Tennis-Legende Björn Borg spricht über Absturz und Drogen-Sucht: "Tennis rettete mich"
Update 29/05/2026 um 19:01 GMT+2 Uhr
Kaum ein Tennisspieler in den vergangenen Jahrzehnten war größer als Björn Borg. Der Schwede gewann in kurzer Zeit elf Grand-Slam-Titel - und beendete seine Karriere Anfang der Achtziger Jahre abrupt. In einem Interview mit der "SZ" sprach der 69-Jährige nun über seinen Absturz nach der Tenniskarriere, die Drogensucht und wie er sich zurückkämpfte in ein glückliches Leben.
Bjorn Borg
Fotocredit: Getty Images
Heute lebt Björn Borg zurückgezogen, die meiste Zeit des Jahres verbringt er auf Ibiza, wo er "Harmonie und Frieden" erlebt, wie er im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erzählt.
Der frühere schwedische Tennis-Superstar wird bald 70 Jahre alt und hat 2025 eine Autobiografie verfasst, die er mit dem Interview bewirbt. Vor allem die Zeit seines Absturzes arbeitet Borg darin auf.
"Ich habe überlebt. Darüber staune ich selbst immer wieder. Wie ich es aus diesen dunklen Phasen herauskam. Ein paar Mal wäre ich fast gestorben", sagte er ehrlich.
Seit einigen Jahren sei er clean und habe sich zurück in einen normalen Alltag gekämpft. Dem Schweden wurden damals sein rascher Aufstieg und die extreme Popularität zum Verhängnis.
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Borg verlor "mehr und mehr die Lust" am Tennis
Wie wichtig der junge Schwede innerhalb kurzer Zeit für die Tenniswelt wurde, verstand er lange nicht. Es habe "viele Persönlichkeiten" gegeben, sagt er der "SZ", etwa John McEnroe oder Jimmy Connors.
Er aber habe durch sein Spiel, seinen Kleidungsstil und die langen Haare die meiste Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Junge Mädchen seien zu seinen Spielen gekommen, Fotografen und Fans hätten vor seinem Hotel auf ihn gewartet.
Lange Zeit konnte sich der sechsmalige French-Open-Champion nur auf Tennis konzentrieren. "Ich schlief, trainierte, aß und spielte. Das war mein ganzes Leben", sagte er. Doch Anfang der 1980er Jahre habe das nicht mehr funktioniert.
"Ich verlor mehr und mehr die Lust, zog mehr und mehr aus Turnieren raus", sagt er. Nach der Niederlage im Wimbledon-Finale gegen John McEnroe 1981 habe er gewusst, dass es vorbei ist. Ihm sei "alles zu viel" geworden: "Ich hatte praktisch keine Privatsphäre mehr." Mit nur 26 Jahren beendete er nach nur noch wenigen Auftritten auf der Tour 1983 seine Tennis-Karriere.
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Bjorn Borg
Fotocredit: Getty Images
Borg kehrte auf Seniors-Tour zurück
Die neu gewonnene Freiheit brachte den heute 69-Jährigen dazu, dass er keinem geregelten Alltag mehr nachgehen musste. Er habe "keinen Zeitplan mehr, keine Verpflichtungen" gehabt, sei auf Partys gegangen und habe viele Menschen kennengelernt.
Welche Folgen der Kokain-Konsum haben könnte, sei ihm erst spät klar geworden. "Erst ganz am Schluss meiner Drogenzeit wusste ich: Ich werde sterben, wenn ich die Drogen nicht loswerde!", sagt Borg. "Und ich starb fast zweimal, Ende der Achtziger in Italien und Mitte der Neunziger in den Niederlanden."
Borg schaffte den Absprung und kehrte zum Tennis zurück - auf die Seniors-Tour, die seinem Alltag wieder eine Struktur gab: "Ich wollte einen Zeitplan haben. Etwas, an dem ich mich festhalten kann." Rückblickend sieht der Schwede das Tennis-Comeback als großen Glücksfall: "Tennis rettete mich. Und holte mich zurück in das Leben, das ich leben wollte."
Einige Jahre coachte er später das Team Europe beim Laver Cup und probierte sich als Unternehmer. 2025 machte er eine Erkrankung an Prostatakrebs öffentlich, die er überstand. Heute genießt er das ruhige Leben auf Ibiza so gut es geht.
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