Alexander Zverev trotz Aus im Halbfinale der ATP Finals gegen Taylor Fritz zuversichtlich: Vertraue dem Prozess

Alexander Zverev ist im Halbfinale der ATP Finals von Turin gegen Taylor Fritz ausgeschieden. Im dritten Durchgang war er der etwas bessere, aktivere Spieler. Am Ende jubelte, wieder einmal in diesem Jahr, Fritz. Zverev will dennoch dem Prozess vertrauen, den er nach langer Weigerung endlich angestoßen hat. Mit einem offensiveren Spielstil soll es 2025 endlich mit dem Grand-Slam-Titel klappen.

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Quelle: Perform

Der Gang zu den Medienverpflichtungen nach langen, kräftezehrenden Matches, er gehört nicht zu den ganz großen Vorlieben von Alexander Zverev. Umso weniger, wenn sie auf verlorene Spiele folgen, wie das knapp verlorene Halbfinale gegen Fritz (3:6, 6:3, 6:7).
Der 27-Jährige ist zu ehrgeizig, zu verbissen, zu ambitioniert und steckt vor allem viel zu viel Arbeit in sein Leben als Tennisprofi, als dass er die Frustration einfach wegschnipsen könnte. Und so ließ sich Zverev lange Zeit, bis er mit gesenktem Kopf die Katakomben entlang schlurfte in Richtung Pressekonferenzraum.
Das Match, 2:22 Stunden lang, hatte mental und physisch Kraft gekostet. Die Augen wirkten leer, Zverev war blass. Anders als in früheren Jahren ließ sich Zverev aber zu fast keinen negativen oder gar herablassenden Antworten hinreißen.
Dafür gab es zu viele positive Ansätze beim Deutschen. Der wirkte zwar nicht so energetisch wie tags zuvor beim Sieg gegen Carlos Alcaraz und gab das auch offen zu.
Gegen Fritz kämpfte er sich nach Satzrückstand zurück und war im dritten, mehr als eine Stunde andauernden Durchgang lange Zeit der bessere Spieler. Das lag vor allem daran, dass er den endlich angeschobenen Prozessen vertraute – und sich auch in stressigen Momenten nicht davon abbringen ließ.

Zverev agiert endlich offensiver

Zverev, das haben in den vergangenen Jahren schon so ziemlich alle Tennisexperten der Welt behauptet, muss entgegen seinem Naturell offensiver spielen, näher an der Grundlinie stehen, Winner auch mit der Vorhand schlagen und vor allem ans Netz aufrücken.
In großen Matches, beispielsweise im Australian-Open-Halbfinale gegen Daniil Medvedev im Januar, zeigte er oft exakt gegenteilige Tendenzen - er stand weit hinter der Gundlinie, war passiv, ließ sich das Spiel des Gegners aufdrücken. Es ist nicht genau überliefert, wann Zverev für sich selbst entschieden hat, dass die Kritik etwas Substanz haben könnte. Vielleicht war es der Kommentar von Roger Federer am Rande des Laver Cups, der Zverev genug motivierte, um seine spielerischen Fesseln loszulassen.
Im vergangenen Monat war eine Entwicklung zu sehen. In der Finals-Woche generell und im Halbfinale im speziellen, kämpfte Zverev gegen die alten Muster an und brach sie auf. Bis zum Halbfinale gegen Fritz hatte er das beste statistische Offensivrating aller acht Turnierteilnehmer – mit der Vorhand wohlgemerkt.

Zverev lässt sich nicht ablenken

Obwohl die gegen Fritz zu Beginn nicht so gut funktionierte wie zuvor und Zverev ein paar typische fragende Blicke in Richtung seiner Box warf, ließ sich der Olympiasieger von 2021 nicht grundsätzlich von seinem Spielplan ablenken.
Mit einem Vorhand-Cross-Passierschlag breakte Zverev Fritz im zweiten Durchgang und schrie die Erleichterung in Richtung seines Teams heraus.
Noch wichtiger: Im dritten Satz ließ er sich nur selten von der Grundlinie wegdrängen, suchte den Weg ans Netz. Manchmal, so machte es den Anschein, wich er unterbewusst zurück. Nur um dann wieder offensiver zu agieren.
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Quelle: Perform

Fritz muss in Satz drei deutlich mehr arbeiten

Zverevs Aufschlagspiele wirkten nicht nur deutlich stabiler, sie waren es auch statistisch. Beim Stand von 5:5 hatte Fritz alleine in Durchgang drei 49 Punkte bei eigenem Service spielen müssen; Zverev nur deren 29.
Und wenn der Deutsche einen seiner fünf Breakbälle im dritten Satz genutzt hätte, wäre sein neues Bewusstsein bereits verantwortlich gewesen für einen großen Sieg. Stattdessen schaffte es Fritz in den Tiebreak, den er dann deutlich besser gestaltete als Zverev.
Ein italienischer Journalist konfrontierte den Deutschen anschließend mit einer negativen Tiebreak-Bilanz gegen Top-10-Spieler: Von elf Tiebreaks gegen Top-10-Spieler in den vergangenen 52 Wochen gewann Zverev nur deren drei. Das ist die schlechteste Bilanz aller Topspieler.

Zverev: "Keine Sache von ein paar Tagen"

"Diese Statistik kannte ich nicht und sie interessiert mich gerade auch nicht so wirklich", antwortete Zverev, der sich im deutschen Teil der Presserunde sehr ausführlich mit seiner Entwicklungsstufe auseinandersetzte. Bis zu den entscheidenden Momenten habe er das mit der offensiveren Ausrichtung gut gemacht.
"Als ich drei Breakchancen bei 0:40 hatte, bringt er dreimal sehr gut den ersten Aufschlag", analysierte der Weltranglisten-Zweite. "Ich war immer in der Defensive und hatte keine richtige Chance bei den Breakbällen. Ich habe den Tiebreak nicht gut gespielt und habe ein paar unnötige Fehler gemacht. Ich habe versucht, aggressiv zu spielen, dann sind die Bälle etwas zu lang geflogen vor allem mit der Vorhand." Dann setzte er ab.
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Die Saison von Alexander Zverev ist beendet

Fotocredit: SID

Und setzte neu an: "Wie ich diese Woche schon gesagt habe. Diese Änderungen sind keine Sache von ein paar Tagen oder ein oder zwei Wochen. Es wird ein Prozess sein. Hoffentlich kann ich dann in Australien dieses aggressivere Tennis auch in den ganz wichtigen Momenten bestätigen - ohne die Fehler. Dass ich nicht sofort erfolgreich sein werde in den wichtigsten Momenten, das ist okay."

Zverev schärft die Sinne auf das Wesentliche

Zverev, der in dieser Woche fast jeden Tag nach den Spielen bereits an seinem Plan für 2025 feilte, zog abschließend ein Fazit. Er sei eine Zeitlang nicht sicher gewesen, ob er aufgrund der schweren Knöchelverletzung von 2022 auf ein so hohes Niveau zurückkehren könne, damit er um große Titel mitspielen könne.
"Ich habe in diesem Jahr bestätigt, dass ich das kann", sagte er: "Ich habe keinen Grand-Slam-Titel gewonnen. Es ist kein Geheimnis, dass das mein Hauptziel sein wird in den kommenden sechs, sieben Jahren."
Dann stand er auf und schlurfte immer noch mit gesenktem Kopf aus dem Raum, ging an allen Kamerateams der übertragenden Sender kommentarlos vorbei und verschwand im Spielerbereich, mit dem Kopf wohl schon im Jahr 2025.
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Quelle: Perform


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