Vierschanzentournee: Warum Karl Geiger und Andreas Wellinger seit der Regeländerung um die Anzüge Probleme haben

Ausgerechnet in seiner Heimat Oberstdorf muss Karl Geiger beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee zusehen: Der 32-Jährige scheiterte bei seinem Heimspiel schon in der Qualifikation. Wie sein langjähriger Teamkollege Andreas Wellinger steckt er seit Wochen in einer Formkrise. Der frühere deutsche Skisprung-Star Severin Freund erklärt, warum sich die beiden in dieser Saison so schwertun.

Andreas Wellinger und Karl Geiger kommen in dieser Saison nicht in Schwung

Fotocredit: Getty Images

Karl Geiger schied als 53. in der Qualifikation aus, Teamkollege Andreas Wellinger sprang mühevoll auf Rang 39. Seit Wochen kämpfen die beiden Routiniers im DSV-Aufgebot um Erfolgserlebnisse - bislang ohne Erfolg.
Für den früheren Topspringer und Tournee-Zweiten von 2015/16, Severin Freund, liegt der Grund in der Formkrise vor allem in der Regeländerung. Seit dieser Saison müssen die Anzüge enger sein, zusätzliche Nähte für mehr Steifigkeit sind verboten.
picture

Karl Geiger (r.) und Andreas Wellinger

Fotocredit: SID

Damit kämen jüngere und unerfahrenere Athleten besser klar, da sie "auf oberstem Niveau noch nicht viele Vorerfahrungen haben", sagte Freund bei "Web.de". Für sie sei es "leichter, auf Materialänderungen schneller zu reagieren. Sie haben weniger im Hinterkopf, was als gut eingespeichert ist."
Der 32-jährige Geiger und Wellinger (30) hingegen, die jeweils Weltmeistertitel und Medaillen bei Olympischen Spielen gesammelt haben, stecken tiefer in eigenen Routinen, Techniken und Bewegungsmustern, die für sie in der Vergangenheit gepasst haben.

Große Athleten haben es schwerer

Hinzu käme, laut Freund, dass große und damit schwerere Athleten - wie Andreas Wellinger (1,84 Meter) und Karl Geiger (1,85 Meter) - grundsätzlich größere Schwierigkeiten mit engeren Anzügen hätten: "Der optimale Skispringer ist keine 1,85 Meter groß, sondern um die 1,70 Meter. Ein größerer Athlet spürt schneller, wenn Fläche am Anzug weggenommen wird."
picture

Andreas Wellinger bei der Qualifikation in Oberstdorf

Fotocredit: Getty Images

Unter anderem die Aerodynamik sei eine andere, die Technik müsse angepasst werden. Bei so geübten Athleten wie den beiden Deutschen, die sich vor Jahren ein "ausgeklügeltes System" überlegt hätten, sei das besonders schwierig.
Insbesondere Geiger habe schon seit einiger Zeit schwächere Trainingssprünge gezeigt und durch die Regeländerungen in den vergangenen Jahren immer wieder "kleine Nadelstiche" erlebt.
Dass sich während der Tour bessere Ergebnisse bei den beiden einstellen, glaubt Freund nicht. "Natürlich ist es immer in der Wettkampfsituation tendenziell schwieriger, die Sachen umzusetzen." Dafür bräuchte es eine längere Pause und intensives Training, um an neuen Mechanismen zu arbeiten.
Das könnte Dich auch interessieren: Die wahren Duelle: Heute, Kinder, könnt's was geben...
picture

Wellinger: "Selbstvertrauen nicht so groß wie in den letzten Jahren"

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung