Die Sandplatzsaison geht ihrem Höhepunkt entgegen. Am 30. Mai beginnen die French Open in Paris. Die Frage nach dem Top-Favoriten ist in diesem Jahr aber etwas schwerer zu beantworten als gewohnt.
Denn der 13-malige Turniersieger Rafael Nadal zeigte zuletzt ungewöhnlich schwankende Leistungen.
Das Masters in Rom sowie das Turnier in Barcelona konnte der Spanier für sich entscheiden. Die anderen beiden Masters-Turniere gewannen allerdings Alexander Zverev (Madrid) und Stefanos Tsitsipas (Monte-Carlo).
French Open
French Open LIVE bei Eurosport mit Becker: So läuft das Turnier ab
28/05/2021 AM 10:27
Gerade diese beiden Youngster scheinen kurz vor Roland-Garros die richtigen Mittel gefunden zu haben, um Nadal auch auf seinem Lieblingsbelag zu bezwingen.
Die Next Gen setzt zum Angriff auf den Sandplatzkönig an.

Boris Becker: "Erste Zeichen der Zeit bei Rafa"

Während Tsitsipas in Barcelona in einem herausragenden Finale im direkten Duell mit Nadal noch den Kürzeren zog (4:6, 7:6, 5:7), konnte Zverev in Madrid auf dem Weg zu seinem vierten Masters-Erfolg den Spanier schlagen. Im Viertelfinale siegte der junge Deutsche 6:4, 6:4. Bei den Italian Open in Rom gelang Nadal dann die Revanche (6:4, 6:4).

Meisterlich in Rom: Nadal im Finale zu gut für Djokovic

Eurosport-Experte Boris Becker sieht vor allem Tsitsipas in Paris als ernsthaften Herausforderer für den Titelverteidiger aus Mallorca. "Tsitsipas hat eine sehr konstante Saison gespielt, Monte-Carlo gewonnen. Er ist vielleicht noch besser als Zverev und definitiv auf Sand bei den French Open einer der Mitfavoriten", erklärte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger.
Vor allem körperlich sei der junge Grieche "unglaublich gut drauf", so Becker. Gegen Tsitsipas in Barcelona hatte Nadal einige Probleme auf der Rückhandseite, wie er hinterher unumwunden zugab. Auch Becker ist erstaunt: "Normalerweise gewinnt Nadal im Vorfeld der French Open drei von vier Turnieren. In diesem Jahr hat er zwar auch in Barcelona und Rom die Titel geholt, aber man muss ganz klar sagen, dass die anderen aufgeholt haben."
Man könne womöglich "die ersten Zeichen der Zeit bei Rafa" sehen, mutmaßte der 53-Jährige: "Er ist vielleicht einen halben Schritt langsamer geworden, wird etwas früher müde. Auch bei seinen Erfolgen in Barcelona und Rom hat er sich schwergetan. Das kannte man bislang so nicht von Nadal."

Nadal mit sagenhafter Quote

Nun wartet mit den French Open eines der körperlich anstrengendsten Turniere auf den Spanier. Trotz all dieser Vorzeichen zählt Nadal weiter zu den Top-Favoriten auf den French-Open-Titel. In Rom holte der 20-malige Grand-Slam-Sieger seinen 88. ATP-Titel. Alleine auf Sand zählt Nadal schon 62 Erfolge. Die Siegquote auf seinem Lieblingsbelag liegt bei sagenhaften 91,8 Prozent.
Das Finale in der italienischen Hauptstadt gegen Novak Djokovic bewies zudem wieder einmal, dass der große Unterschied zwischen den Altstars und der jungen Generation oft die Einstellung und der unbändige Wille nach Siegen ist.
Geht es auf die Großereignisse zu, sind vor allem Nadal und Djokovic immer wieder zur Stelle.

Becker und Zverev diskutieren: Wie schlägt man Nadal auf Sand?

In den vergangenen zehn Jahren gingen lediglich acht der 40 vergebenen Grand-Slam-Titel nicht an die Big Three Nadal, Djokovic und Roger Federer.
Doch auch Zverev sieht sich vor den French Open in einer deutlich verbesserten Ausgangsposition als noch in den Vorjahren, als maximal im Viertelfinale Schluss war. "Ich denke, dass ich dieses Jahr Chancen habe", erklärte der Hamburger im "Sportschau-Olympia-Podcast".

Vorteil Zverev? Zwei Qualifikanten warten

Hinzu kommt eine vermeintlich günstige Auslosung. Die deutsche Turnierhoffnung steht in der unteren Hälfte des Tableaus und geht damit Nadal, Djokovic und Roger Federer bis zum Finale aus dem Weg. Die stärksten Gegner in Zverevs Hälfte sind Tsitsipas und Dominic Thiem. Damit steht die Tür für den 24-Jährigen weit offen.
In Runde eins wartet der deutsche Qualifikant Oscar Otte, auch in Runde zwei bekommt es Zverev mit einem Qualifikanten zu tun. Ein Vorteil, wenngleich Bruder Mischa Zverev im Eurosport-Interview einschränkt: "Sollten diese Gegner etwas einfacher sein, dann kann es schon passieren, dass man in der ersten und zweiten Runde jemanden hat, der etwas niedriger in der Rangliste steht, aber dann in der dritten und vierten Runde einen richtigen Brocken bekommt. Und dieser Unterschied ist manchmal nicht leicht zu bewältigen, vor allem bei einem so großen Turnier."

Mischa Zverev exklusiv: Das macht den Draw für Alex kompliziert

Dennoch ist der Optimismus bei Zverev groß. Nach dem verlorenen US-Open-Finale gegen Thiem im letzten Jahr sei er "ein besserer Tennisspieler" geworden, so der junge Deutsche: "Ich möchte es jetzt noch mehr. (…) Ich habe mich hingesetzt und gedacht, ich muss Dinge verbessern, Dinge anders machen."

Aufschlag der Schlüssel bei Zverev

Auch Eurosport-Experte Becker sieht beim 24-Jährigen gute Chancen "weiter als bis ins Viertelfinale zu kommen". Allerdings müsse Zverev "auch dann seine Matches gewinnen, wenn er nicht so gut spielt, denn das wird bei bis zu sieben Partien im Laufe eines Grand-Slam-Turniers definitiv passieren".
Beim Deutschen wird es besonders auf den Aufschlag ankommen: Lässt ihn dieser wie etwa beim ATP-Turnier in München im Stich, bekommt Zverev Probleme. Hat er seinen Ablauf aber im Griff, ist der Aufschlag des 24-Jährigen eine echte Waffe. In Madrid mussten dies Nadal, Thiem sowie im Finale Matteo Berrettini erfahren.
Wird Nadal also seinen 14. Titel bei den French Open holen oder kommen ihm die Youngster um Zverev und Tsitsipas in die Quere? Nicht zu vergessen ist natürlich Djokovic, der pünktlich zum Grand-Slam-Turnier wieder in Topform zu kommen scheint.
Der Kampf um die Krone in Paris ist in jedem Fall so offen wie schon lange nicht mehr.
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