Olympia 2022: Skandal um Katharina Althaus und Sarah Takanashi - wer sind die Schuldigen?
Publiziert 07/02/2022 um 23:25 GMT+1 Uhr
Skispringen ist faszinierend. Die Sportart ist spektakulär und zieht seit Jahrzehnten die Fans zuverlässig vors TV. Es sind die Wettbewerbe, für die sich wegen großer Zeitverschiebung der Wecker gestellt wird. Doch das Skispringen krankt. Beim Eklat um Weltmeister Deutschland mit Katharina Althaus, der in der Disqualifikation von fünf Athletinnen aus vier Nationen gipfelte, wurde das deutlich.
"Fast menschenunwürdig!" So kam es zur Farce im Skispringen bei Olympia
Quelle: Eurosport
Er trägt seinen Experten-Titel bei Eurosport zu Recht. Werner Schuster weiß als ehemaliger Skisprung-Bundestrainer genau, von was er spricht. Umso überraschender wirkte es, dass er sich nach diesem emotionalen Olympia-Tag in Peking eben nicht überrascht, emotional oder gar perplex zeigte.
Der 52-Jährige war vielmehr schon darauf fokussiert, den Blick nach vorne zu richten.
In eine für die Sportart hoffentlich bessere Zukunft. Denn die Vergangenheit und Gegenwart zeichnen ein ziemlich desolates Bild.
Unter dem Brennglas auf der Schanze bei der Premiere des Mixed-Wettbewerbs wurden die Defizite rund um die beliebte Sportart sichtbar.
Nur noch Wut und Tränen bei Althaus
Die Heldin Katharina Althaus weinte bittere Tränen der Verzweiflung, dann machte sie ihrer Wut Luft. Der Weltverband habe das Damen-Skispringen zerstört. "Mit so einer Aktion machen die den Sport kaputt", klagte die Einzelzweite nach einem skandalösen Mixed-Wettkampf, in dem sie selbst wegen eines falschen Anzugs disqualifiziert wurde, an. Es war der gleiche Anzug, in dem sie zwei Tage zuvor zu Silber gesprungen war.
War der Sport schon zuvor irgendwie kaputt? Nicht umsonst sagte Schuster: "Es wurde eine große Chance vertan." Die entscheidende Frage: Wie lange braucht es jetzt, ehe sich die Sportart von diesem Imageschaden erholt?
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Schuster kritisiert nach Farce: "Wirft schlechtes Licht auf Skispringen"
Quelle: Eurosport
Der Kern des Problems ist offenbar ein "Hightech-Krieg", der irgendwann begonnen habe, wie Schuster erzählt. Schuster weiter: "Früher hat man Maßanzüge gehabt, dann haben einige gemerkt: Da könnte man etwas herausholen. Daraufhin musste man das Regelwerk und die Kontrollen anpassen. Dann hat man wieder getüftelt, wie man die Kontrollen umgehen kann. Das ist ein kleines Ping-Pong-Spiel zwischen schärferen Kontrollen und Optimierung."
Was hier beschrieben ist, ist durchaus als toxisch zu bezeichnen. Die Diskrepanz zwischen der Weiterentwicklung des Sports und der Bereitschaft über die Grenzen der Regeln hinauszugehen, ist zu groß geworden. "Das ist keine gute Kultur", weiß Schuster und fügt an: "Da aus praktischer Sicht nicht jeder kontrolliert werden kann, kann auch jemand durchschlüpfen. Das ist wie bei Geschwindigkeitskontrollen im Verkehr. Man kann nicht zu jeder Zeit jede Straße kontrollieren."
Hauptschuld trägt der Weltverband
Der Weltverband FIS rückt hier natürlich als Hauptschuldiger in den Vordergrund. Die Vorkommnisse jetzt können gar nicht im Sinne des Sports sein. Entweder wurden die Damen-Teams zu wenig auf die härteren Kontrollen hingewiesen oder die Kontrolleure mit zu großen Kompetenzen ausgestattet. Bezeichnend war, dass Bundestrainer Stefan Horngacher quasi nicht wusste, was genau am Anzug von Althaus letztlich beanstandet wurde. Grundsätzlich sind Faktoren wie Größe, Design und Dicke des Stoffes limitiert.
"Der neue Kontrolleur hat die Kontrollen extrem verschärft - gefühlt auch sehr verschärft für die deutschen Skispringer. Das Prozedere Messung ist von der FIS nicht besser geworden, sondern schlechter", kritisierte Horngacher. Auch die Tatsache, dass nur Damen disqualifiziert war zudem kurios.
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"Fast menschenunwürdig!" So kam es zur Farce im Skispringen bei Olympia
Quelle: Eurosport
"Es wirft ein schlechtes Licht auf die FIS. Sie haben es im Vorfeld versäumt, sich abzustimmen, um zusammen ordentlich zu agieren und die Sportart zu repräsentieren", verdeutlichte Schuster.
Sein Trainer-Kollege Andreas Bauer, der die deutschen Damen von 2011 bis 2021 als Cheftrainer coachte, fand gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" noch deutlichere Worte: "Das ist ein Desaster für unsere Sportart." Die Athletinnen seien "vor einem Millionenpublikum regelrecht vorgeführt" worden. "So darf sich eine Sportart auf der weltgrößten Bühne des Sports nicht präsentieren. Das war ein Skandal."
Ex-Bundestrainer Bauer mit deutlicher Kritik
"Weinend und völlig aufgelöst im Zielraum zu kauern - solche Bilder haben die Athletinnen nicht verdient. Und unsere Sportart auch nicht. Das war ein riesengroßer Image-Verlust", erklärte Bauer. Er fordert: "Wird die Messmethode verändert, muss man Teams und Trainer darüber vorher informieren. Wenn ich bei Olympischen Spielen so viele Athletinnen disqualifiziere und der Willkür aussetze, dann habe ich im Vorfeld meinen Job nicht richtig gemacht. In Zukunft darf so etwas nie wieder geschehen."
Was muss also passieren? Am wichtigsten ist es wohl, wenn die Emotionen abgeklungen sind, dieses Springen als Wendepunkt zu betrachten. Es muss mehr Transparenz in die Kontrollen, die Beteiligten dürfen sich nicht gegenseitig zerfleischen, sondern müssen eine Lösung finden, um das Skispringen wieder zu dem zu machen, was es eigentlich ausmacht: Einen spannenden wie spektakulären Wettkampf, der die Fans begeistert.
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Althaus-Disqualifikation: Schmitt erklärt die Anzug-Problematik
Quelle: Eurosport
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