Vierschanzentournee | Karl Geiger hadert mit dem Schicksal - aber nur kurz
Karl Geiger verspielt mit Rang acht in Innsbruck eine bessere Ausgangslage als Rang drei für das Tournee-Finale in Bischofshofen - gibt sich nach der Steigerung im zweiten Durchgang und einem kleinen Wutanfall aber kämpferisch. "Ich gehe All In. Wir werden alles riskieren", so der 26-Jährige. Lob gibt's von den Eurosport-Experten Sven Hannawald und Martin Schmitt. Und auch der Bundestrainer hofft.
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Karl Geiger zankte mit einem Kameramann, er fluchte lautstark über den Wind, doch am Ende eines schwarzen Tages konnte die deutsche Tournee-Hoffnung zumindest wieder lachen.
"Ich war auf 180, ich war genervt, es hat mich aufgeregt", sagte der sonst so besonnene Vizeweltmeister nach seinem enttäuschenden achten Rang in Innsbruck, bei dem er aber noch Schlimmeres verhinderte.
"Ich bin auf Angriff gegangen, habe mich gut fokussiert. Ich hatte aber generell Probleme mit der Schanze. So richtig Klack hat's nicht gemacht", bilanzierte der Oberstdorfer nüchtern. Wohlwissend: Für den Gesamtsieg bei der 68. Vierschanzentournee braucht er nun ein kleines Wunder.
Karl Geiger entgeht dem Desaster
Nach dem ersten Durchgang war Geiger sogar nur auf dem 23. Platz gelegen, es drohte ein Desaster. "Ich muss aber auch dazu sagen, dass der erste Sprung nicht die feinste Klinge war - er war ein bisschen zu früh und wenn dann noch die Bedingungen dazu kommen, wird's doppelt schwierig", analysierte Geiger.
Mit dem zweitbesten Sprung des zweiten Durchgangs kletterte er dann noch in die Top Ten. Sein schlechtestes Ergebnis der Saison konnte er aber nicht mehr verhindern. "Es ärgert mich schon extrem", meinte der 26-Jährige ob der verpassten Chance in Schlagdistanz nahe an der Tourneeführung zu bleiben:
In der Gesamtwertung fiel Geiger nämlich mit 817,4 Punkten hinter Normalschanzen-Weltmeister Dawid Kubacki (Polen/830,7) und den norwegischen Tagessieger Marius Lindvik (821,6) auf Rang drei zurück - umgerechnet 7,5 bzw. 2,5 Meter fehlen ihm.
Respekt von Hannawald und Schmitt für Geiger
Mit seinem couragierten zweiten Sprung verdiente sich Geiger aber zumindest den Respekt der Eurosport-Experten Sven Hannawald und Martin Schmitt.
"Großer Respekt vor Karl - er hat sich seine Chancen im zweiten Durchgang bewahrt", meinte Schmitt: "Der Rückstand ist theoretisch schon noch aufholbar. Die Ausgangsposition könnte schöner sein, aber er ist noch im Rennen."
"Der Bergisel liegt hinter ihm und mein Bauchgrummeln ist damit weg", meinte Hannawald und machte Mut: "In Bischofshofen sollte es keine Wetterkapriolen geben und Karl ist immer noch super drauf."
Ryoyu Kobayashi zeigt Nerven
Dem Titelverteidiger erging es derweil noch schlechter: Ryoyu Kobayashi aus Japan (817,0) musste sich mit Rang 14 begnügen und stürzte vor dem Finale am Montag sogar vom ersten auf den vierten Rang ab.
"Kobayashi hat im zweiten Durchgang Nerven gezeigt", analysierte Schmitt den zweiten Sprung auf 120 Meter: "Er kommt ins Schaufeln, das war sehr ungestüm. Sein Sprung funktionierte nicht so wie im vergangenen Jahr."
Weil Geiger am Ende noch Boden gut machte und Stephan Leyhe (Willingen) einen Tag vor seinem 28. Geburtstag als Fünfter überzeugte, war auch Stefan Horngacher halbwegs versöhnt.
