ATP Finals Turin - Novak Djokovic und die neue Fan-Liebe: Diese eine Frage bleibt
Novak Djokovic hat am Montag mit einem 7:6 (7:4), 6:2-Erfolg gegen den Norweger Casper Ruud einen perfekten Start in die ATP Finals in Turin hingelegt. Doch fast noch bemerkenswerter war im Anschluss sein Auftritt im On-Court-Interview auf Italienisch, das bei den Tifosi für große Begeisterung sorgte. Es machte erneut deutlich: Djokovic geht es um mehr als nur um Titel und Rekorde.
Novak Djokovic (ATP Finals 2021)
Fotocredit: Getty Images
Soeben hatte Novak Djokovic sein Auftaktmatch bei den ATP Finals in Turin gegen den Norweger Casper Ruud 7:6 (7:4), 6:2 gewonnen, da hatte der Serbe gleich noch einen Grund zur Freude. Nach der Partie wurde der 34-Jährige von der ATP dafür geehrt, dass er bereits zum siebten Mal das Tennis-Jahr als Nummer eins der Welt abschließen wird, womit Djokovic die bisherige Bestmarke von Pete Sampras überbietet und einen weiteren Rekord aufstellt.
"Das erste Tennisbild, an das ich mich erinnere, ist das von Pete Sampras. Ich habe meinen Vater sofort gebeten, mir einen Schläger zu kaufen. Ich träumte davon, ihn eines Tages zu treffen. Und jetzt habe ich seine Rekordzahl an Saisons mit der Nummer eins übertroffen, obwohl ich mich nie als Konkurrent von ihm fühlte - er hat mich immer unterstützt", so Djokovic nach der Ehrung im On-Court-Interview, in dem er zudem erklärte, dass er hoffe, "noch ein paar Jahre" spielen zu können.
Viel bemerkenswerter als das, was er sagte, war aber, wie es der Serbe tat: Denn er hielt seine Rede in fließendem Italienisch.
Natürlich sehr zur Freude der tausenden italienischen Zuschauer im Pala Alpitour von Turin, bei denen Djokovics italienische Worte für Begeisterung sorgten.
Und die Sympathien für den Serben wurden noch hörbarer, als er angesprochen auf das Drama um Matteo Berrettini am Sonntag in der Partie gegen Alexander Zverev auf italienisch antwortete: "Es tut mir leid, was gestern mit Matteo passiert ist. Italien ist meine zweite Heimat. Ich habe hier als Kind gespielt, ich habe mit Riccardo Piatti gearbeitet und mein Italienisch ist nicht schlecht, es wird jedes Jahr besser. Ich habe so viele Italiener in meinem Team, dass ich Serbisch und Englisch vergessen habe."
Djokovic kämpft nicht nur um Titel, sondern auch um Anerkennung
Djokovic könnte in dieser Woche bei den ATP Finals, die in diesem Jahr erstmals in Italien ausgetragen werden, seinen sechsten Titel erringen und so mit dem bisherigen Rekordhalter Roger Federer gleichziehen.
Es wäre sein nächstes sportliches Ausrufezeichen in der Debatte um den "größten Tennisspieler aller Zeiten", nachdem der Serbe in diesem Jahr durch seine Triumphe in Melbourne, Paris und Wimbledon bereits bei den Grand-Slam-Titeln mit Roger Federer und Rafael Nadal (alle jeweils 20) gleichzog und mit nun 37 Masters-Titeln auch in dieser Rangliste Rekordhalter ist.
Doch Djokovic geht es nicht bloß um Titel und Rekorde. Ihm geht es vor allem um Anerkennung bei den Fans. Denn trotz seiner Rekorde hinkt er in der Beliebtheitsskala Federer und Nadal weiter hinterher. Aus seinem Ärger darüber machte Djokovic nie einen Hehl.
Wie wichtig ihm diese Anerkennung ist, zeigte sich insbesondere beim US-Open-Finale im September in New York. "Ich habe diese Unterstützung, die Energie und Liebe der Fans so nicht erwartet. Daran werde ich mich immer erinnern", sagte ein sichtlich emotionaler Djokovic nach dem Endspiel gegen Daniil Medvedev.
Djokovic eckt außerhalb des Platzes immer wieder an
Dabei hätte er eigentlich allen Grund zur Enttäuschung gehabt, schließlich hatte er in drei Sätzen gegen den Russen verloren und somit die historische Chance auf den Kalender-Grand-Slam verpasst. Doch zumindest nach außen hin überlagerte die Freude über die Unterstützung die sportliche Enttäuschung.
Es schien, als wäre der 20-malige Grand-Slam-Champion seinem Ziel, auch in der Beliebtheitsskala zu Nadal und Federer aufzuschließen, näher gekommen.
Im Finale beim Masters in Paris-Bercy vor einer Woche schallten, ob Djokovics überragender Leistung gegen einen ebenfalls glänzenden Medvedev, immer wieder "Nole, Nole"-Rufe durch die Arena. Nun also in Turin die beeindruckende Rede auf italienisch, derer in den kommenden Tagen womöglich noch weitere Siegerinterviews in der Sprache der Tifosi folgen werden. Ist Djokovic also nicht nur sportlich auf der Überholspur?
Bei manchen Fans mag dies so sein, die Großschar dürfte ihm aber weiter kritisch gegenüberstehen. Denn so sportlich beeindruckend er sich präsentiert, so diskutabel präsentiert und vor allem äußert er sich außerhalb des Tennisplatzes. Zuletzt holte er gleich zweimal in serbischen Medien zu einer ausführlichen Medienschelte aus und warf der Presse "Propaganda" vor.
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Casper Ruud und Novak Djokovic (r.) nach ihrem Duell bei den ATP Finals in Turin
Fotocredit: Getty Images
Djokovic und Corona: Was wird aus seinem Australian-Open-Start?
Das deutlich größere Reizthema sind aber seine Positionen beim Thema Corona. Djokovic gilt als Impfskeptiker. Um seinen Impfstatus machte er bisher ein großes Geheimnis.
Auch die Entscheidung der australischen Behörden, dass an den Australian Open im Januar nur geimpfte Sportler und Sportlerinnen teilnehmen dürfen, brachte diesbezüglich keine Klarheit. Stattdessen kokettierte Djokovic Ende Oktober öffentlich mit einem Startverzicht: "Ich weiß nicht, ob ich nach Australien fliegen werde."
Und während Nadal vor wenigen Tagen öffentlich Impfgegner kritisierte, ist nach wie vor unsicher, ob Australian-Open-Rekordsieger und Titelverteidiger Djokovic im Januar bei seinem Lieblingsturnier in Melbourne an den Start gehen wird.
Sollte er tatsächlich nicht nach Melbourne fliegen, könnten die Sympathiepunkte, die er in den vergangenen Wochen gesammelt hat, schnell wieder flöten gehen.
Da kann er bei den ATP Finals in Turin, bei denen auf ihn Stefanos Tsitsipas und Andrey Rublev als nächste Gruppengegner warten, noch so viele Siege feiern und Interviews in der Landessprache geben.
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Erst holprig, dann souverän: Djokovic schlägt Ruud zum Auftakt
Quelle: SNTV
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