Das Jahr 2021 ist eine Zäsur in der Karriere von Alexander Zverev. Fünf Titel hat er bislang gewonnen und damit seinen Topwert aus der Saison 2017 eingestellt. Spielerisch und taktisch aber bewegt sich der Hamburger auf einem anderen Niveau. "Sascha hat seine Weltklasseleistung jetzt etabliert", lobt Boris Becker exklusiv bei Eurosport.
Das zeigte sich auch in der vergangenen Woche. Zverev gewann das ATP-Event von Wien und demonstrierte im Halbfinale gegen Spaniens Supertalent Carlos Alcaraz sowie im Endspiel gegen Frances Tiafoe seine Klasse. Beide Herausforderer waren Außenseiter gegen den Weltranglistenvierten, riefen aber ihr bestes Tennis ab. Was Zverev früher häufig nervös machte, ließ ihn in der Stadthalle kalt.
Der Olympiasieger wusste, dass er sich auf seinen Aufschlag verlassen kann und auch insgesamt der bessere Spieler ist. Dieses Selbstverständnis strahlte er aus.
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Die Folge: Weder Alcaraz noch Tiafoe holten trotz couragierter Vorstellungen einen Satz gegen Zverev. Der belohnte sich mit 500 Ranglistenpunkten. Reichte zwar nicht, um sich zu verbessern, der Rückstand auf den Drittplatzierten, Stefanos Tsitsipas aus Griechenland, ist aber auf 660 Zähler geschmolzen.

Becker: "Zverev muss mehr Punkte und Turniere gewinnen"

Branchenprimus Novak Djokovic (10340) kann er in dieser Spielzeit nicht mehr gefährden, die Basis für eine Aufholjagd aber legen. "Er muss in der Hallensaison mehr Punkte und Turniere gewinnen, um in die beste Position zu kommen, in der Saison 2022 voll auf die Eins gehen zu können", unterstreicht Becker.
In dieser Saison hat er dazu noch beim Masters von Paris, dem 250er-Event in Stockholm und den ATP Finals von Turin Gelegenheit.

Becker fordert: Zverev muss sich für Platz eins in Position bringen

Was Zverev entgegenkommt: Seit August kehrt die Berechnung der Weltrangliste Schritt für Schritt in den alten Modus zurück, der vor Beginn der Corona-Pandemie galt. Heißt: Die Vorjahresergebnisse bei einem Turnier werden gestrichen, die aktuellen hinzugenommen.
Djokovic etwa muss als amtierender Champion bei den Australian Open im Januar satte 2000 Punkte verteidigen. Noch härter wird es für Daniil Medvedev. Der Russe hat noch in diesem Herbst als Sieger des Masters von Paris-Bercy und Gewinner der ATP Finals 2500 Punkte zu bestätigen.

Zverev: "Zwei massive Wochen vor mir"

Für Zverev hängt ebenfalls viel vom Abschneiden in Paris ab, wo er im Vorjahr als Endspielteilnehmer 600 Punkte holte. Bei den ATP Finals schied er allerdings mit 200 Zählern und nur einem Sieg in der Gruppenphase aus - was die Chance bietet, in diesem Jahr kräftig Boden gutzumachen. "Die Olympischen Spiele haben mir viel Selbstvertrauen gegeben und ich habe den Glauben, um jeden Titel mitspielen zu können", sagt Zverev. Er wisse aber, dass er in Paris "zwei weitere massive Wochen" vor sich habe.

Highlights: So machte Zverev Karrieretitel Nummer 18 perfekt

Das gilt auch für die Rivalen, denn Djokovic könnte den Platz an der Sonne durchaus noch in dieser Spielzeit an Medvedev verlieren, die beiden US-Open-Finalisten trennen nur 800 Punkte. Der Serbe ist auf der Hut, zumal es um einen Rekord geht. Behält er Platz eins, schließt er zum siebten Mal ein Jahr an der Spitze seines Sports ab - und würde damit Pete Sampras übertreffen, dem dies sechs Mal gelang.
Es wäre ein Erfolg mit Signalwirkung, auch in der ewigen Debatte um den sogenannten GOAT, den größten Spieler aller Zeiten. "Für Novak ist das wichtig. Ich glaube nicht, dass wir irgendwann zusammenzählen, wie viele Wochen Federer, Nadal und Djokovic auf Platz eins im Ranking sondern wie oft sie ein Jahr an der Spitze abgeschlossen haben", erklärt Ex-Profi Àlex Corretja im Exklusiv-Interview mit Eurosport.

Becker: "Wie nahe kommen die anderen an Djokovic heran?

Die entscheidende Frage für den Kampf um die Pole Position im nächsten Jahr, so Becker, sei nun: "Wie nahe kommen die anderen Spieler jetzt noch an Djokovic heran?"
Zverev muss nach derzeitigem Stand 3160 Punkte auf die Nummer eins der Welt aufholen. Eigentlich eine Herkulesaufgabe, ob der aktuellen Situation im Ranking mittelfristig aber machbar. Soll der neue Weltranglistenerste nach den Australian Open aber tatsächlich Alexander Zverev heißen, dann muss schon alles perfekt laufen.
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