French Open 2026: Alexander Zverev steigt nach Aus von Jannik Sinner zum Top-Favoriten auf - Druck auf Deutschen wächst
Update 29/05/2026 um 16:18 GMT+2 Uhr
Das Aus von Jannik Sinner in der 2. Runde der French Open hat in Paris alles auf den Kopf gestellt - und Alexander Zverev vom Jäger zum Gejagten werden lassen. Die deutsche Nummer eins ist nun der bestgesetzte verbliebene Spieler in Roland-Garros, alle Augen richten sich auf den Hamburger. Zverev hat die Erfahrung und Ruhe auf seiner Seite, doch die neue Ausgangslage bringt auch Druck mit sich.
Becker zu Zverevs großer Chance: "Sorry, aber Sascha ist besser"
Quelle: Eurosport
Die Szenen erinnerten an die letzten Auftritte von Rafael Nadal in Paris. Tief in den Katakomben des Centre Courts Philippe Chatrier wurde über die Lautsprecher verkündet, dass Jannik Sinner auf dem Weg in den Pressekonferenzraum eins sei - ohne vorige Planung und Ankündigung.
Leichte Hektik gefolgt von einer Massenpilgerung hinein zu Sinner waren die Folge. Deutlich mehr als 100 Journalisten drängten in den Raum. Das gab es zuletzt nach Nadals letztem Triumph und einer legendären Pressekonferenz des Spaniers, in der er preisgab, er habe zwei Wochen mit einem betäubten Fuß gespielt.
Sinners Wortwahl war deutlich weniger dramatisch als es die Szenen und der Anlass seiner sensationellen Zweitrunden-Niederlage gegen den Argentinier Juan Manuel Cerúndolo (6:3, 6:2, 5:7, 1:6, 1:6) vermuten ließ.
"Es war warm, aber nicht unzumutbar heiß. Ich finde, die Bedingungen zum Spielen waren durchaus in Ordnung", erklärte Sinner, der bereits besser aussah und ruhig sowie strukturiert ohne große Emotionen analysierte. "Es lag wirklich nicht an der Hitze, es lag nicht am Wetter. Es lag heute einfach an mir."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/28/image-7425b7a0-db20-42b7-8683-f6c0ec90ead1-85-2560-1440.jpeg)
2. Runde: Sensation! Sinner geht in der Hitze komplett ein - Highlights
Quelle: Eurosport
Sinner fehlte gegen Cerúndolo einfach die Energie
Er sei am Morgen aufgewacht und habe sich nicht besonders gut gefühlt. "Ich habe versucht, die Ballwechsel sehr kurz zu halten. Auch am Anfang habe ich sehr sauber und gut gespielt, und dann bin ich irgendwie an meine Grenzen gestoßen, und das war’s dann", resümierte Sinner.
Seine Probleme hätten bereits Mitte des dritten Satzes begonnen. "Obwohl ich da noch tolles Tennis gespielt habe, konnte ich heute einfach keine Energie aufbringen." Sinner probierte es mit "Serve and Volley", kürzte die Ballwechsel ab. Doch der Argentinier spielte, auch angesichts der Dramaturgie der Gesamtumstände, ein gutes Match. "Er hat ein sehr solides Spiel gezeigt, vor allem auch am Ende", sagte Sinner.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/28/image-a35d8043-cd8d-4f72-9be9-80370a990c04-85-2560-1440.jpeg)
So erklärt Sinner sein überraschendes Aus in Paris
Quelle: Eurosport
Der Italiener war bemüht, das Narrativ auf die gesundheitliche Situation zu lenken. Ganz wegwischen konnte er die Zweifel an seinen Fähigkeiten bei Hitzebedingungen um 30 Grad und mehr nicht. In Australien entging er einer ähnlichen Niederlage nur hauchzart. Gegen den stark aufspielenden US-Amerikaner Eliot Spizzirri (Weltrangliste 85) gewann Sinner nach 3:45 Stunden mit 4:6, 6:3, 6:4, 6:4.
Erst beim Matchball war die Zitterpartie beendet. Krämpfe, Zittern und die Hitze machten Sinner zu schaffen. Er selbst erinnerte am Donnerstag an Bedingungen in Shanghai. "Dort war es sehr anstrengend. Die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch. In Australien war es sehr, sehr warm, daran erinnere ich mich noch. Auf Hartplatz ist es anders, weil die Hitze auch von unten kommt."
Zverev wird vom Jäger zum Gejagten bei den French Open
Während sich das Sinner-Drama auf dem Centre Court abspielte, spulte Alexander Zverev seine Trainingsroutinen fernab des Trubels ab. Zverev winkte im Trainingscenter Jean Bouin zwischenzeitlich mit einem Lächeln freundlich ab. "Ja" entgegnete er auf Nachfrage. Er habe das Sinner-Match und den dritten Satz verfolgt.
