Die Erleichterung war Alexander Zverev förmlich anzusehen, als er die vierte Masters-Trophäe seiner Karriere in den Madrider Nachthimmel streckte.
"Es sind drei Jahre vergangen seit meinem letzten Masters-Sieg. Das ist ein unglaubliches Gefühl jetzt gerade. Ich will es einfach nur genießen", strahlte der 24-Jährige auf dem Siegerpodest.
In Zahlen ausgedrückt drei verlorene Masters-Endspiele (Rom 2018, Shanghai 2019, Paris 2020) sowie die dramatische Niederlage im US-Open-Finale gegen Dominic Thiem musste die deutsche Nummer eins seit seinem letzten Triumph 2018 an gleicher Ort und Stelle hinnehmen.
ATP Madrid
Nach Satzrückstand im Finale: Zverev gewinnt Masters in Madrid
09/05/2021 AM 19:26
Entsprechend groß war die Freude bei Zverev, der seiner Box um Vater Alexander Zverev senior sogar eine Champagnerdusche verpasste, nach dem schwer erkämpften 6:7 (8:10), 6:4, 6:3 im Finale gegen Matteo Berrettini.

Zverev im Siegerinterview: So reagiert er auf den Masters-Triumph

Zverev gesteht: "Berrettini hat das Spiel dominiert"

Dabei sah es auch am Sonntagabend lange Zeit danach aus, als würde Zverev erneut an der finalen Hürde scheitern.
Der Italiener war insgesamt der deutlich aktivere Spieler und bestimmte über weite Strecken das Tempo. Zverev ließ dagegen fast gänzlich die Leichtigkeit und Entschlossenheit vermissen, die ihn bei seinen Erfolgen im Viertelfinale gegen Rafael Nadal und in der Vorschlussrunde gegen Thiem noch auszeichnete.
"Es war ein komplett anderes Spiel. Rafa und Dominic sind zwei unglaubliche Sandplatz-Spieler, aber Matteo ist einer, der heute mit 235 km/h aufgeschlagen hat und teilweise beim zweiten Aufschlag auch mit 210 km/h serviert hat. Deswegen war auch der Rhythmus komplett anders", erklärte der frischgebackene Champion im Anschluss bei "Sky" und ergänzte: "Er hat das Spiel dominiert, ich musste mehr reagieren. Es war in dieser Hinsicht nicht einfach."

Zverev gelingt Final-Comeback

Der Hamburger kam zunächst nicht in seinen Flow, haderte mit seiner Vorhand und musste den ersten Satz schließlich nach einem hochdramatischen Tiebreak (8:10) abgeben. Im zweiten Durchgang biss sich Zverev dann aber in die Partie, ehe er im entscheidenden dritten Satz früh ein Break holte (zum 3:2) und im Anschluss den Sieg gegen seinen zunehmend fehleranfälligen Gegner sicher ins Ziel brachte.
Insgesamt standen bei Berrettini 50 Unforced Errors zu Buche - bei 32 Winnern. Zverev, der insgesamt doch das stabilere Gesamtpaket hatte, kam bei 16 Winntern auf 28 unerzwungene Fehler.
"Ich wollte mutig sein. Wenn ich das Match gewinne, dann gewinne ich es und wenn ich es verliere, dann verliere ich es. Das hat am Ende funktioniert", meinte der 24-Jährige.

Alexander Zverev gewinnt Madrid 2021

Fotocredit: Getty Images

Favorit bei den French Open? Zverev winkt ab

Obwohl Zverevs Leistung am Sonntag bei Leibe nicht seine beste in diesem Turnier war, lässt sich festhalten, dass er mittlerweile Spiele und sogar Finals gewinnen kann, ohne sein sogenanntes "A-Game" auf den Court zu bringen. Eben genau das, was sich Zverev bereits seit einiger Zeit auf die Agenda geschrieben hatte.
Der Sandplatz-Konkurrenz wird der insgesamt reife Auftritt gegen Berrettini nicht verborgen geblieben sein. Drei Wochen vor Beginn der French Open in Paris (30. Mai bis 13. Juni live bei Eurosport) befindet sich der Weltranglistensechste in einer bestechenden Form und ist vielleicht sogar erstmals in seiner Karriere bestens gerüstet für ein Grand-Slam-Turnier. Ist Zverev damit der Mann, den es in Paris zu schlagen gilt?
"Rafa (Nadal; Anm. d. Red.) ist nach wie vor der große Favorit in Roland-Garros. Gleich danach kommt Novak (Djokovic; Anm. d. Red.) und die Nummer drei knapp dahinter ist Dominic (Thiem; Anm. d. Red.)", stellte Zverev bereits nach seinem Halbfinalsieg gegen Thiem klar.

2018 als Warnung: Zverev muss sich Kräfte einteilen

Fakt ist, Zverev muss sich im Hinblick auf die French Open vor niemandem verstecken - auch nicht vor Dominator Nadal, den er ja in Madrid besiegt hat. Dennoch dürfte die Vergangenheit als warnendes Beispiel dienen.
Als Zverev nämlich 2018 den Titel in der spanischen Hauptstadt gewann und im Anschluss auch beim ATP-Masters in Rom ins Endspiel vordrang (1:6, 6:1, 3:6 gegen Nadal), war die Erwartungshaltung im Hinblick auf die French Open für die damalige Nummer zwei der Setzliste ähnlich hoch wie in diesem Jahr.
Nach drei kräftezehrenden Fünfsatzmatches musste sich der deutsche Hoffnungsträger damals dann aber Thiem im Viertelfinale glatt geschlagen geben (4:6, 2:6, 1:6). Der US-Open-Finalist würde somit gut daran tun, sich seine Körner in diesem Jahr einzuteilen. Zumal er bereits am Mittwoch bei der French-Open-Generalprobe in Rom wieder ran muss.
Gelingt ihm das, könnte es für Zverev auch in Paris schon bald allen Grund zum Jubeln geben.
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