Philipp Raimund spricht im Exklusiv-Interview über den Anzug-Skandal um Norwegen: "Habe ihnen noch nicht verziehen"
Update 10/11/2025 um 21:19 GMT+1 Uhr
Philipp Raimund kürte sich beim Sommer Grand Prix überraschend zum Gesamtsieger. Seine Topform möchte der 25-Jährige freilich konservieren und auf dem Weg zu seinen ersten Olympischen Spielen weitere positive Ergebnisse einfahren. Im exklusiven Gespräch mit Eurosport spricht der Göppinger über seine jüngsten Erfolge. Außerdem bezieht er ausführlich Stellung zum norwegischen Anzugskandal.
Raimund exklusiv zum Anzugskandal: "Habe ihnen noch nicht verziehen"
Quelle: Eurosport
Philipp Raimund hat gut lachen, als er im Rahmen der DSV-Einkleidung in Nürnberg vor das Eurosport-Mikrofon tritt.
Kein Wunder, immerhin war der 25-Jährige mit dem Gesamtsieg beim Sommer Grand Prix im Gepäck in die fränkische Metropole gereist.
Im exklusiven Gespräch erklärt der gebürtige Göppinger seine ansprechende Frühform und seine Ziele für den anstehenden Olympia-Winter.
Außerdem äußert sich der DSV-Adler über den aufsehenerregenden Anzugskandal rund um das norwegische Team, der Raimund zufolge "das gesamte Skispringen in Verruf" gebracht habe.
Philipp, bis zum ersten Weltcup-Springen sind es noch knapp drei Wochen. Wie läuft die Saisonvorbereitung bislang?
Philipp Raimund: Ich bin mit einem aktuellen Leistungsstand sehr zufrieden. Besonders happy bin ich natürlich über meinen Gesamtsieg beim Sommer Grand Prix. Bis zum ersten Weltcup sind es noch rund drei Wochen, Olympia ist auch nicht mehr allzu weit entfernt. Das ist mega geil, ich freue mich sehr auf meine allerersten Spiele überhaupt. Die Zeit drängt etwas, aber ich fühle mich gut und gehe die nächsten Wochen locker an.
Sie haben Ihren Sieg beim Sommer Grand Prix bereits angesprochen, in der vergangenen Saison landeten Sie im Gesamtweltcup in der Endabrechnung auf Rang 24. Wie erklären Sie sich die Leistungssteigerung?
Raimund: Vielleicht kann man das Ganze ein Stück weit mit den Anzugveränderungen erklären.
Inwiefern?
Raimund: Die Anzüge sind etwas enger geworden, dementsprechend kommt es noch mehr auf die Sprungkraft an. Da ich – auch dank meiner Eltern (Raimunds Mutter war Turnerin, sein Vater Fußballer, Anm. d. Red.) – mit reichlich Sprungkraft gesegnet wurde, kommt mir das sehr entgegen. Ich merke außerdem, dass mehr Lockerheit in meinen Sprüngen ist und dass ich mittlerweile von meiner Erfahrung im Weltcup profitiere.
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Philipp Raimund, hier nach seinem Podestplatz in Courchevel, hat auch am Ende der Sommer-Grand-Prix-Serie 2025 allen Grund zur Freude: Der 25-Jährige holte sich in Klingenthal den Gesamtsieg.
Fotocredit: Getty Images
Sie haben beim Sommer Grand Prix in Hinzenbach den ersten Einzel-Sieg Ihrer Karriere gefeiert, was ist das für ein Gefühl, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen?
Raimund: Es ist es etwas ganz Besonderes, dort oben zu stehen und die deutsche Nationalhymne zu hören. Das letzte Mal, als ich das erleben durfte, war nach dem Teamspringen bei der Junioren-WM (2019 in Lahti, Anm. d. Red.). Ich würde das gerne noch häufiger erleben. Ich weiß aber nicht, wie der Winter wird. Die anderen sind ja auch keine Nasenbohrer (lacht).
Welche konkreten sportlichen Ziele haben Sie sich für die Saison vorgenommen?
Raimund: Gar keine. Ich will mitmachen und jeden Tag besser werden. Am Ende sehen wir dann, was dabei rumgekommen ist.
Im Anzug-Skandal um das norwegische Team bei der WM haben Ex-Trainer Brevig und weitere Betreuer die FIS auch aufgrund ihrer drohenden Strafen scharf kritisiert – wie stehen Sie dazu?
Raimund: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Mehr sage ich dazu nicht.
Ein bisschen böses Blut ist immer noch da, ganz verziehen habe ich ihnen noch nicht.
Lindvik und Forfang wurden jeweils für drei Monate gesperrt – die Sperre ist aber bereits abgelaufen, sodass sie beim Weltcup-Auftakt in Ruka dabei sein können. Ist die Strafe aus Ihrer Sicht nachvollziehbar?
Raimund: Ich bin ein Verfechter des fairen Sports – ganz egal, um welchen Sport es geht. Ich will, das fair gesprungen, gefightet, gespielt wird. Das, was passiert ist, war unsportliches Verhalten, dementsprechend hätte ich mir gewünscht, dass die Sanktionen etwas strenger ausfallen. Letztlich hat die gesamte Sportart darunter gelitten, das Skispringen wurde in Verruf gebracht. Ein bisschen böses Blut ist immer noch da, ganz verziehen habe ich ihnen noch nicht. Der erste Schritt wird sein, dass wir irgendwann wieder normal darüber sprechen und den Norwegern wieder vertrauen können.
In Zukunft wird es Gelbe und Rote Karten im Skispringen geben – was halten Sie von diesen Änderungen?
Raimund: Sie kommen ein Jahr zu spät (lacht). Grundsätzlich finde ich das gut, es führt dazu, dass die Leute weniger bescheißen wollen. Es gibt das Sprichwort: Gelegenheit macht Diebe – das heißt, wenn die Möglichkeit des Bescheißens besteht, ist die Gefahr höher, dass es dazu kommt. Ich hoffe, die Gelben und Roten Karten tragen dazu bei, dass es in dieser Saison nachlässt.
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