Bundestrainer Horngacher gibt nicht auf
"Karl hat immer noch alle Chancen. Es hätte schlimmer ausgehen können. Im zweiten hat er einen super Sprung gemacht und extrem aufgeholt", sagte der Bundestrainer. Und überhaupt:
Nach dem verkorksten ersten Sprung auf nur 117,5 m habe man "kein großes Drama draus gemacht, sondern den Fehler analysiert. Es war nur eine Kleinigkeit: Er war zu früh am Schanzentisch und hat so nicht den Hub rein bekommen, den er bei den schlechten Bedingungen gebraucht hätte. Aber Fehler passieren."
Es sei eben "nicht gut gelaufen, aber im zweiten Durchgang hat Karl Klasse bewiesen. Jetzt versuchen wir, in Bischofshofen das Beste zu geben."
Dennoch: Der erste deutsche Gesamtsieg beim Skisprung-Spektakel seit Sven Hannawalds "Grand Slam" vor 18 Jahren ist nun eher unwahrscheinlich.
Marius Lindvik gewinnt erneut
Den zweiten Tagessieg in Folge - und den zweiten seiner Karriere - feierte indes der 21 Jahre alte Lindvik vor den Augen seiner Eltern. "Das war ein richtig guter Sprung. Das ist einfach unglaublich", sagte der Senkrechtstarter zu seinen 133 Metern im ersten Durchgang.
Und weiter:
Lob gab's vom Experten. "Er hat sich souverän durchgeboxt", sagte Hannawald: "Volle Attacke geht nur, wenn du komplettes Selbstvertrauen hast. Da sieht man mal, was am Bergisel alles passieren kann."
Dawid Kubacki warnt vor Rechenspielchen
Favorit auf den Tournee-Sieg ist nun aber Kubacki, in Oberstdorf und Garmisch jeweils Dritter. Dem Polen könnte das seltene Kunststück gelingen, ohne einen Tagessieg die Tournee zu gewinnen. Zuletzt hatte das der Finne Janne Ahonen 1998/99 geschafft. "Jetzt schon Rechnungen anzustellen, wäre dumm", sagte der Pole allerdings.
Drittbester DSV-Adler war derweil Constantin Schmid (Oberaudorf) auf dem 26. Platz. Der in Innsbruck vor einem Jahr zum Weltmeister gekrönte Eisenbichler (Siegsdorf) landete dagegen nur auf dem 27. Platz.
"Wenn man ehrlich ist: Es war beschissen. Aber ich bin eben noch nicht gefestigt genug. Ich muss das jetzt abhaken. Ich schau, dass ich zur Skiflug-WM in Planica da bin", sagte Eisenbichler mit Blick auf den März (19.-22.). Erst gar nicht in den zweiten Durchgang schafften es Pius Paschke (Kiefersfelden) und Moritz Baer (Gmund-Dürnbach).
Bergisel bleibt Schicksalsberg für DSV-Springer
Der Bergisel bleibt somit trotz der starken WM 2019 ein Schicksalsberg der DSV-Adler: Geigers Zimmerkollege Eisenbichler war vor genau einem Jahr ebenfalls mit zwei zweiten Plätzen in die Tournee gestartet, fiel in Innsbruck aber deutlich zurück.
2018 war der um den Gesamtsieg kämpfende Richard Freitag dort sogar gestürzt und musste aus der Tournee aussteigen. "Man darf sich keine Fehler erlauben und man braucht auch Glück dazu", meinte Geiger über den in die Ferne gerückten Tourneesieg, blickte aber bereits optimistisch nach vorne:
Er könne schließlich "nur gewinnen, nichts verlieren".
Geiger vor Bischofshofen angriffslustig
Die Entscheidung im Kampf um den Goldenen Adler fällt am Montag (ab 16:45 Uhr live im TV bei Eurosport 1 HD, im Eurosport Player und im Liveticker bei Eurosport.de) in Bischofshofen.
Schon am Sonntag steht dort die Qualifikation (ab 16:00 Uhr live im TV bei Eurosport 1 HD, im Eurosport Player und im Liveticker bei Eurosport.de) für das Finale an.
"Ich brauche nicht groß rechnen. Es sind schon einige Punkte, aber Punkte hin oder her - wenn ich in Bischofshofen zwei gute Sprünge mache, bin ich zufrieden", meinte Geiger, dessen Zorn nach dem Springen schon wieder etwas verraucht war.
"Ich habe mich inzwischen wieder abgekühlt", sagte der Bayer:
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