Snooker-WM 2020: Trump hat den theoretisch leichteren Weg als O'Sullivan

Ronnie O'Sullivan trifft in der ersten WM-Runde auf den Thailänder Thepchaiya Un-Nooh. Damit spielen die beiden schnellsten Spieler direkt zum Auftakt gegeneinander. Judd Trump bekommt es mit Tom Ford zu tun. Auch sonst scheint Trump den leichteren Weg in Richtung Finale erwischt zu haben, findet Eurosport-Kommentator Rolf Kalb in seinem WM-Check nach der Auslosung. Doch es bleiben Fragezeichen.

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Bitte anschnallen: Bei der WM treffen in der ersten Runde mit Ronnie O’Sullivan und Thepchaiya Un-Nooh die beiden schnellsten Spieler aufeinander. Es besteht also akute Schwindelgefahr. Am Sonntagnachmittag bestreiten die beiden ihre erste Session, am Montagmorgen dann die entscheidende zweite. Natürlich geht Ronnie O’Sullivan als Favorit in dieses Match. Fragezeichen bleiben aber.
Wie Ronnie O'Sullivans Form ist, weiß nämlich niemand, wahrscheinlich auch Ronnie nicht. Bei der Championship League hat er nicht unbedingt überzeugt. Aber bei der WM werden jetzt ja deutlich längere Distanzen gespielt; das dürfte ihm eher liegen. Die Tatsache, dass auch Publikum im Crucible Theatre ist, ist ebenfalls ein Faktor; Ronnie ist darüber wahrscheinlich nicht begeistert.
Thepchaiya Un-Nooh ist also nicht chancenlos, zumal er den Rückenwind von der erfolgreichen Qualifikation hat. Er darf sich nur nicht durch den Namen seines Gegners beeindrucken lassen. Wobei: Der Thailänder ist zum dritten Mal im Crucible dabei, und jedes Mal hat er einen dicken Brocken erwischt: erst John Higgins, dann Judd Trump und jetzt O’Sullivan.
Insgesamt ist die untere Hälfte im Draw sicherlich stärker besetzt. Neben O’Sullivan gehören da auch Neil Robertson, Mark Selby und Shaun Murphy zum engen Favoritenkreis. Masters-Champion Stuart Bingham und UK-Champion Ding Junhui sind ebenfalls nicht chancenlos. Mark Williams habe ich in diesem Jahr allerdings nicht auf dem Zettel (das hatte ich aber 2018 auch nicht). Das spielt natürlich Titelverteidiger Judd Trump in die Karten.

Trumps Weg ins Finale ist theoretisch leichter

Trumps Weg zum Titel wäre zumindest auf dem Papier in jedem Fall leichter. Zum Auftakt trifft er auf Tom Ford. Lässt sich der Weltranglisten-Erste nicht gerade auf dem falschen Fuß erwischen, weil er noch nicht im Rhythmus ist, dann sollte das eine machbare Aufgabe für ihn sein. Der offensive Stil von Ford sollte Trump auf jeden Fall liegen. In der zweiten Runde könnte dann Yan Bingtao auf Trump warten. Eigentlich sollte das Halbfinale für Trump auf jeden Fall machbar sein.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob Yan Bingtao wirklich der Gegner von Trump im Achtelfinale wäre. Der Chinese hat mit Elliot Slessor zwar einen WM-Neuling als Gegner in der ersten Runde, aber er selber ist ja auch erst zum zweiten Mal dabei. Bisher wartet Yan noch auf einen Sieg im Crucible Theatre.

Ursenbacher muss gegen "Mr. Konstanz" Barry Hawkins ran

Alexander Ursenbacher feiert sein Crucible-Debüt gegen Barry Hawkins. Am Dienstag und Mittwoch spielen die beiden. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein gutes Los für den Schweizer ist oder nicht. Hawkins kann ja das Crucible. Schließlich war er dort über viele Jahre Mister Konstanz in Person; immer unter dem Radar, aber immer auch erfolgreich.
In dieser Saison allerdings wirkte Hawkins streckenweise ausgelaugt und angeschlagen. Er hat selber eingestanden, dass ihm die Lust auf Snooker abhanden gekommen ist. Da ist entscheidend, wie die lange Phase des Lockdowns gewirkt hat. Die kann die Lust ja wieder wachsen lassen. Das hat Martin Gould nach erfolgreicher Qualifikation ja auch gesagt. Gould trifft übrigens in der ersten Runde auf Stephen Maguire, den Sieger der Tour Championship; auch ein sehr reizvolles Duell.

Anthony Hamilton: Erstmals seit zwölf Jahren wieder im Crucible Theatre

Nicht ganz glücklich dürfte Kyren Wilson mit seiner Auslosung sein. Anthony Hamilton als Erstrundengegner ist ein unangenehmes Los. Da treffen ganz unterschiedliche Stile aufeinander. Zumal Hamilton unter keinem Druck steht. Der wird einfach seine Crucible-Rückkehr nach zwölf Jahren genießen. Reizvoll finde ich auch die beiden Veteranen-Duelle. Auf Mark Williams gegen Alan McManus und John Higgins gegen Matthew Stevens freue ich mich. Da wird Crucible-Geschichte lebendig.
Wie immer gilt, dass ein solcher Ausblick wie hier nur eine begrenze Haltbarkeit hat. Die Dynamik, die sich im Laufe der WM entwickelt, kann schließlich niemand vorhersehen. Aber gerade deshalb ist eine Weltmeisterschaft mit ihren langen Distanzen ja auch immer so reizvoll und spannend. Ich freue mich auf jeden Fall riesig auf den 17-Tage-Marathon.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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