Vierschanzentournee 2024/25: "Schlechte Verlierer" gegen das Feuer am Bergisel - die wahren Duelle von Innsbruck
Die rot-weiß-roten Festspiele bei der Vierschanzentournee gehen für die österreichischen Skispringer in Innsbruck weiter. Bei der Qualifikation zum Bergiselspringen schwingt sich Jan Hörl zum Top-Favoriten auf - mit einem Makel. Die DSV-Adler kämpfen dagegen mit ihrem "Problemberg". Der neu entfachten Rivalität zwischen Österreich und Deutschland tut das jedoch keinen Abbruch. Die wahren Duelle.
Schmitt exklusiv: Mit diesen Problemen hat Paschke zu kämpfen
Quelle: Eurosport
Brisante Medienberichte, skeptische Stimmen aus Norwegen, das Versteckspiel um die Bindungen in Innsbruck: Die Dominanz des österreichischen Skisprung-Teams bei der Vierschanzentournee 2024/25 hat dem Bergiselspringen eine ganz besondere Brisanz verliehen.
Zwischen den beiden Skisprungnationen Deutschland und Österreich knirscht es, die alte Rivalität ist entflammt - zumindest medial. Denn rein sportlich waren die DSV-Adler auch bei der Qualifikation zum dritten Tournee-Springen keine wirklichen Gegner für ihre Nachbarn. Mit Jan Hörl (1.), Stefan Kraft (4.), Daniel Tschofenig (5.), Maximilian Ortner (6.) und Markus Müller (9.) fanden sich erneut fünf ÖSV-Adler in den Top Ten wieder.
Aus DSV-Sicht konnten nur Überraschungsmann Philipp Raimund (7.) und Pius Paschke (8.) ansatzweise mithalten. Der Rest haderte - wie schon so oft - mit dem deutschen "Problemberg".
Die wahren Duelle von Innsbruck.
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Schuster hadert mit Paschkes Sprung: "Ihm fehlen fünf Meter"
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1.) "Schlechte Verlierer" gegen das Feuer am Bergisel
Ein ganzer Kessel in Rot-Weiß-Rot? Den hatten die siegesgewissen Österreicher für ihr rauschendes Innsbrucker Tournee-Heimspiel fest eingeplant, doch die hassgeliebten "Deitschn" spuckten ihnen in die Festtagssuppe: 9000 der ausverkauften Tickets für den Bergisel gingen an Käufer aus Deutschland, nur 8500 an Österreicher. Eine empfindliche Watschn - schließlich scheint die Euphorie um die dominierenden Austria-Adler derzeit grenzenlos.
Vor dem dritten Springen der Vierschanzentournee am Samstag (13:30 live im Free-TV bei Eurosport 1 und im Stream bei discovery+) ist die uralte Rivalität zwischen den beiden Skisprungnationen aufgeflammt, lodert wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Vor allem im Hexenkessel des Bergisel mit den zwei riesigen Fanlagern unter den insgesamt 22.500 Zuschauern (5000 Tickets gingen an "Drittländer"). "Das Stadion wird bummsvoll", sagte Innsbrucks OK-Chef Manfred Obergruber, der kurzfristig noch tausende Tickets mehr seinen Landsleuten hätte verkaufen können - denn die wollen sich zusätzlich angeheizt vom heimischen Boulevard vom Rivalen keinesfalls einen möglichen Tournee-Dreifachsieg miesmachen lassen.
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"Die Deutschen sind schlechte Verlierer", tönte die "Kronen"-Zeitung am Freitag als Reaktion auf deutsche Medienberichte. Diese thematisierten, dass Österreichs Dominanz vor allem auf Anzug-Mogelei zurückzuführen sei - das Thema hatten zunächst die Norweger spekulativ aufgebracht. Dass aber ausgerechnet die Deutschen darauf einstiegen, so der Tenor, sei ungehörig und zudem Kalkül.
"Unsere Lieblingsnachbarn brauchen wohl eine Ausrede, um die bislang dürftigen Leistungen der eigenen Athleten zu erklären", ätzte der "Krone"-Leitartikler: "Jahr für Jahr die gleiche Leier."
Die Austria-Adler selbst reagierten sachlich. Überragend dank Schummelei? Iwo. "Dass wir geschlossen so gut sind, ist ein Produkt der letzten Jahre. Wir sind super zusammengewachsen als Team mit jung und alt, mit Trainern und Serviceteam, das alles perfekt auf uns abstimmt", sagte der Gesamtdritte Stefan Kraft, der 2015 als bislang letzter Österreicher die Tournee gewann.
Von Nervosität ist im ÖSV-Team nichts zu spüren. Von Paschke, der fünf Saisonspringen gewann, und den anderen Deutschen indes redet bei den Österreichern derzeit kaum jemand - zumindest nicht als Konkurrenz.
