Nordische Ski-WM: Karl Geiger wird von Adam Malysz wegen seines Anzugs attackiert - Martin Schmitt erklärt den Vorwurf
Adam Malysz hat bei der Nordischen Ski-WM mit einem Verdacht gegen Karl Geiger Unruhe ausgelöst. Der DSV-Springer, so der Vorwurf, trete mit einem irregulären Anzug an. Martin Schmitt sieht Malysz' Kritik eher als taktisches Spielchen, ein kontroverses Thema bleibe die Anzug-Kontrolle dennoch. Vor etwaigen Regelanpassungen müsse die Frage erlaubt sein: "Welches Fass will man aufmachen?"
Analyse: Schmitt nennt die Gründe für den märchenhaften DSV-Turnaround
Quelle: Eurosport
"Irgendetwas stimmt nicht, das ist mit bloßem Auge erkennbar. Das ist sehr merkwürdig." Der viermalige Weltmeister Adam Malysz machte im Gespräch mit der Zeitung "Przeglad Sportowy" keinen Hehl daraus, dass er hinter der Leistungssteigerung von Karl Geiger pünktlich zur WM auf der Normalschanze Tricksereien beim Anzug vermutet. Genauer: Der Anzug sei zu groß, Geiger habe dadurch Vorteile in der Luft.
Bundestrainer Stefan Horngacher wollte sich die Freude über den tollen Auftakt mit Silber (Andreas Wellinger) und Platz vier (Geiger) auf der Normalschanze nicht verderben lassen. "Die Leute schauen auf die falschen Dinge. Sie hätten besser schauen sollen, wie der Karl am Schanzentisch weggesprungen ist, das war nämlich ausgezeichnet. Deswegen stört mich das überhaupt nicht", wiegelte der 55-Jährige in der "ARD" ab.
Malysz, inzwischen Präsident des polnischen Skiverbandes, weiß indes genau, dass sein Wort Gewicht hat in der Szene. Doch selbst wenn es sich bei der Anschuldigung "lediglich" um ein Psychospielchen handelt - das Thema ist brisant und aktuell.
Seit dieser Saison greift eine neue Anzugsregel der FIS, wonach die Weltcup-Springer nur noch insgesamt zehn Anzüge einsetzen dürfen.
Schmitt: "Das klare Ziel aller Teams ist ..."
An mehreren Stellen - an den Ärmeln, dem vorderen und hinteren Oberteil sowie an den Beinen - werden insgesamt sieben Chips mit eigener ID-Nummer angebracht, die zur Identifizierung dienen. Schnitt und Luftdurchlässigkeit dürfen, wenn einmal im Wettkampf eingesetzt, nicht mehr verändert werden.
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Ski jumping - Feature - ITW Christian Kathol FIS equipment controller
Quelle: Eurosport
"Derzeit ist es so: Das klare Ziel aller Teams ist es, den Anzug durch die Kontrolle zu bekommen - und genau das wird auch trainiert. Würden die Springer ihren Anzug vor der Kontrolle in der Position des Sprunges belassen, kämen sie kaum durch, der Schritt wäre zu tief. Wenn man ihn im Schritt aber höher zieht, muss beachtet werden, dass er dann an anderen Stellen weiter auftragen kann", sagt der zweimalige Gesamtweltcupsieger Martin Schmitt im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de.
"Für den Sprung", erläutert der Eurosport-Experte, werde dagegen "versucht, den Anzug wiederum in eine andere, vorteilhaftere Position zu bringen als bei der Kontrolle, um die Auftriebsfläche bestmöglich nutzen zu können. Das Schnittbild des Anzuges ist auf den Flug ausgerichtet, nicht auf eine Sitzposition am Anlauf oder beim Abschwingen", erklärt Schmitt die Feinheiten.
Es besteht folglich eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Art, wie der Anzug bei der Prüfung getragen wird und wie er später im Sprung am Körper anliegt.
