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Masters Shanghai: Alexander Zverev und Frances Tiafoe gehen Schiedsrichter an - Arnaud Clément fordert härtere Strafen
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Update 10/10/2024 um 08:16 GMT+2 Uhr
Alexander Zverev, Frances Tiafoe und Stefanos Tsitsipas haben mit Verbalattacken auf die Stuhlschiedsrichter beim ATP Masters in Shanghai für Negativschlagzeilen gesorgt. Vor allem die Beleidigungen des US-Amerikaners gegenüber Referee Jimmy Pinoargote waren schwere Kost - zu schwer, wie der einstige Top-Ten-Profi Arnaud Clément bei Eurosport betont. Es brauche daher "härtere Bestrafungen".
Irrwitziger Disput: Tsitsipas spricht Referee Kompetenz ab
Quelle: SNTV
Zugegeben: Eine Rote Karte wie im Fußball wäre in einer Einzelsportart wie Tennis aus naheliegenden Gründen nur schwer durchsetzbar. Und doch verstärkt sich der Eindruck, dass es härtere Sanktionen braucht, um die Schiedsrichter vor den Ausrastern der Profis zu schützen. Bislang sind Punktabzüge im Match und - vor dem Hintergrund der hohen Preisgelder - relativ milde Geldstrafen die Folge, mitunter folgen Sperren auf Bewährung.
Man darf gespannt sein, was Frances Tiafoe erwartet. Der Weltranglisten-17. tickte nach seiner Drittrunden-Niederlage gegen Roman Safiullin in Shanghai komplett aus. Mehrfach schleuderte er Schiedsrichter Jimmy Pinoargote gleich mehrere Male "fuck you" entgegen und bezeichnete den Ecuadorianer als "verdammten Idioten".
Grund für den Ausbruch war die Entscheidung von Pinoargote, Tiafoe beim Stand von 5:5 im Tiebreak des dritten Satzes den ersten Aufschlag aufgrund einer Zeitüberschreitung wegzunehmen. Der US-Amerikaner verlor die folgenden beiden Punkte und damit das Match.
Tiafoes verhalten sei "übetrieben" gewesen, sagt Arnaud Clément gegenüber Eurosport. "Die Spieler müssen auf ihre Einstellung achten und den Respekt gegenüber dem Schiedsrichter bewahren."
Zverev sauer: "Ihr entscheidet das ganze Match"
Das gelte auch für Alexander Zverev. Der 27-Jährige ging im ersten Satz seiner Partie gegen Tallon Griekspoor Top-Referee Mohamed Lahyani an. Der hatte in einer Szene bemerkt, dass der Ball auf der Seite des Deutschen zweimal aufprallte und den Punkt richtigerweise an Griekspoor gegeben.
Zverev hatte es anders gesehen - und machte seinem Ärger Luft. "Ihr entscheidet das ganze Match, die ganzen Turniere, jede Woche. Jedes Grand-Slam-Finale, das ich spiele, verliere ich aufgrund eurer Fehler. Wofür investieren wir so viel seit neun Monaten? Ich habe in diesem Jahr über 80 Partien gespielt, mit Verletzungen, mit Krankheiten", polterte der Hamburger.
Der Weltranglistendritte war stinksauer und verwies zudem auf die vermeintlichen Fehler von Layhanis Schiedsrichterkollegen. "Carlos Bernardes hat das Match von Wawrinka komplett verdorben, der andere Typ jenes von Tiafoe. Und jetzt das hier", echauffierte sich Zverev.
Tatsächlich unterlief Bernardes in der Zweitrundenpartie zwischen Stan Wawrinka und Flavio Cobolli ein Fehler, als er einen falschen Spielstand zugunsten des Italieners ausrief, der zum einzigen und entscheidenden Break der Begegnung führte. Wawrinka unterlag schließlich und schied aus. Während der Schweizer im Anschluss ruhig blieb und auf markige Worte verzichtete, schoss Nick Kyrgios auf X scharf gegen den Referee. "Bernardes hätte schon vor Jahren entlassen werden sollen. Wie kann das passieren? Kartoffel", schrieb der Australier.
Tsitsipas belehrt Murphy: "Wir spielen hier nicht Darts"
Das Schiedsrichter-Thema zog sich indes weiter durch den Wettbewerb. Im Achtelfinale fühlte sich Stefanos Tsitsipas bei seiner Niederlage gegen Daniil Medvedev ungerecht behandelt. Stein des Anstoßes: mal wieder die Shot Clock, die angibt, bis wann der Aufschlag zu erfolgen hat. Tsitsipas war zu langsam und beschwerte sich bei Referee Fergus Murphy.
Den Hinweis des Iren, dass er keine Verfügungsgewalt über die Shot Clock habe und diese automatisch anlaufe, ließ Tsitsipas nicht gelten. Stattdessen warf er Murphy vor, "keine Ahnung von Tennis" zu haben. "Warum seid ihr so sehr gegen mich? Die letzten paar Monate waren schrecklich. Ich verstehe nicht, was in euch gefahren ist."
Der 26-Jährige forderte mehr Zeit beim Aufschlag ein und wies Murphy belehrend darauf hin, dass "Tennis ein physischer Sport" sei. "Wir spielen hier nicht Darts."
Der aggressive Ton auf der Tour und die verbalen Ausraster der Spieler bereiten Clément generell Sorgen. "Schiedsrichter können Fehler machen, aber dieses Verhalten ist nicht akzeptabel. Für mich ist das Problem eher die mentale Verfassung der Spieler als die Qualität der Schiedsrichter", findet der Franzose. Die negative Dynamik der vergangenen Tage erkläre er sich "durch die Müdigkeit der Spieler am Ende der Saison". Das verstärke den Frust, wenn es nicht laufe.
Medvedev und Hurkacz provozieren Referees
Allerdings gab es schon früher im Jahr bedenkliche Ausfälle vonseiten der Profis. Daniil Medvedev etwa beleidigte Stuhlschiedsrichterin Eva Asderaki-Moore im Juli im Wimbledon-Halbfinale.
Im April hatte der Russe beim Masters in Monte-Carlo Bernardes verunglimpft ("Er braucht keine Brille, weil er eh nichts sieht. Er sollte kein Schiedsrichter sein").
Im Juni wiederum fragte Hubert Hurkacz im Achtelfinale der French Open seinen Gegner Grigor Dimitrov während des Matches ketzerisch, ob er wirklich "mit der Dame hier weitermachen" wolle. Gemeint war Referee Alison Hughes.
Ändert sich wirklich was auf der ATP Tour?
Immerhin: Tiafoe und Zverev schlugen nach ihren verbalen Angriffen versöhnlichere Töne an. Der US-Profi entschuldigte sich auf Instagram für ein "inakzeptables Verhalten" auf dem Platz. Er sei "extrem enttäuscht darüber, wie ich mit dieser Situation umgegangen bin".
Zverev betonte, dass Spieler wie Schiedsrichter nicht perfekt seien. "Alle sind menschlich und Fehler passieren - auch auf unserer Seite", so der Olympiasieger von 2021.
Ob es auf der ATP Tour in Zukunft fairer und wertschätzender zugehen wird, ist zu bezweifeln. Wahrscheinlicher ist, dass es die von Clément geforderte Anpassung der Strafen brauchen wird, um das Ziel zu erreichen.
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Quelle: Perform
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