Die gemeinsame Nacht mit dem funkelnden Glaspokal genoss Kamil Stoch in vollsten Zügen. "Ich habe ihn", schrieb Polens Skisprung-Held mit einem lachenden Emoji unter ein Bild mit der Trophäe auf seinem Hotelbett. Nach dem ganzen Corona-Trubel sprang "König Kamil" beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf auf den starken zweiten Platz - und beruhigte damit eine ganze Nation.
"Es war ein fantastischer Tag", freute sich Stoch, der als erster Verfolger von Überflieger Karl Geiger etwas unverhofft wieder vom dritten Tournee-Triumph träumen darf. "Es ist die Zeit der Wunder, alles kann passieren", hatte der Gesamtsieger von 2016/17 und 2017/18 davor noch gemeint.
In der Tat, in den 24 Stunden bis zum Springen auf der Schattenbergschanze passierte gefühlt alles. Nach dem positiven Test bei Klemens Muranka hatte es so ausgesehen, als ob Stoch und seine polnischen Kollegen um Titelverteidiger Dawid Kubacki zum Zuschauen verdammt gewesen wären.
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Vierschanzentournee: Ganz Polen erleichtert

Das Gesundheitsamt Oberallgäu hatte die Polen erst in die Quarantäne geschickt, das Team nach mehreren negativen Tests und verpasster Qualifikation aber kurzfristig wieder entlassen. "Ich habe sie", hatte Stoch unter ein Bild seiner Akkreditierung, gleichbedeutend mit seiner Starterlaubnis, auf Instagram geschrieben.
Auf der Schanze zeigte der Olympiasieger trotz ungeliebten Rückenwinds hervorragende Sprünge und verschaffte sich mit nur 2,8 Punkten Rückstand auf Geiger eine ausgezeichnete Ausgangsposition. Und nicht nur Stoch überzeugte, auch Andrzej Stekala als Siebter und Kubacki auf Platz 15 dürfen sich noch Hoffnungen machen.
In Polen herrschte landesweite Erleichterung, nachdem ihre Nationalhelden wieder voll ins Geschäft gesprungen waren. Der Boulevard schrieb von der gewonnenen "Schlacht von Oberstdorf". Stoch bedankte sich bei seinen Trainern, die "praktisch zwei Tage nicht geschlafen haben" und die "Fehler des Systems" ausgebessert hatten.

Kamil Stoch und das polnische Team dürfen nun doch in Oberstdorf an den Start gehen

Fotocredit: Getty Images

Vierschanzentournee: Stoch hat Garmisch im Blick

Außerdem freute sich der 33-Jährige über die gelungene "Rettungsaktion" des nationalen Verbands und sogar der polnischen Regierung, die noch einmal konkret "nach den Gründen gefragt" hatte, wie Florian Stern, Generalsekretär des Oberstdorfer OK, sagte.
Nun will Stoch den Corona-Stress hinter sich lassen und sich voll auf den Angriff auf Geiger beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen konzentrieren. "Es liegt hinter uns, es ist Geschichte. Es macht keinen Sinn, zurückzublicken", sagte er.
Auch die Konkurrenz war erleichtert. Allen voran Bundestrainer Stefan Horngacher, der drei Jahre lang das polnische Team um Stoch trainiert hatte. "Aus sportlicher Sicht finde ich es gut, dass die Polen dabei sind", hatte der Österreicher gesagt, sie sind "eine der besten Nationen", und es sollen eben "die Besten mitspringen".
Die Vierschanzentournee 2020/21: Alle Springen - Qualifikation und Wettkampf - in Oberstdorf (28.12./29.12.), Garmisch-Partenkirchen (31.12./1.1.), Innsbruck (2.1./3.1.) und Bischofshofen (5.1./6.1.) LIVE im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!
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(SID)

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