Vierschanzentournee - Schmitts Favoritencheck: Eisenbichler greift Granerud an
Halvor Egner Granerud geht als Top-Favorit in die Vierschanzentournee - Markus Eisenbichler sieht sich allerdings mindestens ebenbürtig und rechnet fast schon mit einem kleinen Tief des zuletzt so dominierenden Norwegers. Karl Geiger stellt derweil nach seiner Coronainfektion die große Unbekannte dar. Eurosport-Experte Martin Schmitt checkt für Eurosport.de alle Favoriten auf den Tourneesieg.
Markus Eisenbichler ist amtierender Weltmeister von der Großschanze (Seefeld 2019)
Fotocredit: Getty Images
18 Jahre ist es her, dass sich Sven Hannawald in Bischofshofen die Krone aufsetzte. Als erster Mensch mit vier Einzelsiegen krönte sich der heutige TV-Experte bei der Vierschanzentournee zum Gesamtsieger.
Seitdem hat es kein deutscher Springer mehr geschafft, die prestigeträchtige Tournee zu gewinnen.
Michael Neumayer (Dritter 2007/08), Severin Freund (Zweiter 2015/16), Andreas Wellinger (Zweiter 2017/18), Markus Eisenbichler (Zweiter 2018/19), Stephan Leyhe (Dritter 2018/19) und zuletzt Karl Geiger (Dritter 2019/20) standen immerhin auf dem Podest - und machten damit die Sehnsucht nach einem elften deutschen Tourneesieger umso größer.
Mit Eisenbichler - zweifacher Saisonsieger - und Geiger - Skiflug-Weltmeister - plus dem im Gesamtweltcup auf Rang sechs liegenden Pius Paschke hat der DSV auch 2020/21 wieder heiße Eisen im Feuer. "Man lässt sich für Großereignisse immer ein bisschen Reserven", kündigte Bundestrainer Stefan Horngacher bereits an.
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Deutscher Tourneesieg? Schmitt: "Wäre mal wieder an der Zeit"
Quelle: Eurosport
Granerud der Top-Favorit - Eisenbichler dahinter
In der Pole Position liegt jedoch ein anderer. "Es gibt mit Halvor Egner Granerud einen eindeutigen Favoriten, aber das deutsche Team braucht sich nicht verstecken. Karl ist Skiflug-Weltmeister und Markus in starker Form", sagt Eurosport-Experte Martin Schmitt.
Der Norweger, bei der Skiflug-WM nach vier Flügen nur 0,5 Punkte hinter Geiger auf dem Silberrang, hat die letzten fünf Weltcupspringen vor der Vierschanzentournee in Serie gewonnen.
"Granerud ist in einem wahnsinnigen Flow drin. Es ist alles ganz einfach für ihn", zeigt sich auch Horngacher beeindruckt: "Er hat ein super System." Dennoch gibt sich der Bundestrainer angriffslustig: "Wir alle wissen, dass diese Serie irgendwann zu Ende sein wird und da werden wir jetzt den Hebel ansetzen und versuchen, diese Serie bei der Vierschanzentournee zu beenden."
Polnisches Team in Oberstdorf nicht dabei
Nicht um den Sieg bei der Tournee mitmischen können dagegen der zweimalige Gesamtsieger Kamil Stoch, Vorjahressieger Dawid Kubacki oder auch Piotr Zyla - nachdem Klemens Muranka am Sonntagabend positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ist das komplette polnische Skisprungteam vom Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf ausgeschlossen worden. Dies gaben die Veranstalter am Monta wenige Stunden vor Beginn der Qualifikation bekannt.
"Wenn man in Oberstdorf nicht springen kann, ist natürlich auch die Tournee gelaufen. Das ist sehr, sehr bitter für das polnische Team, aber auch ein Verlust für die Tournee insgesamt, weil mit Kamil Stoch, Piotr Zyla und Vorjahressieger Dawid Kubacki jetzt drei absolute Top-Leute fehlen", bedauert Schmitt.
Das Favoritenfeld ist damit also ein bisschen ausgedünnt; für den Gesamtsieg in Frage kommen in erster Linie Granerud, Eisenbichler und Geiger.
