Novak Djokovic hielt den Norman Brooks Challenge Cup fest in beiden Armen, lächelte und gab bestens gelaunt zu, eine "riskante Aussage" gemacht zu haben.
Es ging um eines seiner Lieblingsthemen, darum, wer das Sagen hat an der Weltspitze. Nicht nur gestern und heute, sondern vor allem auch morgen noch. Djokovic sprach in den vergangenen Tagen offen darüber, dass die Zeit der sogenannten Big 3 noch nicht abgelaufen und die Zeit der viel zitierten Next Generation noch nicht begonnen habe.
Eine unmissverständliche Kampfansage.
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"Ich denke, ich habe mir über die Jahre die Position verdient, etwas Positives über mich, mein Spiel und meine Finalbilanz hier in Melbourne zu sagen", schaltete der frischgebackene Champion in den Offensivmodus. Ganz nach dem Motto: Ich darf das, Freunde.

Djokovic will an Federer und Nadal vorbei

"Rafa, Roger und ich werden versuchen, es der Next Gen schwer zu machen", betonte Djokovic nach dem Finalerfolg in der Rod Laver Arena. 58 Grand-Slam-Titel haben Nadal, Federer und der neunfache Australian-Open-Champion inzwischen gesammelt.
Ein sagenhafter Wert, aber noch lange nicht das Ende, wenn es nach Djokovic geht. Der 33-Jährige will in Sachen Grand-Slam-Titel an Federer und Nadal vorbei: "Roger und Rafa inspirieren mich. Solange sie spielen, spiele ich. Es ist ein Rennen, ein Wettkampf zwischen uns auf allen Ebenen."
Entsprechend deutliche Worte wählte er nach dem Sieg gegen Sensations-Halbfinalist Aslan Karatsev, als es mal wieder um die Wachablösung der Ü30-Stars durch die Jüngeren ging. Er werde ihnen das Feld "nicht einfach überlassen", so Djokovic im Exklusiv-Interview mit Eurosport. "Dafür werden sie sich schon den Arsch aufreißen müssen."

Djokovic wehrt sich gegen NextGen: "Top-Plätze gehören Rafa und mir"

Im Moment aber reicht noch nicht einmal das.
Den 23-jährigen Taylor Fritz rang er in Runde drei trotz einer Muskelverletzung in fünf Sätzen nieder. Der gleichaltrige Alexander Zverev musste im Viertelfinale ebenfalls anerkennen, "dass Djokovic einfach ein Gewinner ist". Als es dann im Halbfinale und Endspiel zur Sache ging, spielte der Weltranglistenerste gnadenlos stark und fegte sowohl Karatsev als auch Daniil Medvedev in drei Sätzen vom Platz.
Wie sich das erklären lässt? Djokovic zeige eine unglaubliche "mentale Stärke in schwierigen Situationen gegen schwierige Gegner", stellte Mischa Zverev im Gespräch mit Eurosport eine der Kernkompetenzen des Branchenführers heraus. Hinzu kommt: Der Routinier ist noch immer in der Lage, einzelne Facetten seines Spiels zu verbessern.

Hoppla: Djokovic plötzlich auch Herr der Asse

Djokovic zog mit 100 geschlagenen Assen ins Endspiel ein, persönlicher Rekord. "Im Hinblick auf den Aufschlag ist es das beste Turnier meiner Karriere", unterstrich der Serbe schon nach dem Viertelfinale gegen Zverev. 23 Asse hatte er dem Hamburger, selbst einer der besten Aufschläger auf der Tour, um die Ohren gefeuert.

Momente für die Ewigkeit: Warum Djokovic keine One-Man-Show ist

16 Stunden und 45 Minuten stand Djokovic bis zum Finale auf dem Platz, nie zuvor musste er sich länger quälen für den Einzug ins Endspiel eines Grand-Slam-Wettbewerbs. Hinzu kam die Bauchmuskelverletzung aus der 3. Runde, aufgrund derer er eine ganze Reihe an Trainingseinheiten auslassen musste.
Kritiker und auch so mancher Kollege unterstellten ihm daraufhin Schauspielerei.
Schon vor Turnierbeginn blies dem Champion der öffentliche Wind scharf ins Gesicht, nachdem er in einem Brief an den Veranstalter Quarantäne-Lockerungen für die Profis in Melbourne angeregt hatte. Darüber hinaus beschwerte er sich während des Events über die aus seiner Sicht unfaire Berichterstattung ihm gegenüber.

Becker: Djokovic macht's wie ein Straßenkämpfer

Widrigkeiten, soweit das Auge reicht.
Und Djokovic? Blieb dennoch der Ausnahmespieler, der er seit so vielen Jahren ist. "Novak hat diese Mentalität des Straßenkämpfers", berichtete Eurosport-Experte Boris Becker, der den Mann aus Belgrad von 2013 bis 2016 coachte. Anfeindungen und Kritik wandle Djokovic in Stärke um.
Es sei "emotional eines der schwierigsten Turniere meines Lebens" gewesen, gab Djokovic indes bei Eurosport zu, aber: "Ich musste mich wirklich in mein Schneckenhaus zurückziehen und habe mich am Ende selbst positiv überrascht."
Die Frage, was die Nummer eins der Welt überhaupt umwerfen kann, ist so schwer zu beantworten wie eh und je. Und: Djokovic hat Blut geleckt und den Rückstand auf Federer und Nadal bei der Jagd nach dem Grand-Slam-Rekord verkürzt. Die Zeit spielt ihm zudem in die Hände. Nadal und Federer sind ein beziehungsweise sechs Jahre älter als Djokovic, die Next Generation hat er noch immer im Griff.
"Die historische Nummer eins zu werden, ist mein größtes Ziel", stellte Djokovic im vergangenen Jahr im Rahmen des ATP-Turniers von Wien klar. Eine riskante Aussage, aber damit kann bekanntlich keiner besser umgehen als Novak Djokovic.
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Kevin Krawietz im Eurosport-Podcast:

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