Schmitt regt "größere Transparenz" bei Kontrollen an
Dies sei der Grund, warum Bilder entstünden "wie jenes von Karl Geiger, bei dem sich der Eindruck aufdrängt, der Anzug wäre an bestimmten Stellen zu groß. Ich bin aber sicher, dass man von nahezu allen Sportlern ähnliche Fotos finden würde, wenn man die Bild-Datenbanken durchforstet", ist sich Schmitt sicher. "Wenn eine Mannschaft also strengere Regularien einfordert, muss den Verantwortlichen klar sein, dass die auch dem eigenen Team Probleme bereiten könnte."
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In dieser Position soll der Anzug von Karl Geiger Auffälligkeiten zeigen
Fotocredit: Eurosport
Kritisch sieht Schmitt die Tatsache, dass die Kontrollen hinter verschlossenen Türen stattfinden und wenig Transparenz besteht. Es könne sich daher lohnen, "über eine Art Challenge-System nachzudenken, bei dem Team-Offizielle bei der Kontrolle dabei sind und das Prozedere mitverfolgen können."
Wie bei Olympia in Peking: Vorwurf an Geiger wiederholt sich
Da dies aktuell nicht der Fall sei, werde den "Kontrolleuren teils unterstellt, ihrer Aufgabe nicht immer gut nachzukommen", so der 47-Jährige. Eine weitere Option bestehe darin, "die Kontrollen auf Video aufzuzeichnen, damit die Teams den Vorgang alle einsehen können" und sich "eine größere Transparenz" einstelle. "Man wird aber feststellen, dass für alle die Kontrollen gleich sind und sich die Sportler in der Kontrolle auch ähnlich verhalten."
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Boom! Geiger segelt auf 105,5 Meter
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Für Geiger sind derartige Vorwürfe nichts Neues. Bereits vor gut drei Jahren, bei den Olympischen Winterspielen von Peking, wurde dem Oberstdorfer unterstellt, er sei mit einem zu großen Anzug gesprungen. "Ich war in jedem Wettkampf in der Kontrolle, heute sogar zweimal. Der Anzug war an keiner einzigen Stelle zu groß, an einer Stelle sogar zu klein", wies Geiger die Vorwürfe damals vehement zurück.
Schmitt: "Limitierte Zeit ein wesentlicher Faktor"
Schmitt macht indes eine Schwachstelle im Ablauf der Kontrollen aus. "Ein wesentlicher Faktor ist meiner Ansicht nach die limitierte Zeit, die dafür zur Verfügung steht", findet der Olympiasieger von 2002 und schlägt eine Neuerung vor: "Eine Möglichkeit, diesen Druck zu nehmen, wären zusätzliche Kontrollen im Vorfeld der Wettkämpfe. Der Anzug wird geprüft, kommt dann in einen neutralen Raum und wird erst kurz vor dem Springen wieder ausgegeben." Das sei dann ein "wenig so wie der Parc Fermé in der Formel 1".
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Geiger nach Platz vier: "Es ist schade, aber ..."
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Ob man nun beim bestehenden Regelwerk bleibe oder nach der Saison Modifikationen vornehme, eines sei unabdingbar: "Wichtig ist, dass das Reglement entschieden durchgesetzt wird. Nur: Wenn die FIS dies tut, dann bekommt sie immer wieder den schwarzen Peter zugeschoben."
Der Fall Zajc sorgt für Misstöne
Schmitt verweist diesbezüglich auf den Mixed-Wettbewerb beim Weltcup in Willingen Anfang Februar, "als Timi Zajic mit ein und demselben Anzug durch die Kontrolle im zweiten Durchgang kam, zuvor im ersten aber nicht. Da wurde gleich mit rechtlichen Schritten gedroht. Nur weil ich einmal vielleicht mit viel Anstrengung die Kontrolle schaffe, heißt das nicht, dass auch beim nächsten Mal alles in Ordnung ist. Der Anzug kann bei der Kontrolle in verschiedene Positionen gebracht werden." Es sei "ein schwieriges Thema".
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Und ein Sujet, das die Szene noch sehr lange emotionalisieren wird. Das zeigt der Fall Zajc, bei dem der slowenische Verband gar eine Klage gegen die FIS in Erwägung zog. Immerhin: Anstelle einer Klage sprachen die Parteien sich aus, die Wogen glätteten sich. Vorerst.
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Von der Schanze in den Weltraum: Schmitt geht in Trondheim zur Uni
Quelle: Eurosport
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