Karl Geiger ging in die Knie, immer wieder fasste er sich an den Kopf, und dann brüllte er die ganze Freude aus sich heraus: Mit einer "Bombe" im zweiten Durchgang ist der Oberstdorfer bei der WM vor der eigenen Haustür zu Silber geflogen. "Ich bin echt sprachlos, das habe ich nicht kommen sehen", sagte der längst als "Kleinschanzen-Karle" berühmte Bayer, der sich einzig dem neuen Weltmeister Piotr Zyla aus Polen geschlagen geben musste.
Geiger lag nach dem ersten Durchgang von der Normalschanze noch auf dem vierten Rang, kämpfte sich aber mit einem starken zweiten Flug auf 102,0 m auf das Podest. "Vor dem Wettkampf habe ich gesagt: Hopp oder Flop. Und es war Hopp", sagte der vor den Titelkämpfen noch so formschwache Geiger. Für den Deutschen Skiverband war es die erste Medaille der Titelkämpfe im Allgäu, Bronze ging an Anze Lanisek aus Slowenien.
Auch Bundestrainer Stefan Horngacher war erleichtert: "Wir sind alle überglücklich, dass wir beim ersten Wettkampf schon eine Medaille gewonnen haben. Karls zweiter Sprung war eine echte Bombe." Mit 265,2 Punkten fehlten dem DSV-Adler umgerechnet nur 180 Zentimeter zu Überraschung-Weltmeister Zyla (268,8), der in seiner Karriere erst zwei Weltcupsiege feiern konnte und Nachfolger seines Landsmanns Dawid Kubacki wurde.
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Für Geiger war es die zweite WM-Einzelmedaille nach Silber vor zwei Jahren von der Großschanze in Innsbruck. In diesem Winter hatte er zudem Gold bei der Skiflug-WM und den Tagessieg bei der Vierschanzentournee ebenfalls in Oberstdorf geholt - nach verrückten Wochen inklusive Vaterschaft und Corona-Quarantäne. Letzter deutscher Weltmeister von der Normalschanze bleibt indes Jens Weißflog, der 1989 ebenfalls in Lahti triumphiert hatte.

Eisenbichler erlebt gebrauchten Tag

Glänzend präsentierte sich auch Pius Paschke (Kiefersfelden) als Elfter. Hoffnungsträger Markus Eisenbichler (Siegsdorf) musste sich dagegen bei schwierigen Bedingungen mit dem 17. Rang begnügen. "Im ersten Durchgang hatten die letzten Springer Rückenwind, und da hatten wir keine Chance. Aber der Karl hat eine Medaille gemacht, er ist halt ein Fuchs. Es war wichtig, dass es einer von uns schafft", sagte Eisenbichler.

"Der macht tatsächlich Gold": Zyla behält im Krimi die Nerven

Topfavorit Halvor Egner Granerud aus Norwegen landete als Vierter knapp neben dem Podium, seine Aufholjagd von Rang 16 kam zu spät. Constantin Schmid, der den Vorzug gegenüber Ex-Weltmeister Severin Freund und Martin Hamann erhalten hatte, rechtfertigte auf der 23. Position seine Nominierung.
Schon am Sonntag wartet im Mixed (17:00 Uhr live bei Eurosport) mit zwei Männern und zwei Frauen pro Team die nächste Medaillenchance, dort werden Geiger und Eisenbichler sowie Katharina Althaus und Anna Rupprecht an den Start gehen. Das Format gehört zum fünften Mal zum WM-Programm, Deutschland holte bislang dreimal Gold (2015, 2017, 2019) und einmal Bronze (2013).
"Die Damen müssen ihre Form etwas verbessern. Aber ich hoffe, dass wir um die Medaillen mitkämpfen können", sagte Eisenbichler. Das sah auch Geiger so: "Gefeiert wird nach dem Mixed, hoffe ich doch. Aber heute Abend gibt es erstmal ein Bier."

Aufholjagd ohne Happy End: Granerud springt voll auf Angriff

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