Martin Schmitt und Werner Schuster über Pius Paschkes Chancen bei Vierschanzentournee: "Nicht alles schwarz-weiß sehen"
VonJan Zesewitz
Update 23/12/2024 um 20:07 GMT+1 Uhr
Nach der "verpatzten" Generalprobe beim Weltcup in Engelberg geht Pius Paschke zwar immer noch als Gesamtweltcup-Führender, aber nicht mehr als absoluter Topfavorit in die Vierschanzentournee. Vor dem Auftaktspringen in Oberstdorf gaben die Eurosport-Experten Martin Schmitt und Werner Schuster ihre Eindrücke zu den Favoriten auf die begehrte Adler-Trophäe ab und erzählen von der Vorbereitung.
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Quelle: Eurosport
Die DSV-Adler und die Vierschanzentournee - das war in den vergangenen Jahren nicht immer eine Erfolgsgeschichte. Seit Sven Hannawalds Triumph im Jahr 2002 warten die deutschen Athleten auf einen Sieg beim größten Skisprung-Event des Jahres.
Sechsmal ging ein Deutscher als Träger des Gelben Trikots in die Tournee - keiner konnte am Ende in Bischofshofen den Gesamtsieg feiern. Dazu ging die Generalprobe in Engelberg für den bis dahin so überragenden Paschke daneben - er wurde "nur" Zehnter und 18. in den beiden Springen in der Schweiz.
Schlechte Vorzeichen? Nicht unbedingt, meinte Schuster im Eurosport-Pressetalk: "Ich würde nicht alles schwarz-weiß sehen. Es ist nicht so, dass Paschke vor Engelberg der sichere Sieger war und dass er jetzt nach Engelberg auf einmal chancenlos ist. Er führt immer noch im Gesamtweltcup, damit gehört man zu den Favoriten, auch wenn zuletzt selten der Mann in Gelb gewonnen hat. Vielleicht war es sogar genau der richtige Zeitpunkt für ein solches Ergebnis. Pius ist ein Kämpfer und Arbeiter und jetzt kommen modernere Schanzen, da ist definitiv was möglich."
Auch Martin Schmitt - der selbst sogar zweimal (1999 und 2000) als Weltcup-Führender in die Tournee ging - sieht Paschkes Chancen optimistisch.
Schmitt: "Habe guten Eindruck von Pius"
"Er war schon in Titisee-Neustadt am Limit, seine Art zu springen hat für die Schanze dort noch super funktioniert, aber der Grat ist eben schmal im Skispringen", erklärte Schmitt.
"Wenn dann ein paar andere Faktoren wie die Bedingungen, Schnee, Wind, dazukommen, dann funktioniert der Automatismus nicht mehr so. So ein kleiner 'Einbruch' muss irgendwann kommen, die Frage ist, wie man damit umgeht. Ich bin da optimistisch, ich habe einen guten Eindruck von Pius, der die Situation ruhig einordnen kann."
Zwischen Engelberg und dem Tournee-Auftakt in Oberstdorf ist genau eine Woche Pause. Die Springer bekommen ein wenig Zeit mit der Familie über Weihnachten, was auch Paschke genießt: "Daheim steht die Familie ganz vorne. Und dann muss ich nicht ans Skispringen denken", sagte er vor der Weihnachtspause.
Als Familienmensch würden sich die Prioritäten etwas verschieben, die Kinder interessieren sich wenig für die aktuelle Form des Papas. "Für Pius war das Heimspiel in Neustadt schon sehr intensiv", sagte Schuster: "Die Pause wird ihm guttun, ein Training würde ihm da nicht helfen. Er ist ein Familienmensch und wird die Weihnachtstage genießen."
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Engelberg-Sieger Tschofenig: "Wir werden Paschke jagen"
Quelle: Eurosport
Heimspiel in Oberstdorf und Tournee-Favoriten
Wie präsent sollte die anstehende Tournee über die Feiertage sein? "Die Tournee darf über die Weihnachtstage sichtbar sein, das muss nichts Schlechtes sein", meinte Schmitt: "Eine positive Vorfreude darf sich gerne einstellen. Man sollte die Ruhe zu Hause genießen, die Zeit danach während der Tournee wird stressig genug."
Vor allem, wenn man sie wie Paschke am besten sogar ganz vorne bestreiten möchte. Die absolute Favoritenrolle ging nach dem Springen in Engelberg an die österreichische Phalanx über. So sah es auch Eurosport-Experte Schuster: "Die Österreicher gehen als Kollektiv natürlich favorisiert in die Tournee. Der Weg zum Sieg wird über diese Mannschaft führen, das war auch vor Engelberg klar."
Aber auch die DSV-Adler und ein paar andere Springer befinden sich im Dunstkreis der Favoriten: "Die Chance ist groß, dass der Sieger dieses Jahr aus Deutschland oder Österreich kommt", sagte Schuster: "Der Gesamtweltcupstand deutet klar darauf hin. Gregor Deschwanden springt auch die beste Saison seines Lebens, das geht fast unter. Ich glaube nicht an die Norweger. Ryoyu Kobayashi abzuschreiben ist oft ein Fehler, aber ich glaube, dass es diesmal nicht reicht, auch wenn die Schanzen sehr gut zu ihm passen."
Gerade dass außer Stefan Kraft die "üblichen Verdächtigen" der Tournee-Favoriten wie Kobayashi oder Kamil Stoch in dieser Saison schwächeln, könnte für eine spannende Tournee sprechen - und für eine Chance fürs deutsche Team: "Die DSV-Athleten sind sehr erfahren, alle haben die Tournee und Oberstdorf schon viele Male erlebt", erklärte Schuster. "Das kann ein Vorteil sein, denn abgesehen von Stefan Kraft sind eigentlich alle Mitfavoriten auf den Tournee-Sieg Neulinge in dieser Rolle. Gut möglich, dass es einen erstmaligen Tournee-Sieg geben. Es werden auf jeden Fall spannende Wettkämpfe."
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