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Zweikampf um den Gesamtweltcup: Was für Geiger spricht - und was für Kraft

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Stefan Kraft (li.) und Karl Geiger

Fotocredit: Imago

VonJonas Klinke
06/03/2020 Am 14:27 | Update 06/03/2020 Am 14:27

Im Jahr 2015 gewann mit Severin Freund zuletzt ein deutscher Skispringer den Gesamtweltcup. Fünf Jahre später könnte ihm Karl Geiger nachfolgen. Dazu muss der Gesamtweltcupzweite jedoch 118 Punkte auf den Österreicher Stefan Kraft aufholen. Dafür bleiben ihm nur noch vier Springen bei der Raw Air in Norwegen. Eurosport-Experte Sven Hannawald erklärt, wie es noch klappen kann.

Es kommt nicht häufig vor, dass ein Skispringer nach einem normalen Weltcupspringen von seinen Teamkollegen mit jubelndem Spalier im Auslauf empfangen wird. Karl Geiger durfte dieses Gefühl am vergangenen Sonntag nach seinem Sieg in Lahti erleben.

Mit einem breiten Grinsen und den Skiern in der Hand ließ er sich von Stephan Leyhe, Markus Eisenbichler, Pius Paschke und Constantin Schmid feiern. Und das völlig zu Recht.

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Im ersten Durchgang bewies er bei schwierigen Bedingungen starke Nerven und setzte sich mit 122,5 Metern an die Spitze. Im zweiten Durchgang flog er mit einem Traumflug auf die Tagesbestweite von 130 Meter und brachte Eurosport-Experte Sven Hannawald zum Staunen:

Das war der beste Sprung des Winters!

Dieser brachte ihn zugleich wieder näher an den Gesamtweltcupführenden Stefan Kraft aus Österreich heran. Vor der Raw-Air-Tournee in Norwegen, bei der auch die Entscheidung um den Gesamtweltcup fallen wird, liegt der Oberstdorfer nun 118 Punkte zurück.

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Geiger muss auf Ausrutscher von Kraft hoffen

Auch einige Tage später ist Hannawald immer noch von Geigers Leistung in Lahti entzückt: "Das war natürlich sensationell. Ich wünsche Karl, dass er das genauso locker und ohne Druck umsetzen kann."

Doch Lockerheit allein dürfte Geiger nicht die große Kristallkugel bringen. Er muss schon auf einen kleinen Ausrutscher von Stefan Kraft hoffen, damit es was wird mit dem ersten deutschen Gesamtweltcupsieger seit Severin Freund 2015. Wenn Kraft bei den vier Raw-Air-Springen immer Zweiter wird, hat er seinen zweiten Gesamtweltcupsieg nach 2016/2017 sicher. Da würden auch vier Geiger-Siege nichts bringen.

Beim Blick auf die vergangenen Wochen scheint es fraglich, ob der Österreicher Geiger den Gefallen eines Patzers tun wird: In den vergangenen zehn Springen gewann Kraft vier Wettkämpfe, stand fünf weitere Male auf dem Podest und wurde einmal Vierter - und übernahm damit das Gelbe Trikot vom Oberstdorfer.

Dabei liest sich Geigers Bilanz ebenfalls nicht schlecht: In den vergangenen acht Springen landete der Oberstdorfer immer unter den Top sechs. Überhaupt platzierte er sich in der gesamten Saison bis auf zwei Ausnahmen immer unter den Top acht. Was für eine Konstanz.

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Oslo und Trondheim liegt Beiden

Es spricht vieles dafür, dass diese Serien auch bei der Raw Air weitergehen. Doch wem liegen die vier Schanzen in Oslo, Lillehammer, Trondheim und Vikersund eigentlich besser? Hannawald sagt: "Oslo und Trondheim müssten beiden Springer entgegenkommen."

In Lillehammer sieht der Vierschanzentournee-Sieger von 2001/2002 den Deutschen vorne:

Die Schanze könnte Karl einen Tick mehr entgegenkommen. Vom Profil ähnelt sie den Schanzen in Predazzo, wo Karl ja sehr gut zurechtgekommen ist.

Kraft ist der bessere Skiflieger

Beim Skifliegen in Vikersund sieht Hannawald dagegen leichte Vorteile für den Österreicher: "Das Skifliegen am Kulm hat Kraft gewonnen. Karl konnte dort einen Durchgang für sich entscheiden. Aber das allgemeine Paket hat bei Kraft stabiler funktioniert. Doch wenn Karl daraus gelernt hat, dann ist da auch für ihn Großes möglich. Vikersund wird auf jeden Fall ein Highlight."

Insgesamt sieht Hannawald die beiden Kontrahenten "auf Augenhöhe":

Es kommt auf Kleinigkeiten an. Wenn Karl alles zusammenbringt, dann ist er ebenfalls schwer zu schlagen. Die Sachen zusammenzubringen, ist für Karl eine größere Aufgabe, als für Kraft. Stefan Kraft ist insgesamt breiter aufgestellt.

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Geiger konnte bisher nicht bei der Raw Air glänzen

Doch Kraft hat im Saisonfinale einen Vorteil. "Stefan hat die besondere Gabe, dass er gerade in der zweiten Saisonhälfte, wenn alle anderen abbauen, sein Level halten kann", so Hannawald. So gewann er 2017 auch die Premierenausgabe der Raw Air, zudem holte er in den bisherigen drei Ausgaben drei Tagessiege und fünf weitere Podestplätze.

Geiger konnte dagegen bisher noch nicht in Norwegen überzeugen. Rang elf ist sein bestes Gesamtergebnis, Rang sieben sein bestes Tagesergebnis.

Für dieses Jahr dürfte das aber keine Rolle spielen, denn "es ist eine völlig andere Ausgangssituation, weil in den Jahren, in denen Kraft seine Siege feiern konnte, Karl nicht ganz so fit war und nicht zum Favoritenkreis zählte", so Hannawald.

Aber wer darf denn nun in Vikersund mit der großen Kristallkugel jubeln? Hannawald will sich nicht festlegen: "Es wird sehr schwer, wer es am Ende macht.“

Eurosport-Check:

Eurosport.de wagt dennoch eine Prognose: Kraft und Geiger springen auf gleichem Niveau. Der Österreicher hat das etwas stärkere Paket und natürlich den Vorsprung von 118 Punkten. Zudem ist er traditionell im März stark und scheint die Raw Air zu lieben. Daher sollte er seinen Vorsprung im Gesamtweltcup verteidigen können.

Der Kampf um die Raw Air ist aber völlig offen. Geiger hat in diesem Jahr sehr gute Chancen, der erste deutsche Raw-Air-Sieger zu werden.

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