Eurosport.de macht mit Schmitt, 1999/00 und 2000/01 jeweils Dritter der Tournee, den Favoriten-Check.
Halvor Egner Granerud (Norwegen/24 Jahre)
Bestes Saisonergebnis: Sieger (Ruka, 2x Nischni Tagil, 2x Engelberg)Gesamtweltcup: 1. (600 Punkte)Bestes Tournee-Ergebnis: 24. (2017/18)
Der absolute Dominator des bisherigen Winters – und das quasi aus dem Nichts, nachdem der Norweger in der Saison 2019/20 völlig außer Form war, gerade mal acht Weltcuppunkte gesammelt hatte und vor dieser Saison noch nie auf dem Weltcup-Treppchen gestanden war. "Es ist derzeit schrecklich schön, ich zu sein", sagt er.
"Er ist in einer absoluten Top-Form, hat seine Sprünge stabilisiert. Er hat Selbstvertrauen, das Gelbe Trikot beeinflusst ihn zusätzlich positiv", sagt Schmitt: "Er ist im Flow, im Moment stimmt alles – er hat ein wahnsinniges Vertrauen in seinen Sprung und kann seine volle Energie reinlegen. Das ist alles wie an einer Schnur gezogen."
So sieht es auch Horngacher: "Er hat eine gute Anfahrtsposition, kommt extrem stabil durch den Radius und mit einer perfekt ausbalancierten Position zur Kante hin. Er macht eine sehr gute Streckbewegung mit den Beinen. Mit dem Oberkörper passt auch alles zusammen. Er hat außerdem eine saugute Skiführung über den Vorbau."
Das "Aber": "Solange er die Sprünge so in Serie abrufen kann und nicht bewusst eingreifen muss, wird er auf einem hohen Niveau bleiben. Aber Markus hat es mehrfach gezeigt, dass er ihn fordern kann und Karl hat ihn bei der Skiflug-WM geschlagen. Es ist nicht so, dass er in einer eigenen Liga springt. Er ist nicht unverwundbar", so Schmitt.
Darauf setzt Eisenbichler auch. "Irgendwann fängt er auch mal das Überlegen an und muss auch wieder arbeiten", sagt der Deutsche: "Dann merkt man erst, ob man wirklich ein großer Sportler ist. Ich habe solche kleinen Tiefphasen schon oft genug durchgemacht, von dem her hab' ich schon ein bisschen einen Vorsprung."
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Granerud entreißt Deutschland Gold: Das WM-Drama in voller Länge
Quelle: Eurosport
Markus Eisenbichler (Deutschland/29)
Bestes Saisonergebnis: Sieger (Wisla, Ruka)Gesamtweltcup: 2. (463 Punkte)Bestes Tournee-Ergebnis: 2. (2018/19)
Auch wenn er Granerud zuletzt nicht mehr schlagen konnte, gibt sich der Tournee-Zweite von 2018/19 extrem angriffslustig. "Ich weiß, dass ich vor ihm sein kann und auch vor ihm sein werde, wenn ich meinen normalen Sprung durchziehe", sagte er nach Engelberg selbstbewusst:
"Wenn ich mein Zeug mache, weiß ich, dass ich ihn schlagen kann. Im Endeffekt muss ich entspannt bleiben und auf mein Gefühl hören und mich nicht verrückt machen lassen, nur weil der jetzt fünfmal gewonnen hat."
Eine Einschätzung, die Schmitt teilt. "Die ein, zwei Prozent, die ihm in Engelberg noch gefehlt haben, sind kleinere Fehler, die ihm ab und zu noch unterlaufen. Er wird über die Pause besser werden mit ruhigem Training und Regeneration. Wenn er vom Kopf her hundertprozentig frisch bleibt, wird das passen", sagt der Eurosport-Experte über den amtierenden Weltmeister von der Großschanze:
"Vorausgesetzt er bleibt gesund, wird er in Oberstdorf in einer sehr guten Verfassung am Start sein. Nach einer Pause läuft es für ihn erfahrungsgemäß leichter."
