Ryoyu Kobayashi ist bei der 70. Vierschanzentournee weiter das Maß aller Dinge und peilt den historischen Doppelpack an - dabei wandelt der Japaner aber in Innsbruck auf einem schmalen Grat.
"Das war ein sehr riskanter Sprung", analysierte Experte Martin Schmitt den Satz des Japaners auf 126,5 Meter zum Quali-Sieg am Bergisel für Eurosport.de: "Er ist vor dem Absprung schon extrem weit vorne und der letzte Abdruck geht fast schon ein bisschen über den Fußballen. Der Ski hat nicht sofort Anströmung."
Für Werner Schuster kann Kobayashi dieses Risiko aber aktuell gut kontrollieren.
Innsbruck
Quali-Überraschung: Freund bester Deutscher am Bergisel - Kobayashi dominiert
03/01/2022 AM 13:45
"Er ist vollgepumpt mit Selbstvertrauen, für ihn fühlt sich das Limit 'normal' an", analysierte der Ex-Bundestrainer, der den japanischen Trainern deshalb rät, die Füße stillzuhalten: "Er kann gar nicht anders. Er beherrscht das Limit, ist so klar im Kopf. Man muss ihn einfach instinktiv springen lassen."

Schmitt und Schuster erklären: Kobayashi springt am Anschlag

Vierschanzentournee: Ryoyu Kobayashi auf historischem Double-Kurs

Kobayashi hatte zuvor schon Quali und Springen in Oberstdorf sowie das Springen in Garmisch-Partenkirchen gewonnen - macht in Summe nun vier von fünf möglichen ersten Plätzen im Rahmen der Tournee. Der Japaner hat außerdem vier der letzten fünf Weltcups gewonnen.
Der 25-Jährige könnte es als erster Skispringer der Geschichte schaffen, zum zweiten Mal alle vier Springen der Vierschanzentournee zu gewinnen. Das war Kobayashi bereits 2018/19 gelungen - ebenso wie seinen Vorgängern Sven Hannawald (2001/02) und Kamil Stoch (2017/18).
Kobayashis Qualisieg sei "doppelt so viel wert, weil er unter schweren Bedingungen war", gibt Schuster zudem zu bedenken. So hatten nur Markus Eisenbichler (8.) und Anze Lanisek (9.) unter den Top Ten schlechtere Windbedingungen als der Japaner.

Der Überflieger schlägt wieder zu: Kobayashi krallt sich Quali-Sieg

Innsbruck-Quali: Markus Eisenbichler macht den alten Fehler

"Er hat wieder seine ganze Klasse gezeigt: Total am Limit, alles voll durchgezogen, voller Selbstvertrauen wieder seinen tollen Telemark gezeigt - deswegen führt an ihm weiter kein Weg vorbei", meint Schuster mit Blick auf den Wettkampf am Dienstag (ab 13:15 Uhr live im Free-TV bei Eurosport 1, bei Eurosport auf Joyn und im Liveticker bei Eurosport.de).
Dann wollen auch wieder Eisenbichler und Karl Geiger (10. der Quali) um den Sieg mitspringen - was ihnen Schmitt und Schuster durchaus zutrauen. Eisenbichler habe einen Sprung auf "einem ordentlichen Niveau" gezeigt, meinte Schmitt zu Eisenbichlers Versuch auf 119,0 Meter.
Fehlerfrei war er allerdings nicht. "Er macht seinen alten Fehler: Er war eindeutig zu spät, da ist der linke Ski gleich wieder rausgegangen", analysierte Schuster: "Aber er weiß, was er auf dieser Schanze zu tun hat."

Trotz Fehlern: Eisenbichler und Geiger springen in die Top Ten

Werner Schuster: Karl Geiger hat Podiumschancen

Im ersten Trainingsdurchgang hatte Eisenbichler bei mehr Anlauf und besseren Windverhältnissen mit 139 Meter angedeutet, was er am Bergisel, wo er 2019 zwei Weltmeistertitel holte, zu leisten imstande ist.
"Sein Trainingssprung deutet darauf hin, dass sein Potenzial nach wie vor wahnsinnig hoch ist", sagte Schuster, der deshalb sicher ist: "Er kann wieder um den Tagessieg mitspringen."
Bei Karl Geiger hat der Ex-Bundestrainer derweil leichte Verbesserungen, aber auch einen kleinen Rückschritt erkannt. "Er hat den Flug verbessert, aber den Absprung nicht getroffen", meinte Schuster: "Er fliegt deutlich lockerer, weniger gekantet. Wenn er es zusammenkriegt, ist auch er ein Kandidat fürs Podium."

Lob für Außenseiter Lovro Kos

Beeindruckt zeigte sich der Österreicher derweil von einem Außenseiter: Lovro Kos. Der Slowene ist als Dritter der Tournee-Gesamtwertung ausgezeichnet im Rennen und setzte in Innsbruck mit 130,0 Metern die Bestweite der Quali.
"Es ist faszinierend, wie gut der junge Mann springt", lobte Schuster den 22-Jährigen, der in Garmisch-Partenkirchen in seinem erst 14. Weltcupspringen auf dem Podest gelandet war (3.).
"Er springt so unbeschwert", fügte Schuster an: "Es reden alle über Kobayashi, Lindvik, Eisenbichler, Geiger - und er kann weiterhin sein Ding machen. Er hat Freude an der Sache und das sieht man ihm bei jedem Sprung an."

Nächste starke Quali: Freund fliegt am Bergisel in die Top sechs

Schlägt Norwegen zurück?

Lovros Ablauf sei "super symmetrisch, er hat eine wahnsinnige Sicherheit drin". Nur an der Landung haperte es in Innsbruck noch - sonst wäre Kos weiter vorne als auf Rang fünf gelandet.
Das Feld für den Wettkampf ist also bestellt - dann wollen auch die Norweger wieder angreifen.

Das sagen Freund, Eisenbichler, Geiger und Kobayashi zur Quali

In der Qualifikation landete der Oberstdorf-Dritte Robert Johansson als bester "Wikinger" nur auf Rang elf (122,0 m), der Tournee-Zweite und Innsbruck-Sieger von 2020 Marius Lindvik (14./117,5 m) sowie der Gesamtweltcupsieger Halvor Egner Granerud (22./116,0 m) enttäuschten.
Mehr erwartet Schuster aber auch von den deutschen Ausnahmespringern Eisenbichler und Geiger. Denn: "Markus und Karl lieben die Angreiferposition." Sie müssen sie nur nutzen …
WER GEWINNT DIE VIERSCHANZENTOURNEE?
Eurosport zeigt alle Springen der Vierschanzentournee in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen inklusive der Qualifikation LIVE im Free-TV. Werner Schuster kommentiert mit Gerhard Leinauer, Martin Schmitt analysiert mit Birgit Nössing im Studio. Alle Springen LIVE gibt's auch bei Eurosport mit Joyn+!
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(mit SID)

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