Novak Djokovic war völlig geflasht.
Der Ausnahmeathlet, der 18 Grand-Slam-Titel in seiner Karriere gewonnen hat, der länger an der Spitze der Weltrangliste steht als jeder andere Profi zuvor, bekam sein seliges Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Djokovic befand sich im siebten Himmel, nachdem ihm tatsächlich das eigentlich Unmögliche gelungen war - er hatte Sandplatzkönig Rafael Nadal in dessen Pariser Reich gestürzt.
"Es war definitiv mein bestes Match, das ich jemals in Paris gespielt habe, und eines der besten drei meiner gesamten Karriere", sagte Djokovic: "Es war eine dieser Nächte, die man nicht vergisst. Gegen ihn hier zu gewinnen ist, als ob man den Mount Everest besteigt."
French Open
Djokovic verneigt sich nach Halbfinalsieg vor "Mount Everest" Nadal
12/06/2021 AM 09:14
Der prestigereiche Triumph über den spanischen Dauerrivalen brachte ihm in einem atemberaubenden Match fast nebenbei auch noch das Ticket fürs Finale gegen Stefanos Tsitsipas am Sonntag (15:00 Uhr im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport mit Joyn) ein. Der Grieche hatte die deutsche Nummer eins Alexander Zverev in fünf Sätzen ausgeschaltet.

Murray adelt Djokovic und Nadal

Djokovic und Nadal, der 13-malige Paris-Champion, duellierten sich anschließend 4:11 Stunden nach allen Regeln der Kunst. Sie spielten unglaubliche Winkel, konterten sich gegenseitig aus und entzückten die Sportfans in aller Welt an den Bildschirmen. Und die 5000 Zuschauer am Court Philippe-Chatrier, die trotz Ausgangssperre aufgrund der "außergewöhnlichen Umstände" kurzfristig doch noch bis zum Ende nach 23:00 Uhr bleiben durften.

Halbfinale: Djokovic wächst in epischer Schlacht über sich hinaus

"Der dritte Satz war für die Ewigkeit", schrieb die New York Times - allein der Durchgang dauert 92 Minuten. "Besser kann man Sandplatztennis nicht spielen. Es ist perfekt", twitterte Andy Murray, selbst dreimaliger Grand-Slam-Sieger, bei Twitter. Auch Boris Becker war geradezu verzückt: "Jeder Tennistrainer, jeder Tennisclub soll sich diesen dritten Satz aufheben", befand der Eurosport-Experte: "Es war ein historischer Tennistag."
Nadal blieb am Ende nur, die schwere Niederlage zu akzeptieren. "Natürlich ist es ein sehr wichtiges Turnier für mich. Ich bin mir aber bewusst, dass man es nicht 15 oder 16 Mal gewinnen kann", sagte der 35-Jährige, für den es bei 105 Siegen erst die dritte Niederlage bei den French Open war: "Nächstes Jahr werde ich wieder kommen, so Gott will, mit dem Glauben und mit der nötigen Arbeit, um mir eine weitere Chance zu geben."

Djokovic jagt Grand-Slam-Rekord

Djokovic hat nun schon am Sonntag die Gelegenheit, mit seinem 19. Grand-Slam-Triumph auf die Rekordchampions Roger Federer (Schweiz) und Nadal (beide 20 Titel) zu verkürzen. Von seiner fabelhaften Leistung gegen Nadal darf er sich dabei nicht blenden lassen.
Tsitsipas spielt in diesem Jahr auf seinem bisher besten Level. Der zwölf Jahre jüngere Grieche führt das ATP Race der erfolgreichsten Spieler des Kalenderjahres noch vor dem Serben an. 33 Matches gewann er 2021, so viel wie kein anderer Spieler auf der Tour. Tsitsipas gewann das Masters in Monte Carlo und kurz vor Beginn der French Open auch das Sandplatzturnier in Lyon.
"Sand scheint sein bester Belag zu sein", weiß Djokovic und verlässt sich auf seinen Körper, der bislang häufig gezeigt hat, dass er nicht viel Zeit zur Regeneration braucht. Bleibt die Frage, wie schnell sich Djokovic mental erholt.

Tsitsipas Chancen stehen gar nicht so schlecht, wenn ...

Nadal auf seinem Chatrier zu schlagen, ist die komplizierteste Aufgabe, die der Tennissport zu bieten hat, es erfordert eine Weltklasseleistung - sowohl physisch, als auch psychisch. Djokovic wird Körner gelassen haben, trifft nun jedoch auf den derzeit wohl formstärksten Sandplatzspieler der Welt. Kann Tsitsipas sein Niveau des bisherigen Jahres halten oder gar steigern, stehen die Chancen auf den ganz großen Coup gar nicht so schlecht.
Tsitsipas' unterlegener Halbfinalgegner Zverev wartet derweil weiter ungeduldig auf seine erste Trophäe bei einem Majorturnier - die nächste Chance besteht in Wimbledon ab dem 28. Juni.

Monsterrally zwischen Nadal und Djokovic - Publikum fassungslos!

Es fiel Zverev schwer, die 3:6, 3:6, 6:4, 6:4, 3:6-Niederlage auf der roten Asche von Paris gegen Tsitsipas zu akzeptieren. "Ich hatte während dieses Turniers, während der ganzen Sandplatzsaison, das Gefühl, dass ich gut genug gespielt habe, um weit zu kommen", sagte Zverev.
Der Halbfinaleinzug machte ihn dabei nicht mehr glücklich. Er wollte um den Titel kämpfen - doch das machen nun Tsitsipas und Djokovic.
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(mit SID)

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