Allerdings: Einen Ausrutscher wie diese Saison schon in Nischni Tagil (28.) oder wie in Innsbruck 2019 (13.) darf sich der Skiflug-WM-Dritte bei der stabilen Form seines Kontrahenten nicht erlauben. Eisenbichler: "Wenn er besser springt, gratuliere ich ihm und erkenne das auch an. Und wenn ich nicht meine perfekte Leistung zeige, muss ich mich an die eigene Nase packen."
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Eisenbichler mit Bestweite in Durchgang zwei - Granerud zu stark
Quelle: Eurosport
Karl Geiger (Deutschland/27)
Bestes Saisonergebnis: Skiflug-Weltmeister im Einzel in PlanicaGesamtweltcup: 11. (141 Punkte)Bestes Tournee-Ergebnis: 3. (2019/20)
Die große Unbekannte. Geiger fehlte in Nischni Tagil, weil seine Frau ihr erstes Kind erwartete und wurde dann nach dem Triumph in Planica positiv getestet und in Heimisolation geschickt, weshalb er die Wettkämpfe in Engelberg verpasste. "Ein Vorteil ist das mit Sicherheit nicht", sagte Bundestrainer Horngacher, der Geiger dennoch gut gerüstet sieht.
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Geiger meldet sich aus der Quarantäne: "Ich bin beschwerdefrei"
Quelle: Eurosport
"Wenn er symptomfrei bleibt, sollte ihn das körperlich nicht wahnsinnig zurückwerfen", glaubt auch Schmitt: "Er wird nicht viel verlieren. Wichtig ist, dass der Körper ganz erholt ist. Ich schätze Karl als Typ schon so ein, dass er damit gut zurechtkommt und sich mobilisieren kann. Er kann das kompensieren. Wichtig ist, dass er an der Anlage dann jeden Trainingssprung nutzt."
"Ich glaube, dass er das ziemlich locker wegsteckt", sagt auch Kollege und Konkurrent Eisenbichler: "In Planica hat er das Ding gerockt. Er weiß, dass er gut in Form ist und ist auch schon lange genug dabei. Er darf sich nicht verrückt machen lassen. Dann wird er ein Wörtchen um den Tourneesieg mitreden."
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Geiger kontert Graneruds Monstersatz: Der ganze WM-Krimi im Spielfilm
Quelle: Eurosport
Die Außenseiter
Pius Paschke kann bei einem optimalen Verlauf um die Top-Positionen mitmischen, ist bisher aber kein Siegspringer. Beim Corona gebeutelten ÖSV machten auch schon Daniel Huber und Michael Hayböck auf sich aufmerksam, beide sprangen insgesamt aber zu inkonstant. Beständig in den Top fünf mitmischen konnte dagegen der Slowene Anze Lanisek.
"Dann könnte man jetzt aber auch noch mehr Namen nennen und einen Glückstreffer haben - Marius Lindvik oder auch Stefan Kraft zum Beispiel, wenn er fit wird", sagt Schmitt: "Aber zu den Favoriten gehören eher die, die schon eine gewisse Stabilität haben und schon gezeigt haben, dass sie das Leistungsvermögen haben."
Kein Anwärter auf Podestplätze ist derweil der Tourneesieger von 2018/19, Ryoyu Kobayashi, der nach Platz fünf zum Auftakt in Wisla nicht mehr einstellig war.
"Wenn man zu viel will, geht es nicht näher ran, sondern weiter weg. Er muss da sehr feinfühlig agieren", erklärt Schmitt Kobayashis Probleme. Denn: "Wenn er überzieht, hält es das System nicht aus und er springt fünf Meter kürzer." Und so gewinnt man mit Sicherheit nicht die Tournee.
Die Vierschanzentournee 2020/21: Alle Springen - Qualifikation und Wettkampf - in Oberstdorf (28.12./29.12.), Garmisch-Partenkirchen (31.12./1.1.), Innsbruck (2.1./3.1.) und Bischofshofen (5.1./6.1.) LIVE im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!
Extra Time - der Eurosport-Podcast
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So schätzt Schmitt Eisenbichlers Tournee-Chance ein
Quelle: Eurosport
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