Australian Open in Melbourne - Alexander Zverev: Physis als Vorteil im Finale gegen Titelverteidiger Jannik Sinner?
Update 25/01/2025 um 18:24 GMT+1 Uhr
Mit dem Finaleinzug bei den Australian Open hat Alexander Zverev bewiesen, dass er zu den Besten der Welt gehört und den eigenen Ansprüchen gerecht werden kann. Diese sind zweifellos ambitionierter als "nur" das Erreichen des Endspiels. Zu diesem Zeitpunkt der Karriere zählen ausschließlich die großen Titel. Gegen Jannik Sinner könnte die Physis den Ausschlag geben. Eine Statistik macht Hoffnung.
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Nach dem verlorenen French-Open-Finale gegen Carlos Alcaraz im Juni 2024 beantwortete ein - das lag in der Natur der Sache - sichtlich geknickter Alexander Zverev geduldig die Fragen der internationalen Presse.
Die Medienvertreter interessierte die Frage nach dem Warum, also nach den Gründen für die Niederlage trotz einer 2:1-Satzführung.
Zverev erklärte damals in seiner letzten Antwort: "Ich muss auf mich schauen. Und ich muss auf das Team schauen, das ich zur Verfügung habe, um zu sehen, was ich tun kann, um auf das Level von Alcaraz und Sinner zu kommen."
Sieben Monate später wurde Zverev nun nach seinem erneuten, dem dritten Finaleinzug in ein Grand-Slam-Turnier, am anderen Ende der Welt in Melbourne zu genau dieser Antwort aus Paris befragt.
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Welche Lehren er gezogen habe? Zverevs Antwort vor dem Finale gegen Jannik Sinner am Sonntag (ab 9:00 Uhr MEZ live bei Eurosport 1 und im Stream bei discovery+) überraschte.
Fitnesstrainer als Knackpunkt?
"Ich habe Jez Green verpflichtet", startete Zverev seine Rückmeldung. Es folgte eine längere Antwort über die Bedeutung der physischen Stärke auf dem höchsten Niveau im Tennis. Zverev hatte zu Beginn seiner Karriere viele Jahre mit Green, der einst Andy Murray körperlich für Grand-Slam-Siege aufbaute, zusammengearbeitet.
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Der Fitnesstrainer hatte Zverev, dessen schlaksiger Körperbau von Natur aus nicht die besten Voraussetzungen für Spitzensport bereitete, als Teenager mit einem Vier-Jahres-Plan für die Aufgaben auf dem höchsten Niveau vorbereitet. Später trennten sich die Wege nach sieben gemeinsamen Jahren.
Als Dalibor Sirola 2024 aus gesundheitlichen Gründen Zverevs Team verlassen musste, ergab sich für die Nummer zwei der Welt die Möglichkeit, Green zurückzuholen. "Während meiner Zeit mit Jez war ich immer sehr stolz darauf, dass ich mit jedem Spieler so lange auf dem Platz mithalten konnte, wie ich wollte. Ich war physisch einer der stärksten Spieler auf der Tour."
Zverev und die Müdigkeit von 2024
Zverev erklärte, dass es ein Nachteil für ihn gewesen sei, dass Green nicht dabei war, nachdem er sich 2022 so schwer verletzt hatte.
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"Nach der Verletzung musste ich doppelt so hart und lange arbeiten, um wieder auf das Level zurückzukehren. Das war auch einer der Gründe, warum ich ihn wiedergeholt habe", erläuterte Zverev.
Der Hamburger wiederholte überdies, dass er gegen Alcaraz in Paris müde geworden war. "Es gab zwar auch ein paar unglückliche spielerische Momente und Schiedsrichterentscheidungen. Aber generell wurde ich müde und ich wollte verhindern, dass mir das diese Saison wieder passiert."
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Zverev absolvierte in Monte-Carlo eine der brutalsten Vorbereitungen seiner Karriere, die fast zu einer Überbelastung geführt hätte. Die Probleme mit der Bizepssehne, die ihn noch beim United Cup ausbremsten, scheinen unter Kontrolle - auch wenn Zverev nicht über eine sehr ausdauernde Phase von vier Stunden oder länger gefordert wurde. Ausgerechnet solch ein langes Match könnte gegen Sinner aber zum Vorteil werden.
Sinners Schwäche in langen Matches
Wenn Zverev wirklich gar keine Probleme mehr mit dem Arm hat, diesen Anschein erweckt Zverevs Team, dann könnte die physische Stärke gegen Jannik Sinner der Schlüssel zum Erfolg werden. Sinner ist spielerisch über jeden Zweifel erhaben, ist mit zwei Grand Slams und als Nummer eins im ATP-Ranking allein in den letzten zwölf Monaten der beste und konstanteste Spieler der Welt. Doch die ganz langen, ausufernden Matches sind nicht die Lieblingsdisziplin des ruhigen Südtirolers.
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Sinners Fünf-Satz-Statistik lautet 6:9. Zverev steht bei 23:13 in seiner knapp zehn jährigen Profikarriere. Obwohl Sinner vor zwölf Monaten im Finale in der Rod Laver Arena nach 0:2-Satzrückstand noch gegen Daniil Medvedev triumphierte, war es kein brutal langes Match. 3:44 Stunden benötigte Sinner für seinen ersten großen Triumph. Interessant für Zverevs Lager: Sinner steht 0:6 in Begegnungen, die länger als 3:50 Stunden gingen. Darunter fällt das Marathon-Viertelfinale der beiden Profis bei den US Open 2023, das Zverev nach 4:40 Stunden für sich entschied.
Zverev darf sich nicht auf Statistik ausruhen
Sinner hatte zudem im Achtelfinale vor wenigen Tagen gegen Holger Rune zumindest kurzzeitig körperliche Probleme, als er in einer Pause am ganzen Körper zitterte und fast elf Minuten behandelt werden musste.
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Natürlich darf sich Zverev nicht auf diesen Statistiken ausruhen, nicht konservativ oder gar defensiv spielen. Das würde nicht funktionieren und entspricht nicht dem neuen offensiveren Ansatz des Deutschen, der spielerisch nochmal zugelegt hat.
Aber wenn es ausufernd in die Phasen eines möglichen vierten und fünften Satzes geht, und Zverev seinen Arm nicht spürt, hat der Deutsche einen kleinen Vorteil auf seiner Seite.
Beendet Zverev die 29-jährige Durststrecke?
Zverev erklärte am Freitag: "Ich habe die nötige Arbeit erledigt. Ich bin bereit für das Finale." Mit Blick auf das Finale 2024 in Paris sagte Zverev, es helfe ihm. "Je öfter und regelmäßiger man in diesen Positionen ist, desto mehr wird das zur Normalität."
Zudem seien lange Gespräche und einige Trainingseinheiten im Herbst 2024 in Shanghai mit Novak Djokovic wichtig gewesen. "Ich war nach den US Open (Viertelfinal-Aus gegen Taylor Fritz) sehr aufgebracht. Novak hat mir danach in Gesprächen viel geholfen."
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Zverev setzt sich für Djokovic ein: "Bitte Leute, buht nicht"
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Eine bessere Beratung als vom 24-maligen Majorsieger gibt es im Tennisgeschäft kaum. Zverev will am Sonntag in seinem dritten Grand-Slam-Finale nach den US Open 2020 und den French Open 2024 zuschlagen - aus seiner sehr, sehr guten Karriere eine zweifelsfreie "Hall-Of-Famer"-Karriere machen. Zverev wäre der erste männliche deutsche Einzel-Grand-Slam-Sieger seit Boris Becker im Jahr 1996. Das ist 29 Jahre her.
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