Titelverteidiger ist Yan Bingtao. Zu den Top-Favoriten zähle ich ihn aber nicht. Natürlich hat er sich nach seinem Vorjahrestriumph weiter verbessert, aber große Schritte sehe ich da nicht. Außerdem war im Vorjahr der Druck ohne Publikum nicht so groß, wie er in diesem Jahr wieder sein wird. Das ist noch einmal eine andere Marke.
Hinzu kommt, dass ihm Mark Williams in der ersten Runde schon das Leben sehr schwer machen wird, wenn er denn fit ist. Der Waliser liebt das Format und die Atmosphäre. In solchen Situationen blüht er förmlich auf und kann natürlich auch seine große Erfahrung in die Waagschale werfen.
Bei Mark Selby bin ich mir nicht so sicher. Klar: Selby war der Letzte vor Yan, der das Masters als Debütant gewinnen konnte. Er liebt dieses Turnier. Aber seine Saison war bisher durchwachsen. In der Championship League hat er noch einmal an seiner Form gefeilt. Aber ob das in der ersten Runde gegen einen harten Brocken wie Stephen Maguire reicht, bleibt abzuwarten. Maguire ist ein großer Kämpfer und sicher auch bereit, eine taktische Schlacht gegen Selby durchzustehen.
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Judd Trump hat in dieser Saison mit dem Champion of Champions zwar schon einen großen Titel geholt, aber ansonsten war seine Saison bisher für seine Verhältnisse eher verhalten. Auch in der Championship League hat er sich nicht mit Ruhm bekleckert, obwohl die natürlich nicht mit dem Masters vergleichbar ist. Aber natürlich ist klar, dass er jederzeit auch wieder durchstarten kann. Viele zweifeln ja mittlerweile an, ob er aus dem richtigen Holz für die Triple Crown Events geschnitzt ist. Diese Kritiker wird er in die Schranken weisen wollen.

Kniffliges Auftaktmatch für Trump - O'Sullivan erneut im engen Favoritenkreis

Für Trump wird viel davon abhängen, wie er in das Turnier startet. Sein Auftakt-Duell gegen Mark Allen ist für mich eines der herausragenden Matches der ersten Runde. Das kann ein Feuerwerk werden. Der Nordire hat mit seinem Triumph bei seinem Heim-Turnier gezeigt, dass er mit Druck umgehen kann. Inwieweit er den Kopf allerdings frei hat, das kann ich von außen nicht beurteilen.
Bei Ronnie O’Sullivan hätte es gar nicht seines Triumphes beim World Grand Prix gebraucht. Auch ohne wäre klar: Er gehört im Ally Pally zum engsten Favoritenkreis. Nicht umsonst ist er der Rekord-Champion. Er liebt diese Atmosphäre und blüht da förmlich auf. Ich erwarte nicht, dass Jack Lisowski ihm in der ersten Runde ernsthafte Probleme bereitet.
Gespannt bin ich auf das Duell zwischen Shaun Murphy und Barry Hawkins. Hawkins ist sehr konstant; der fällt nie unter ein gewisses Niveau. Murphy dagegen spielt derzeit mal hui, mal pfui. Aber er blüht auch so richtig auf, wenn auf den Rängen Stimmung herrscht. Genau so ist er ja bei der WM ins Finale gestürmt.

Ronnie O'Sullivan

Fotocredit: Eurosport

Masters: Wilson gegen Bingham verspricht Spannung

Ähnlich offen ist das Duell zwischen Kyren Wilson und Stuart Bingham. Wilson weiß natürlich, dass er erst zu den Großen gehört, wenn er das auch bei den großen Turnieren beweist. Das Masters wäre eine ideale Gelegenheit dafür.
In der Championship League hat er gute Form gezeigt und in der Gruppenphase Bingham geschlagen. Im Finale der Gruppe vier revanchierte Bingham sich dann aber und gewann mit 3:2.
Spannend dürfte es auch im Duell zwischen Neil Robertson und Anthony McGill werden. Spielerisch liegen die Vorteile sicher aufseiten des Australiers, aber mit seiner Matchhärte kann McGill da durchaus dagegen halten.

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Zhao Xintong als Geheimfavorit

Geheimfavorit ist für mich der einzige Debütant im Feld: Zhao Xintong. Der hat den Willen und den Ehrgeiz. Der weiß auch, wie es geht. Und: Spätestens seit seinem überraschenden Triumph bei der UK Championship weiß der auch, dass er es kann. Nur: Mit John Higgins als Auftakt-Gegner hätte es kaum schwerer kommen können. Auch wenn das Masters nicht gerade die größte Erfolgsstory in der Karriere des Schotten ist: Er hat das Spiel und die Erfahrung, um im Ally Pally einmal mehr Ausrufezeichen zu setzen.
Lassen wir uns also überraschen. Wie immer wird das Masters auch 2022 wieder seine eigenen Geschichten schreiben. Ach ja, eines noch: Bitte erinnern Sie mich nach dem Masters nicht mehr an diese Vorschau …
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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