Aber ein Satzverlust sei für ihn kein Grund zur Aufregung. Dann öffnete er die Tür zu Trainingscourt 22 auf der einige hundert Meter im Schatten der Anlage gelegenen Übungsanlage Jean Bouin und schritt zu seiner Bank. Noch nicht wissend, dass Zverev alsbald vom Jäger zum Gejagten werden würde.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/28/image-b518501b-35f9-41ce-9abd-ecaa5f279864.jpeg)
Alexander Zverev bei den French Open
Fotocredit: Getty Images
Die unbarmherzige Hitze macht Zverev - anders als Sinner - nichts aus. Gebetsmühlenartig hat er dieser Tage wiederholt, dass er die Bedingungen sogar bevorzugt. Dass es kommende Woche vergleichsweise etwas kühler werden soll, kommentierte Zverev in der Pressekonferenz nach seinem souveränen Sieg über Tomas Machac mit einem Wort: "Schade."
Durch Sinners Aus, das in Paris alles auf den Kopf stellte, wird es erstmals seit den US Open 2023 (Novak Djokovic) wieder einen Grand-Slam-Sieger geben, der nicht Sinner oder Alcaraz heißt. Djokovic ist ohnehin der letzte im Feld verbliebene Spieler, der schon mal ein Major gewonnen hat.
Tür und Tor für den ersten Grand-Slam-Titel öffnen sich nun weit für Alexander Zverev, der zuletzt achtmal in Serie gegen Sinner verlor und auf ihn im Finale hätte treffen können. Zverev ist nun der am höchsten gesetzte Spieler im Turnier.
Zverev setzt in Paris auf den Faktor Erfahrung
Helfen soll und kann Zverev nun die langjährige Erfahrung als Topspieler bei Grand Slams. Naturgemäß mithalten, kann da nur noch Novak Djokovic, der allerdings ohne Matchpraxis nach Paris reiste und schon ordentlich Spielzeit überstehen musste. Dennoch hat Mischa Zverev den Rekord-Grand-Slam-Turniersieger auf der Rechnung.
"Man darf nicht vergessen, dass Novak Djokovic noch im Spiel ist. Er hat 24 Grand Slams gewonnen, hat das Australian-Open-Finale gespielt - er weißt, wie es geht. Auch dort konnte er Sinner besiegen. Wir alle, inklusive Sascha, sind erfahren genug. Zwei Matches sind gewonnen, dritte Runde steht morgen an. Es ist noch ein langes Turnier vor uns, da kann noch so vieles passieren. Ich denke gar nicht an die Niederlage von Sinner. Das passiert, aber es gibt noch genügend andere gute Spieler. Wir sind erfahren genug um zu verstehen: Der Favorit ist raus, aber so ist es halt."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/28/image-16c14eec-8313-41e5-ac36-e4678d5ad2ae-85-2560-1440.png)
Mischa zu Sinner-Drama: "Da kannst du nichts machen"
Quelle: Eurosport
Zverev wird mit seinem erfahrenen Team sich nun an Routinen halten und, so langweilig das von außen betrachtet klingen mag, von Runde zu Runde schauen. Am Freitag trifft Zverev auf Quentin Halys, der den gesetzten französischen Landsmann Hugo Humbert überraschend in drei Sätzen besiegte.
Von Runde zu Runde: Zverev lässt sich nicht aus der Ruhe bringen
Zverev wirkt in diesen Tagen gelassen und in sich ruhend. Die gute Leistung in Runde zwei bis zur Verletzung des Gegners spielte er in der Nacht zum Donnerstag während seiner Presseverpflichtungen herunter. "Bis jetzt funktioniert es", sagte Zverev: "Wir werden sehen, wie die nächsten zehn Tage werden", erklärte er mit dem Mix aus Ruhe und Selbstbewusstsein.
19 Asse schlug der gebürtige Hamburger beim ungefährdeten 6:4, 6:2, 6:2 gegen Tomas Machac, spielte einige sehenswerte Stops, fühlte den Ball gut im Schläger. Mitte des zweiten Satzes verletzte sich Machac.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/27/image-6f389ccf-2401-4ad9-9636-5c0c01213309-85-2560-1440.jpeg)
2. Runde: Zverev lässt nichts anbrennen - Highlights
Quelle: Eurosport
Zverev spielte den Rest souverän und ohne große Gegenwehr zu Ende Für den Weltranglistendritten war es der insgesamt 550. Sieg auf der Tour. Von den männlichen deutschen Tennisprofis liegen nur Boris Becker (713) und Tommy Haas (569) in dieser Statistik noch vor ihm.
Falls Zverev die Pflichtaufgabe Hayls am Freitag meistert, könnte am Sonntag mit Kharen Khachanov im Achtelfinale der erste gesetzte Spieler warten. Gegen den unter neutraler Flagge startenden Khachanov gewann Zverev 2021 das Olympische Finale. Ein mögliches Viertelfinale könnte ein erstes Aufeinandertreffen mit dem spanischen Shootingstar Rafael Jodar werden. Erst dann könnte Novak Djokovic, Casper Ruud, Andrey Rublev oder Joao Fonseca warten.
Das könnte Dich auch interessieren: Becker über Sinners Einbruch: "Irgendwann ist dieser Typ leer"
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/28/image-aa63fe03-a52e-4b3b-b062-be4e0d75e26e-85-2560-1440.jpeg)
2. Runde: Auger-Aliassime wackelt nur kurz - Highlights
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung