Skisprung-Skandal: Polen-Sportdirektor Adam Malysz hat kein Vertrauen in FIS und kritisiert Renndirektor Sandro Pertile

Polens Sportdirektor Adam Malysz hat den Ski-Weltverband FIS scharf kritisiert. Insbesondere zweifelt die Skisprung-Legende an Renndirektor Sandro Pertile und geht den Italiener hart an. Malysz sieht die Zukunft des Skispringens stark gefährdet. Vor allem sorgt er sich darum, wie sich die aktuellen Skandale auf das Zuschauerinteresse auswirken könnte. Änderungen im Regelwerk sieht er kritisch.

Adam Malysz teilt gegen die FIS und Renndirektor Sandro Pertile aus.

Fotocredit: Getty Images

Die Skandalwelle, die im Zuge der Anzug-Betrügereien über den Skisport schwappt, besorgt Malysz zutiefst. Auch, weil er glaubt, dass die FIS nicht in der Lage ist, die prekäre Situation richtig einzuschätzen, wie der 48-Jährige gegenüber der polnischen Zeitung "Przeglad Sportowy" erklärte.
Der Sport brauche eine Revolution, sagte Malysz. Er habe allerdings Bedenken, dass die FIS eine solche herbeiführen könne. Symptomatisch dafür nennt er Renndirektor Pertile.
Diesem stellte Malysz ein vernichtendes Urteil aus: "Es ist ein bisschen so, als würde man mit einer Wand reden. Wir brauchen Veränderungen, die für echte Verbesserungen sorgen." Dafür fehle Pertile jedoch die Bereitschaft, meinte Malysz. "Das wird eine echt anstrengende Zeit für die FIS", ergänzte der Pole. Es brauche echte Experten, die in großem Stile Daten sammeln würden.
Malysz sorgt sich außerdem um das Interesse am Skispringen. So spricht er von abnehmenden Zuschauerzahlen. Der WM-Skandal könnte diese noch weiter nach unten drücken. Entscheidend sei das aber nicht, es gehe ohnehin aktuell "alles in die falsche Richtung".

Malysz kritisiert mangelnde Kontrolle

Der vierfache Weltmeister sieht im Anzug-Regelwerk einen entscheidenen Malus. "Die Kontrolleure können nicht alles checken, sie bräuchten sonst zwei Tage für jeden Wettbewerb", meinte Malysz.
Deshalb kämen die Regelhüter mit immer mehr Restriktionen, was aber dazu führe, dass jedes Team noch mehr Innovationen und Schlupfwinkel suchen würde, da jedes Detail am Ende entscheidend sein kann.
Auch Materialkontrolleur Christian Kathol wurde vom Polen scharf kritisiert. Dem Online-Portal "sport.interia.pl" sagte Malysz: "Ohne unsere Warnungen wäre dieser Betrug überhaupt nicht aufgedeckt worden. Wenn es keine eindeutigen Beweise in Form von Aufzeichnungen gegeben hätte, hätten die Norweger weiterhin betrogen." Die Kontrollen seien zu "ungenau".
Verärgert ergänzte der ehemalige Top-Springer: "Wir haben schon seit langem Unregelmäßigkeiten beim Material gemeldet und ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er das überprüfen soll."

Anzug-Regelwerk: Malysz fordert Veränderungen

Von Kathol sei dies aber nicht ausreichend überprüft worden. "Er hätte nur versuchen müssen, den Anzug zu dehnen. Er hätte den Unterschied sofort bemerkt", so Malysz.
Daher seien große Veränderungen im Regelwerk notwendig. Am Ende sei auch die Sicherheit der Athleten wichtig. Dennoch dürfe das Spektakel nicht auf der Strecke bleiben.
"Ich weiß, dass die Gesundheit das Wichtigste ist, aber da es nur noch selten wirklich weite Sprünge gibt, verliert die Disziplin an Bedeutung. Für all das braucht man Regeln, die für den Zuschauer klar sind. Wollen wir sonst Wettkämpfe für leere Tribünen machen?", monierte der polnische Sportdirektor bei "Przeglad Sportowy".
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Schmitt exklusiv: "Balsam auf Wellingers Seele"

Quelle: Eurosport


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