FIS-Kontrolleur Christian Kathol äußert sich im Skisprung-Skandal zur Manipulation: Enttäuscht und schockiert
VonJan Zesewitz
Publiziert 11/03/2025 um 15:54 GMT+1 Uhr
Der Manipulationsskandal rund um das norwegische Skisprung-Team bei der Nordischen Ski-WM in Trondheim ist noch voll im Gang. Nun hat sich auch der verantwortliche FIS-Kontrolleur, der Österreicher Christian Kathol, zu Wort gemeldet. Er formuliert klare Forderungen für schärfere Kontrollen und beschreibt aus seiner Sicht, wie der Betrug mit den Anzügen aufgeflogen ist.
Schmitt-Analyse zum Anzugskandal: "Hier wird aktiv versucht zu manipulieren"
Quelle: Eurosport
"Ohne den Hinweis wäre es eher ein Zufallsfund geworden", erklärte Kathol im Interview mit der "Kleinen Zeitung" die große Bedeutung des Video-Materials, das die Machenschaften seitens des norwegischen Cheftrainers und dem Service-Mann zeigte.
Die Manipulationen "waren überhaupt nicht zu erkennen, man konnte das eingenähte Band nicht einmal ertasten", sagte er weiter. "Deshalb musste man den Anzug erst aufschneiden, um fündig zu werden."
Zu dem laufenden Verfahren kann sich der Chef-Kontrolleur auf Anweisung der FIS nicht äußern. Die beiden Anzüge von Marius Lindvik und Johann André Forfang, an denen er den im Video ersichtlichen Betrug feststellte, habe er direkt konfisziert.
"Da war eine extreme Enttäuschung und ein Schock", beschrieb er im Interview seine erste Reaktion: "Auch, weil es sich überhaupt nicht abgezeichnet hatte. Für den Skisprungsport ist das ein Desaster und es wird dauern, bis der heilende Prozess einsetzt. Die einzelnen Nationen müssen sich mehr in die Verantwortung nehmen - im Sinne der Zukunft des Sports."
Die Aussagen der Springer hält er für unglaubwürdig
Im ersten Durchgang des Wettbewerbs von der Großschanze konnte der FIS-Kontrolleur noch keine Unregelmäßigkeiten an den Anzügen feststellen. "Alle Anzüge haben gepasst", sagte er der "ARD". Erst nach genauerer Untersuchung nach dem zweiten Durchgang konnte die Manipulation aufgedeckt werden.
Inzwischen haben sich eine Reihe Experten und Aktiver aus der Skisprung-Welt zum Thema geäußert - und auch aus dem norwegischen Team gibt es weitere Stimmen. Forfang und Lindvik beteuerten, von der Manipulation nichts gewusst zu haben.
Für Kathol ist diese Darstellung nahezu ausgeschlossen: "Wenn man etwas am Anzug ändert, muss man das vorher testen. Und so etwas macht man nicht während einer laufenden WM, weil das Skispringen viel zu sensibel ist und die kleinste Veränderung große Auswirkungen haben kann. Außerdem waren sie schon vor dem Großschanzen-Bewerb mit einmal Gold und einmal Bronze erfolgreich. Warum sollte ich dann plötzlich das Setup ändern?"
Kathol ist seit 2022 Chef-Kontrolleur. Durch das komplexe Regelwerk und hochtechnologisierte Materialien geriet auch das Kontrollverfahren der FIS zuletzt immer wieder in die Kritik.
Kontrollen werden engmaschiger - und müssen noch besser werden
"An einem Weltcuptag müssen 80 bis 85 Prozent der Athleten in meine Kabine zur Kontrolle", sagte der Österreicher, der seit diesem Jahr auch häufig einen zweiten Kontrolleur an seiner Seite hat. Das heißt, an einem Weltcupwochenende sind sie zwei bis drei Mal bei mir. Es gibt so viele Kontrollen wie noch nie, das Netz ist dichtmaschiger geworden."
Dennoch sieht er weiter Verbesserungsbedarf, wie ihn auch Experten wie Martin Schmitt fordern: "Wir müssen die Digitalisierung weiter vorantreiben und noch mehr mit Maschinen überprüfen. Denn eine Waage zeigt mir nur an, ob etwas gut oder schlecht ist."
Auf seinen Job werden in nächster Zeit noch mehr Augen gerichtet sein als im bisherigen Saisonverlauf.
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