2. DSV gegen den "Problemberg"
An der Partystimmung der Österreicher änderte auch die Qualifikation am Freitag wenig. Hörl segelte allen davon. Paschke belegte mit einem soliden Sprung auf 124,5 Meter zwar Platz acht und zeigte sich "sehr zufrieden", ein Wintermärchen aus deutscher Sicht scheint aber weit entfernt.
Vielmehr sahen die Experten beim Sechstplatzierten der Tourneewertung ähnliche Probleme wie in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen.
"Pius hat immer noch ein bisschen mit der Absprungbewegung zu kämpfen, ist noch nicht sauber genug, um das Podium wieder angreifen zu können", analysierte Eurosport-Experte Martin Schmitt. Werner Schuster fand Paschkes Versuch "einfach zu aggressiv" und litt am Eurosport-Mikrofon geradezu mit: "Es tut so weh."
Zwar wollten die DSV-Adler vom "Problemberg" oder "Schicksalsberg" Bergisel im Vorhinein nichts wissen, doch auch der jüngst formverbesserte Karl Geiger haderte mit der kniffligen Schanze, an der in der Vergangenheit schon einige deutsche Skisprung-Träume zerplatzt waren. Unter anderem 2021 seine eigenen.
"Mit dem heutigen Tag bin ich nicht zufrieden. Ich konnte nicht da anknüpfen, wo ich aufgehört habe", so der Oberstdorfer, der mit 120 Metern nur auf Rang 19 landete. Zwei Plätze hinter Andreas Wellinger (17./122 Meter), der ebenfalls schwächelte.
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"Kein einfacher Tag": Wellinger und Geiger analysieren Quali-Auftritt
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"Ich bin vom Gefühl noch nicht richtig auf der Schanze angekommen", sagte der 29-Jährige, der die Tücken in Innsbruck so erklärte: "Man fällt oft in den Kessel, wenn am Hang ein bisschen Rückenwind ist. Dann ist es relativ eisig gewesen, einige hatten Probleme mit der Landung."
Im vergangenen Jahr hatte er an gleicher Stelle seine Tourneeführung an Ryoyu Kobayashi verloren und konnte den Rückstand in Bischofshofen nicht mehr aufholen.
Einziger Lichtblick aus deutscher Sicht war hingegen Philipp Raimund, der mit Platz sieben und als bester DSV-Adler ein Ausrufezeichen setzte.
Im Gegensatz zu vielen seiner Teamkollegen liege ihm Innsbruck, so der 24-Jährige: "Ich mochte die Schanze schon immer." Deutscher Problemberg hin oder her.
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"Telemark war erste Sahne!" Raimund überzeugt am Bergisel
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3. Hörl gegen den "Guten-Morgen-Sprung"
Eigentlich kann sich Jan Hörl in Innsbruck nur selbst schlagen. Könnte man zumindest meinen. Als Vorjahressieger und aktueller Tourneezweiter angereist, den ersten Trainingssprung ausgelassen und in der Qualifikation mit 135 Metern der Konkurrenz davongeflogen. Damit blieb er nur drei Meter unter Schanzenrekord.
"Der weiß, was er tut. Das ist die sauberste Technik in allen Bereichen", lobte Schuster. Schmitt beeindruckte vor allem, dass er bei dieser Weite noch einen so sauberen Telemark setzte: "Das ist schon ein Wort!"
Auf den zweitplatzierten Johann André Forfang betrug der Vorsprung am Freitagnachmittag ganze 4,9 Punkte. Auf Tschofenig, der vor Hörl die Tournee-Gesamtwertung anführt, gar stattliche 8,9 Punkte. Den Rückstand auf seinen Landsmann hätte Hörl im Wettkampf mit nur einem Versuch bereits wettgemacht.
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"Weiß, was er tut": Hörl segelt in Quali allen davon
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Tja, wäre da nur der zweite Trainingsversuch nicht gewesen, bei dem Hörl bereits bei 123 Metern landete. "Da bin ich so lala reingestartet, es war so ein Guten-Morgen-Sprung", ermahnte sich der Österreicher im Eurosport-Interview selbst. Ein solcher könnte ihm am Samstag im Kampf um die Gesamtführung zum Verhängnis werden.
Umso besser für sein Selbstvertrauen, dass es in der Quali dann wie aus einem Guss lief. "Zum Glück weiß ich, dass ich, wenn's zählt, wieder die guten Sprünge mache", sagte Hörl und richtete gleich noch eine Kampfansage an die Konkurrenz hinterher: "Der war sehr gut, aber vielleicht finde sogar ich noch was, was ich noch besser machen kann."
Tschofenig und Kraft, der hinter seinen beiden Landsmännern Platz drei in der Gesamtwertung belegt (-8,7 Punkte), dürften gewarnt sein.
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(mit SID)
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Quali-Sieger Hörl: "Guten-Morgen-Sprung" schnell abgehakt
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