"Ich werde nicht lügen."
Stefanos Tsitsipas versucht im Gespräch mit der ATP gar nicht erst, die Tatsachen zu leugnen.
Das Fehlen von Novak Djokovic, Rafael Nadal, Dominic Thiem und auch Roger Federer spielt ihm in die Karten. Als Nummer zwei der Setzliste hinter Daniil Medvedev hat Tsitsipas beste Aussichten, erstmals in seiner Laufbahn ein Turnier der sogenannten 1000er-Kategorie zu gewinnen.
ATP Masters Miami
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Ja, das sei jetzt natürlich "eine Möglichkeit", gibt der Youngster zu. "Ich würde mich riesig freuen, mit dem Masters-Titel abzureisen. Der Wunsch ist da und ich will das wirklich", so Tsitsipas, der bislang zweimal im Endspiel eines Masters-Wettbewerbs stand. 2018 unterlag er in Toronto auf Hartplatz Djokovic, im Folgejahr auf Sand in Madrid gegen Nadal.
Wertvolle Erfahrungen gegen die Besten auf dem jeweiligen Belag. Nun soll in Miami der nächste Schritt folgen. "Ich habe das Gefühl, dass ich nah dran bin", sagt der Weltranglistenfünfte. Er investiere eine Menge Arbeit in das Ziel, was ihm helfen werde, "ein Masters-Event zu gewinnen".

Das fehlt Tsitsipas noch auf höchstem Niveau

Noch mangelt es Tsitsipas an Erfahrung, um in den ganz großen Matches seine Fähigkeiten konstant voll ausschöpfen zu können.
Acht von 13 Finals auf Tour-Niveau verlor er, zuletzt vor wenigen Tagen im Endspiel von Acapulco gegen Alexander Zverev.

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Auch bei seinen bislang drei Grand-Slam-Halbfinals bei den Australian Open und French Open ging Tsitsipas als Verlierer vom Platz. Wie es gehen kann, zeigte der Grieche 2019 bei den ATP Finals in London, als er im Halbfinale Federer und im Endspiel Dominic Thiem bezwang.
Seitdem wartet die Tenniswelt eigentlich nur auf den nächsten Streich des gebürtigen Atheners. Bislang vergeblich.

Sieg gegen Nadal, Niederlage gegen die Nummer 93

Wie stark Tsitsipas in dieser Saison einzuschätzen ist, weiß er womöglich selbst noch nicht so genau.
Da ist zum einen der Halbfinaleinzug bei den Australian Open, nachdem er gegen Nadal einen 0:2-Satzrückstand wettmachte und den Spanier in einem Krimi niederrang. Auf der anderen Seite scheiterte er Mitte März im Viertelfinale von Marseille am Weltranglisten-93. Pierre-Hugues Herbert. Der erste Titel des Jahres lässt noch auf sich warten.

Tsitsipas' beste Schläge im Viertelfinale gegen Nadal

Dennoch stapelt Tsitsipas extrem tief, wenn er sich nun in Miami "nicht als Favorit" deklarieren mag und stattdessen unterstreicht, eine "ziemlich schwere Auslosung" erwischt zu haben. In Runde eins profitiert der Grieche von einem Freilos, dann wartet der Sieger der Partie zwischen Kevin Anderson und Thiago Monteiro. Erst im Finale könnte es zum Duell mit Medvedev oder Zverev kommen.
Es gebe allerdings eine "ganze Menge guter Jungs von außerhalb der Top 5", erinnert Tsitsipas. Die könne man durchaus als "Gefahr" bezeichnen. Dabei dürfte in erster Linie Andrey Rublev gemeint sein, der ihm im Halbfinale gegenüberstehen würde. Dem Russen musste sich Tsitsipas bereits Anfang des Monates in der Runde der letzten Vier von Rotterdam geschlagen geben.

Tsitsipas: Lernen aus der Niederlage gegen Mevedev

Herbert, Rublev. Eigentlich Gegner, die er in Schach halten müsste. Nun mag man einwenden, dass die Turniere in Marseille und Rotterdam nicht die oberste Priorität haben in den Planungen von Tsitsipas. Will er allerdings sein größtes Ziel erreichen, muss er sich in die Lage bringen, Kontrahenten zu dominieren, die im Ranking hinter ihm stehen.
Tsitsipas visiert, wie für einen Spieler seiner Klasse nicht verwunderlich, einen Grand-Slam-Titel an. Wohlwissend, dass es bis dahin noch ein langer Weg ist.

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"Ich muss härter arbeiten, mein Spiel kompletter machen - ohne dabei die Schwächen zu offenbaren, die Medvedev mir aufgezeigt hat", spielt der 22-Jährige gegenüber "tennismajors.com" auf die deutliche Dreisatz-Niederlage gegen den Russen im Halbfinale der Australian Open an. Trotzdem wolle er das Match "als positive Erinnerung" verbuchen. "Das sind die Momente, für die ich kämpfe."

Tsitsipas: "Will eine Karriere wie Federer"

Die Nummer fünf der Welt denkt aber noch viel weiter voraus und gibt unumwunden zu: "Ich will eine Karriere wie Roger Federer haben." Ist das nicht eine Nummer zu groß? Der Schweizer gewann bisher schließlich 20 Grand-Slam-Turniere, stand 310 Wochen lang auf Platz eins in der Weltrangliste und holte mehr als 100 Titel.
Gut also, dass Tsitsipas seine Aussage präzisiert und sich damit eine Menge Druck erspart. "Ich meine das nicht im Hinblick auf das, was er erreicht hat. Nein, ich hätte gerne eine Karriere, die so lang ist wie die von Roger."
Dafür müsste Tsitsipas noch mindestens 17 Jahre spielen. Wäre auf jeden Fall genug Zeit, um die hoch gestecken Ziele zu erreichen.
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