luft heben konnte.
Diese schwarze Serie scheint in diesem Jahr zu Ende zu gehen. Mit Tschofenig, Hörl und eben jenem Kraft stehen drei ÖSV-Springer in der Tourneewertung ganz oben.
In Garmisch-Partenkirchen war es Tschofenig, der mit Sprüngen auf 141,5 und 143 Meter den Sieg holte, nachdem er in Oberstdorf nach einem siebten Platz im 1. Durchgang noch auf Rang drei geklettert war.
Am Gudiberg zeigte sich der 22-jährige Überflieger erneut nervenstark, wenn auch in einer anderen Ausgangslage: Im Finale verteidigte er seine Führung mit einem Flug auf die drittbeste Weite des Tages.
picture

"Wahnsinnswettkampf!" Tschofenig mit nächster Traumweite zum Sieg

Quelle: Eurosport

"Er hat die besten Karten für die zweite Tournee-Hälfte", befand Eurosport-Experte Martin Schmitt nach dem Wettkampf mit Blick auf Tschofenig.
Aber auch Kraft und Hörl bewiesen ihre mentale Stärke und verbesserten sich nach schwächeren ersten Versuchen in Durchgang zwei um sechs bzw. vier Positionen.
Insbesondere für Kraft war der Satz auf 140,5 Meter ein Befreiungsschlag. In den vergangenen Jahren war Garmisch-Partenkirchen für den 31-Jährigen meist das Ende der Träume vom zweiten Tourneegesamtsieg.
2022/23 wurde er nach Platz fünf in Oberstdorf auf der Olympiaschanze 18., 2021 reichte es sogar nur zu Rang 28 - dieses Trauma scheint beseitigt und der nächste Gesamtsieg in Reichweite.
picture

Kraft lässt Federn im ersten Durchgang

Quelle: Eurosport

Nach seiner "schwächsten" Schanze beträgt der Rückstand auf Tschofenig gerade einmal 8,7 Punkte. Und auch Hörl darf sich mit 7,9 Punkte hinter Tschofenig Chancen auf den Goldenen Adler ausrechnen.
Es ist bezeichnend für die gegenwärtige Stärke des Teams von Trainer Andreas Widhölzl, dass Michael Hayböck als Tourneesiebter nur der vierbeste Mann im Bunde ist. Dabei sorgte der 33-Jährige mit seinem Schanzenrekord von 145 Metern im ersten Durchgang des Neujahrsspringens für ein absolutes Highlight.
picture

145 Meter! Hayböck springt zum Schanzenrekord in Garmisch

Quelle: Eurosport

Die Ergebnisse der ÖSV-Adler haben in der Alpenrepublik jedenfalls eine regelrechte Skisprung-Euphorie ausgelöst: Erstmals seit 2016 ist der Wettkampf in Innsbruck wieder restlos ausverkauft.

Schattenmann Deschwanden

Zusammen mit Pius Paschke ist Gregor Deschwanden vermutlich die größte (positive) Überraschung dieses Winters. Der Schweizer, der mit seinen 33 Jahren zunehmend auf den Herbst seiner Karriere zusteuert, feierte vier der bislang fünf Weltcup-Podestplätze seiner Karriere in der laufenden Saison.
Beim Neujahrsspringen verhinderte Deschwanden mit seinem zweiten Platz einen erneuten Doppelsieg für den Österreichischen-Skiverband.
picture

Gregor Deschwanden wird Zweiter beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen

Fotocredit: Getty Images

"Ganz tolle Saison von Gregor. Er hatte echt einen guten Saisonstart und macht bei der Vierschanzentournee genau da weiter", lobte auch Eurosport-Experte Schmitt den Schweizer.
Durch Rang zwei an Neujahr und Paschkes schwachem Abschneiden hat sich der im Weltcup bisher noch sieglose Deschwanden zum ersten Herausforderer des ÖSV-Trios an der Spitze gemausert.
Sein Rückstand von 13,6 Punkten auf Tschofenig (ca. 7,5 Meter) ist noch im Rahmen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines ersten Schweizer Tourneegesamtsiegs nach den rot-weiß-roten Machtdemonstrationen bei den ersten beiden Stationen eher gering ist.
Trotzdem könnte gerade dieser Umstand zu Deschwandens Trumpf werden. Während Tschofenig, Hörl und Kraft im Fokus stehen, kann der Schweizer in deren Schatten befreit aufspringen.
Der 33-Jährige hat nichts zu verlieren, kann aber zum ersten Mal in seiner Karriere alles gewinnen.

Die Vierschanzentournee 2024/25 live in HD-Qualität bei discovery+ | Hol dir ein Abo ab 3,99 Euro und erlebe die 73. Vierschanzentournee vom 28. Dezember 2024 bis 6. Januar 2025 mit unseren Experten Martin Schmitt und Werner Schuster in voller Länge live und auf Abruf. Direkt zu unserer Streaming-Plattform discovery+.

Das könnte Dich auch interessieren: Paschke-Dämpfer wegen Windpech? Schmitt sagt nein
picture

"Ein gutes Zeichen": Geiger überzeugt auch in Durchgang zwei

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung