Erstes Grand-Slam-Finale, 28 von 39 gewonnene Matches, zwei Turniersiege – für Alexander Zverev war 2020 ein erfolgreiches Jahr, wenn ihm auch der große Traum vom ersten Grand-Slam-Titel (noch) verwehrt blieb. "Es ist sehr viel passiert im letzten Jahr für Sascha, sportlich und privat. Sportlich war es vielleicht sein Bestes, privat vielleicht das Schwierigste. Das nennt man Leben, Erwachsenwerden."

Umso überraschter war die Tenniswelt, als Zverev Anfang Januar bekannt gab, dass er sich von seinem Trainer und Ex-Profi David Ferrer getrennt habe. "Ich finde es schade, dass Ferrer ihn nicht mehr trainiert. Die beiden scheinen eine gute Chemie gefunden zu haben, das zeigen die Erfolge auf dem Platz", erklärt Boris Becker im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball.

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Es sei nicht ohne Grund so, dass sich Zverev in den vergangenen Jahren einen "Supercoach" gewünscht habe, so Eurosport-Experte Becker im Gespräch mit Matthias Stach: "Die Trainer sind sehr wichtig. Vater Zverev kennt den Tennissport natürlich in- und auswendig."

Egal, ob Juan Carlos Ferrero, Ivan Lendl oder Ferrer, sie alle bringen die Erfahrung eines ehemaligen Spielers mit, so Becker.

Der Podcast mit Thiem, Becker und Stach:

Thiem für Becker ein Beispiel

Als Beispiel gibt der sechsfache Grand-Slam-Turniersieger Dominic Thiem an, der lange Zeit von Günter Bresnik trainiert wurde. "Dann gab es einen Bruch, mittlerweile harmoniert er unglaublich mit seinem neuen Trainer Nicola Massú. Er hat die besten 18 Monate auf dem Tennisplatz verbracht – auch dank seines Trainers."

Thiem gewann 2020 bei den US Open seinen ersten Grand-Slam-Titel - ausgerechnet gegen Zverev im Finale.

"Trotz aller Glücksgefühle tat es mir leid für den Sascha, dass bei dem Match einer verlieren musste", erklärt Thiem im Podcast über das Endspiel gegen Zverev, zu dem er eine "spezielle" Beziehung auf der Tour habe.

Becker sieht Djokovic als Topfavorit

Eine weitere, große Entscheidung gab Zverev rund einen Monat nach der Trennung von seinem Coach bekannt: das Ende der Geschäftsbeziehung zu seinem Management, der Agentur "Team 8" von Roger Federer. "Es muss sich zeigen, wie er mit diesen Veränderungen klarkommt. Letztes Jahr war vielleicht sein stärkstes Jahr – auch aufgrund der Menschen um ihn herum. Dieses Jahr muss er sich erst neu finden", beobachtet Becker die Veränderungen kritisch.

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Künftig will die Nummer sieben der Welt auf die Familie setzen und wird von seinem Bruder Mischa und Freund Sergej Bubka unterstützt. "Jetzt wird Mischa Zverev eine größere Rolle spielen. Er kennt seinen Bruder in- und auswendig, war selbst ein Weltklasse-Profi", so Becker:

"Man fängt bei Null an und das muss auch die Erwartungshaltung sein." Zverev müsse sich in diesem neuen sportlichen Umfeld "neu finden". Für Becker ein Vorteil, da nun nicht mehr so viel Druck auf dem 23-Jährigen laste: "Er wird sich in seine Form spielen. Ich erwarte ihn auch weit in der zweiten Woche, aber für mich ist der Topfavorit Novak Djokovic und nicht Zverev."

Ab dem 8. Februar wird sich zeigen, in welcher Form Deutschlands Nummer eins in Melbourne aufschlägt und wie sich die Veränderungen auswirken - denn dann starten die Australian Open (live bei Eurosport).

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