Darum sind Federer, Nadal und Djokovic gegenüber Zverev und den Youngstern im Vorteil
Kaum ein anderer Sport steht vor einer derart ungewissen Zukunft wie der Tennis-Zirkus. Turniere und Spieler sind über die ganze Welt verstreut - und überall schafft das Coronavirus unterschiedliche Bedingungen. Eine faire Situation lässt sich nicht herstellen, doch wer ist im Vorteil, wer hat Nachteile? Eurosport.de nimmt die Lage von Stars wie Federer, Djokovic, Zverev oder Nadal unter die Lupe.
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Roger Federer, so scheint es, hat sogar bei Operationen das perfekte Händchen. Im Februar unterzog sich der Schweizer einer Knie-Operation, kurze Zeit später brachte das Coronavirus die ATP Tour zum Stillstand. Federer kann also in aller Ruhe am Comeback arbeiten, Weltranglistenpunkte verliert er nicht und auch die Konkurrenz kann keinen Boden gutmachen auf den 38-Jährigen.
"Das ist schon wieder sensationell", staunte Alexander Zverev über Federers perfekt gewählten OP-Termin. Eigentlich hätte der Maestro die eingeplanten Turniere von Dubai, Indian Wells, Bogota und Miami sowie die French Open verpasst, doch dieses Problem hat sich nun quasi von selbst erledigt.
Zufall oder Strategie? Wahrscheinlich von beidem etwas. Dass Federer beste Karten hat, sportlich relativ geschmeidig durch und aus der Krise zu kommen, hat aber noch weitere Gründe.
Darum sind die Big 3 im Vorteil
Aus Sicht vieler Profis und Experten nämlich sind arrivierte Topspieler wie Federer, Rafael Nadal oder Novak Djokovic aus zwei sportlichen Faktoren im Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Erfahrung und Klasse. Toni Nadal, lange Zeit Coach seines Neffen Rafael Nadal und heute Turnierdirektor des ATP-Events von Mallorca, erklärte im Interview mit der Zeitung "Mundo Deportivo":
Das zeige sich etwa bei Rafael Nadal, der es in ganz jungen Jahren "schwer hatte, den Ball wieder sauber zu treffen, wenn eine Woche lang nicht gespielt hat", so der 59-Jährige. Ganz anders die Situation heute. Der 12-fache French-Open-Champion könne "den Schläger drei Monate lang nicht in die Hand nehmen und hätte nach einer Woche oder zehn Tagen sein Gefühl wieder zurück".
Zverev: "Die Jungen müssen erstmal in Gang kommen"
Zverev sieht die Routiniers ebenfalls besser gerüstet, wie er im Interview mit der "Sport Bild" erläuterte:
"Die Jungen", so Deutschlands Nummer eins, "müssen erst mal in Gang kommen und werden im Sommer und Herbst besser. Die Pause ist also eher für die Ältern ein Vorteil."
Die Sorge, aufgrund der Zwangspause nicht mehr an das eigene Topniveau heranzukommen sowie die Ungewissheit, wann und ob es in diesem Jahr weitergehen kann, bereitet vor allem den Spielern außerhalb der Top 10 beziehungsweise Weltspitze mehr Kopfzerbrechen. Jan-Lennard Struff, derzeit die Nummer 34 im Ranking, gab offen zu:
Es sei wichtig, sich schnellstmöglich im Training "mit Topspielern zusammenzutun, um das Niveau und die Intensität wieder aufzubauen", so Struff weiter.
Nadal wäre so ein Trainingspartner auf höchstem Level. Der Superstar hat überdies den Vorteil, mit seiner eigenen Tennis-Akademie auf Mallorca die perfekte Infrastruktur vor der Haustür zu haben, um sich auf den Tag X vorzubereiten, wenn es dann wieder losgeht.
Zverev trainiert wie immer, Halep hat den Schläger weggelegt
Zverev hat zwar keine eigene Akademie im Rücken, ist aber trotzdem in Florida in einer vergleichsweise luxuriösen Lage. "Ich wohne mit meinem Team und meiner Familie gerade in meinem Haus an der Saddlebrook-Akademie nahe Tampa. Dort habe ich einen eigenen Tennisplatz zur Verfügung und einen Schlüssel für das Gym", erzählte der 22-Jährige und ergänzte:
Dermaßen gute Möglichkeiten haben allerdings beileibe nicht alle Top-Profis.
Simona Halep etwa, aktuell die Nummer zwei der Welt, muss sich stark einschränken. Gegenüber Eurosport erklärte die amtierende Wimbledon-Siegerin vor wenigen Tagen:
Dennoch dürfte es Halep mit ihrer Klasse und aufgrund der großen Erfolge schneller als den meisten ihrer Konkurrentinnen gelingen, wieder voll da zu sein.
Finanzielle Not bei vielen Spielern
Neben sportlichen Aspekten und dem Blick auf die eingefrorene Weltrangliste beschäftigt das Gros der Spieler aber noch ein ganz anderes Thema: der Verdienstausfall. Die Rede ist natürlich nicht von Spitzenverdienern wie Federer, Nadal, Halep oder Naomi Osaka, sondern von denen, die weiter hinten stehen. Struff fordert daher spezielle Maßnahmen:
Es versteht sich von selbst, dass die Konzentration auf den Sport sehr viel schwerer fällt, wenn sie von Existenzängsten begleitet wird.
Wirft man die Meinungen der Spieler und Trainer sowie die finanziellen Rahmenbedingungen und die eingefrorene Weltrangliste in einen Topf, liegt der Schluss nahe: Je höher ein Spieler im Ranking steht und je mehr Erfahrung er hat, desto besser dürfte er mit der aktuellen Zwangspause zurechtkommen.
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