Alexander Zverev: Warum die kommenden Wochen eine spezielle Herausforderung werden
Alexander Zverev erlebt derzeit, wie lang und steinig der Weg zurück in die Weltspitze ist. 17 Matches hat der 25-Jährige seit dem offziellen Comeback beim United Cup im Januar gespielt, neun davon verloren. Auf Lichtblicke beim Masters in Indian Wells folgte die Pleite von Miami. Unerwartet kommen die Probleme nicht, Zverev braucht im April aber gute Nerven, auch um Ängste in Schach zu halten.
Zverev scheitert an Nummer 97 der Welt - die besten Szenen
Quelle: SNTV
"Sobald wir auf den Platz gehen, ziehen wir eine Maske auf." Der Satz stammt von Alexander Zverev. Tatsächlich ist es oft schwer, den Olympiasieger zu lesen, ob nach Siegen oder Niederlagen.
Umso bemerkenswerter ist eine Aussage, mit der er in der "RTL"-Dokumentation "Zverev - Der Unvollendete" aufhorchen ließ. Er habe "so viel Angst gehabt, dass es für mich auf dem Niveau vorbei ist", sagte der Tennisstar und bezog sich damit auf seine Operation im vergangenen Jahr.
Der Eingriff war nötig geworden, nachdem sich Zverev im Halbfinale der French Open im Juni drei Außenbänder im rechten Sprunggelenk gerissen hatte.
Die Verletzung stellte das Leben des Hamburgers komplett auf den Kopf. War es bis dahin auf bestem Wege zur Nummer eins der Welt und zum ersten Grand-Slam-Titel der Laufbahn, musste er stattdessen mehr als ein halbes Jahr lang zuschauen, wie Rafael Nadal, Novak Djokovic oder Shootingstar Carlos Alcaraz die großen Turniere dominierten.
Zverev: "Oberschenkel existieren nicht mehr"
Zverev quälte sich unterdessen in der Reha. "Ich war immer sehr, sehr stolz auf meine Oberschenkel. Die existieren jetzt nicht mehr", gab er während dieser Zeit unumwunden zu.
Die Angst, es nicht mehr auf das höchste Level seines Sports zu schaffen, konnte Zverev sich bis jetzt nicht nehmen, zumindest nicht im Hinblick auf die Ergebnisse seit dem Comeback. Bei den Australian Open unterlag er in Runde zwei dem Weltranglisten-103. Michael Mmoh, bei den Events in Rotterdam und Doha gewann er nur ein Match.
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Zverev und Medvedev liefern sich packenden Fight beim Masters
Quelle: Perform
Dass Bruder Mischa Zverev exklusiv bei Eurosport.de zur Einschätzung kommt, dass "Sascha sein Topniveau schon abrufen" kann, liegt an dessen Auftritten in Dubai und Indian Wells. Im arabischen Emirat war erst im Halbfinale gegen Andrey Rublev Endstation, beim Masters in Kalifornien lieferte er Daniil Medvedev im Achtelfinale einen Riesenfight.
Harte Landung für Zverev in Miami
Zverev war phasenweise wieder Zverev. "Jetzt muss er nur noch daran arbeiten, dass er diese Leistung permanent abrufen kann", bilanzierte Bruder Mischa. Dann aber kam Miami und ein Auftaktmatch zum Vergessen. 0:6, 4:6 gegen den Japaner Taro Daniel, der als Nummer 97 im Ranking gerade noch so zu den Top 100 gehört.
Der Aufschlag, sonst eine der schärfsten Waffen, blieb stumpf - sowohl über den ersten (59 %) als auch den zweiten (41 %) war die Punktquote niedrig. Beim Return entwickelte Zverev keinen Druck und kam in der gesamten Partie zu keiner Breakchance.
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Zverev verrät: "Miami ist meine absolute Lieblingsstadt"
Quelle: Perform
Beim Matchball für Daniel ging er mit der beidseitigen Rückhand zwar voll "durch den Ball", die Filzkugel aber landete im Aus. Das unglückliche Masters von Miami endete für Zverev fast schon folgerichtig mit einem sogenannten unforced error.
Becker exklusiv: Darum braucht Zverev so viel Geduld
Trotz allem ist man sich im Zverev-Lager sicher, dass die Richtung stimmt. Es gebe "keine große Baustelle", beschwichtigte der Bruder. "Die Straße oder das Gebäude ist fertig, wenn wir bei der Thematik bleiben." Im Bereich der Fitness könne der Weltranglisten-15. indes noch besser werden.
Die Schwierigkeiten beim zweifachen ATP-Finals-Champion sind in der Tat nicht verwunderlich, dass Comeback ist schließlich erst drei Monate her. "Sascha war sieben Monate verletzt, also wird es wieder sieben dauern, bis er dort ist, wo er letztendlich vor 14 Monaten war", zitierte Boris Becker bei Eurosport eine alte Tennis-Faustregel.
Im Fall Zverev würde das bedeuten, dass erst auf den Hartplatz-Turnieren der US-Serie wieder voll mit ihm zu rechnen ist.
Zverevs Rückkehr auf Sand - eine besondere Herausforderung
Nichtsdestotrotz bergen die kommenden zwei Monate eine besondere Herausforderung. Der Grund: Es geht zurück auf Sand, jenen Belag, auf dem er sich am 3. Juni 2022 die schwere Verletzung zuzog. Ob Zverev beim typischen Sliden beziehungsweise Rutschen schon wieder volles Vertrauen in den Körper hat, wird sich zeigen.
"Die Frage ist: Was passiert auf Sand? Dort hat er sein bestes Tennis gespielt. Wann traut er sich, da wieder voll reinzugehen, die Bewegungen auszuführen?", gab auch Eurosport-Expertin Barbara Rittner zu bedenken.
Andererseits blickt der Olympiasieger auf große Erfolge auf dem roten Geläuf zurück. 2017 gewann er auf Sand in Rom den ersten Masters-Titel seiner Karriere, beim Masters-Wettbewerb von Madrid triumphierte er sogar schon zweimal (2018, 2021).
Monte-Carlo und München im Fokus
Beim 250er-Event in München verteidigte er beim Heimspiel in der Saison 2018 seinen Titel aus dem Vorjahr. Auf der Anlage am Aumeisterweg ist der 25-Jährige ab Mitte April erneut der Publikumsmagnet.
Das Turnier ist ab dem Viertelfinale bereits ausverkauft. München und die Fangunst könnten für Zverev zum "Durchlauferhitzer" auf dem Weg nach oben werden.
Im Idealfall bringt er dazu Rückenwind aus seiner Wahlheimat Monaco mit. Dort steigt nämlich in der Woche zuvor das Masters von Monte-Carlo. Die Zielstellung ist zurückhaltend. Wichtig sei in erster Linie, "dass Sascha sich ständig verbessert", betonte Mischa Zverev unlängst. Das sei der Fall. Klar ist aber, dass der jüngere Bruder diese Verbesserungen auch auf der Ergebnistafel sehen möchte ...
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