Olympia 2022: Agnieszka Baczkowska als Materialkontrolleurin nach Wirbel beim Mixed-Springen in der Kritik

Nach der Disqualifikations-Flut im Skisprung-Mixed bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking steht Kontrolleurin Aga Baczkowska im Mittelpunkt der Kritik. Die Polin sieht die Schuld bei den Teams und verteidigt sich. "Das ist mein härtester Tag in zehn Jahren als Materialkontrolleurin gewesen", sagte Baczkowska: "Ich muss aber dafür sorgen, dass alle die gleichen Chancen haben."

Katharina Althaus wurde beim Mixed-Springen disqualifiziert

Fotocredit: Getty Images

Nachdem sie nicht nur Katharina Althaus ins dunkle Tal der Tränen befördert hatte, war die meistgehasste Frau des Skispringens mit ihrer Tagesbilanz zufrieden. "Das ist mein härtester Tag in zehn Jahren als Materialkontrolleurin gewesen", sagte Agnieszka Baczkowska: "Ich muss aber dafür sorgen, dass alle die gleichen Chancen haben, denn es geht um Gerechtigkeit."
Der Gerechtigkeit hatte sie am Montagabend in Zhangjiakou bei der olympischen Mixed-Premiere zumindest aus ihrer Sicht genüge getan. Fünf Springerinnen disqualifizierte Baczkowska wegen irregulärer Anzüge, allesamt aus Topnationen. Betroffen waren auch Deutschland und die Olympiazweite Althaus. Der Wettkampf verkam zur Farce.
Die Empörung über die gestrenge Polin war groß. "Mein Herz ist gebrochen, bei 160 Weltcups, fünf Weltmeisterschaften und dreimal Olympia zum ersten Mal disqualifiziert", meinte die in Tränen aufgelöste Althaus. "Wir sind schon sehr verfolgt von diesen Kontrollen", sagte Männer-Bundestrainer Stefan Horngacher, mit Baczkowska aus seiner Zeit als Polens Nationalcoach bestens vertraut.
Baczkowska, seit bald zwei Jahrzehnten im Skisprung-Hintergrund tätig, steht plötzlich im Mittelpunkt. Schon am Samstag hatte sie im Frauen-Einzel die Österreicherin Sophie Sorschag wegen unzulässig überklebter Sponsorenlogos disqualifiziert. Zwei Tage später musste "Aga" Interview um Interview geben. Den Wirbel verstand sie nicht.
picture

"Fast menschenunwürdig!" So kam es zur Farce im Skispringen bei Olympia

Quelle: Eurosport

Baczkowska verteidigt sich selbst

"Was soll ich denn machen, wenn jemand mit einem zehn Zentimeter zu großen Anzug springt? Also bitte! Das sieht man ja schon mit bloßem Auge", sagte die studierte Anglistin und Sportwissenschaftlerin. Die Kritik an ihrer Person returnierte Baczkowska via Frontalangriff auf die Betroffenen: "Ich hätte nicht gedacht, dass dies bei Olympia passieren kann. Ich war davon ausgegangen, dass sich die Teams vorbereiten und den Wettkampf ernst nehmen."
Mario Stecher, Sportdirektor der ebenfalls betroffenen Österreicher, bestätigte dann auch unfreiwillig, dass die Teams das Regelwerk eher als unverbindliche Empfehlung ansehen. "Im Weltcup gibt es teilweise Anzüge, die so groß sind, dass man glaubt, man ist beim Tiroler Zeltverleih", polterte er: "Bei Olympia greift man schließlich rigoros durch. Da muss ich mich schon fragen, ob das der richtige Weg ist."
Fakt ist: Zumindest bei der Österreicherin Daniela Iraschko-Stolz und der Japanerin Sara Takanashi bestätigten die Teams selbst, dass die Anzüge zu groß waren. Dass der Zorn der gesammelten Skisprungwelt Baczkowska traf, war also vielleicht zu billig. "Ich", sagte sie, "mache nur meinen Job."
(SID)
picture

Olympia-Skandal: Schmitt und Schuster analysieren Anzug-Dilemma

Quelle: Eurosport

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung