Nordische Ski-WM: Silber von Andreas Wellinger glänzt golden - Martin Schmitt nennt die Gründe für den DSV-Turnaround
Andreas Wellinger hat bei der WM in Trondheim Silber auf der Normalschanze gewonnen und damit den DSV-Adlern die erhoffte erste Medaille beschert. Auch Karl Geiger überzeugte als Vierter. Was nach den erschreckenden Ergebnissen der vergangenen Wochen fast märchenhaft daherkommt, ist für Martin Schmitt der Lohn harter Arbeit. Der Eurosport-Experte nennt die Gründe für den DSV-Turnaround.
Analyse: Schmitt nennt die Gründe für den märchenhaften DSV-Turnaround
Quelle: Eurosport
Mit geschlossenen Augen stand Andreas Wellinger im eisigen Regen von Trondheim auf dem Podest und lauschte glückselig der Hymne. Dass die norwegische und nicht die deutsche gespielt wurde, war nicht mehr als ein winziger Schönheitsfehler an einem denkwürdigen WM-Abend, an dem aus einem Prügelknaben wieder einmal ein Stehaufmännchen wurde.
"Es ist echt ein megageiles Gefühl", sagte der alte und neue Skisprung-Vizeweltmeister, der sich nur dem norwegischen Lokalmatador Marius Lindvik geschlagen geben musste, mit einem Lächeln im Eurosport-Interview.
Wellingers Silbermedaille war bereits das dritte Edelmetall für den DSV im dritten Springen. Zuvor hatten die deutschen Frauen Silber von Selina Freitag und Bronze im Team vorgelegt. Nun wurden auch die Skisprung-Männer, die seit der Vierschanzentournee Woche für Woche tiefer abgestürzt waren, direkt im ersten Springen erlöst. Dass neben Wellinger auch Karl Geiger als Vierter ein absolutes Top-Ergebnis einfuhr, machte den Coup umso beeindruckender.
Der Turnaround der DSV-Adler, der nach einem historischen Tiefpunkt vor zwei Wochen in Sapporo fast märchenhaft daherkommt, ist für Eurosport-Experte Martin Schmitt jedoch kein Zufall, sondern der Lohn harter Arbeit.
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Die Entscheidung von der Normalschanze: Wellinger holt Silber
Quelle: Eurosport
Wellinger und Geiger auf den Punkt genau in WM-Form
"Andi (Wellinger, Anm. d. Red.) ist in den letzten Wochen schon besser gesprungen, aber dafür nicht belohnt worden. Man hat schon gesehen, dass sie nach der Vierschanzentournee viel Arbeit reingesteckt haben", sagte der 47 Jahre alte Ex-Profi in seiner großen Analyse.
Die Trainingsphase im Vorfeld der WM habe das DSV-Team für eine gezielte Vorbereitung genutzt, die Früchte trug. "Man hat es am ganzen Team gesehen", sagte Schmitt: "Auch körperlich."
Es ist nicht das erste Mal, dass Bundestrainer Stefan Horngacher sein Team pünktlich zur WM aus einem Formloch holen konnte. Auch 2021 und 2023 waren die deutschen Skispringer wahrlich nicht in Bestform. Doch dann kamen Oberstdorf und Planica. Die kleine Schanze. Geiger, der 2021 Silber holte, und Wellinger, dem dies zwei Jahre später gelang. In Trondheim wiederholte sich nun die Geschichte. Der Startschuss für weitere Heldentaten?
"So etwas haben wir uns erträumt, aber nicht damit gerechnet", sagte Horngacher: "Wir hatten extrem schwierige Wochen, haben uns aber nie unterkriegen lassen."
Wellinger in Trondheim die personifizierte Konstanz
Was Wellinger im hochklassigen Skisprung-Krimi am Sonntagabend außerdem zugutekam, war die Konstanz der vergangenen Tage.
Sowohl in den drei Trainingssprüngen am Freitag, in der Qualifikation am Samstag als auch im Probedurchgang wusste der 29-Jährige zu überzeugen. "Er war nie außerhalb der Top vier. Das zeigt seine Stabilität", lobte Schmitt: "Das hat ihm natürlich jetzt auch in der Wettkampf- und Drucksituation geholfen."
Das sah auch Wellinger so: "Ich habe es vom ersten Trainingssprung an geschafft, dass ich Druck an die Kante bringe, dass ich Leichtigkeit reinbringe, nachdem ich wirklich zwei Monate gesucht habe", sagte der Olympiasieger von 2018 bei Eurosport: "Jetzt merke ich: Der Körper wird leicht und der Sprung effektiver. Mir ist es jetzt auch gelungen, das im Wettkampf umzusetzen."
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Wellinger mit WM-Silber happy: "Ein megageiles Gefühl"
Quelle: Eurosport
Wettkampf von der Normalschanze wird zur Weitenjagd
Auch, dass die Entscheidung auf der Normalschanze bei "vier, fünf Meter über Hillsize entschieden" wurde, kam Wellinger entgegen. Gerade im ersten Durchgang ließen die Coaches die Athleten trotz teilweise bester Windbedingungen aus höheren Luken springen. Das Ergebnis: Sprünge um die 105 Meter am Fließband. Weltmeister Lindvik setzte der Weitenjagd mit einem Schanzenrekord von 108 Metern die Krone auf.
Nicht allen gelang es jedoch wie Wellinger, die Sprünge auch sauber zu Ende zu bringen.
"Andi konnte sich darauf verlassen, dass er gut landet. Er weiß, er kann Telemark und hat das zweimal exzellent gezeigt", so Schmitt. Auch bei 106,5 Metern im ersten Versuch zeigte der Deutsche keinen Wackler: "Er ist volles Risiko gegangen und wurde dafür belohnt."
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108 Meter! Lindvik springt Schanzenrekord in Trondheim
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"Ich habe sehr viel richtig gemacht, nahezu alles", befand auch Wellinger: "Es war leider einfach einer besser, aber es ist trotzdem Silber gewonnen mit einem extrem geilen Tag und einer super Performance." Und mit den Erfahrungen der vergangenen Wochen im Hinterkopf glänzt die Silbermedaille auch mindestens ein bisschen golden.
Nun könnte Wellinger vor einer großen WM stehen. In Trondheim wird er noch in allen drei Wettbewerben von der Großschanze zum Einsatz kommen - zunächst am Mittwoch im Mixed mit großer Medaillenchance.
Schmitt schwärmt von Geiger
Mindestens genauso beeindruckt wie von Wellinger, zeigte sich Schmitt von Geiger. Dessen Versuche auf 105,5 und 102 Meter seien fast "noch größer" einzuordnen als die des Vize-Weltmeisters.
"Er hat ja nicht so gut angefangen im Training wie Wellinger, sondern musste sich die Schanze erst erarbeiten", so Schmitt, der in seiner Karriere insgesamt zehn WM-Medaillen sammeln konnte: "Das hat er in einer wahnsinnigen Art und Weise gemacht."
In diesem Moment habe sich einmal mehr der "Wettkampf-Karl, der Competition-Karl" gezeigt: "Unglaublich, wie er die Sachen auf den Punkt kriegt."
Zwar blieb am Ende nur Blech, aber Geiger könne sich "nichts vorwerfen. Drei waren einfach ein Stückchen besser. Manchmal hat man es eben nicht selbst in der Hand, ob man noch aufs Podest springt, oder Vierter wird."
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(mit SID)
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Geiger nach Platz vier: "Es ist schade, aber ..."
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