Als Cilic beim Stand von 1:3 und 40:40 servieren wollte, wischte sich Federer noch einmal am Rande des Courts mit dem Handtuch über das Gesicht. Der Kroate musste seine Vorbereitung unterbrechen, für Stuhlschiedsrichter Emmanuel Joseph Anlass genug, Federer mit einer Time Violation zu belegen.
Der 39-Jährige konnte das nicht nachvollziehen und hakte beim Unparteiischen nach. Es entwickelte eine hitzige Debatte. Federer hätte sich offenbar gewünscht, dass man ihn vor einer Verwarnung erst einmal auf sein Vergehen hingewiesen hätte.
Die Regel besagt, dass sich der retournierende Spieler vor dem Service nach dem aufschlagenden Spieler zu richten hat. Dieser hat 25 Sekunden Zeit, um die Aufschlagbewegung einzuleiten.
French Open
Emotionales Match auf dem Chatrier: Federer ringt Cilic nieder
03/06/2021 AM 16:51
Federer erkundigte sich daraufhin auch bei seinem Gegner, ob er das ebenfalls so sehe. Cilic bestätigte die Auffassung des Unparteiischen, dass sich der Schweizer tatsächlich zu viel Zeit lasse.

Becker über Federer: "So habe ich ihn noch nie gesehen"

Eigentlich eine Kleinigkeit, doch Federer zeigte sich in diesem Moment ungewohnt emotional und wollte es sich nicht darauf beruhen lassen. Er beharrte darauf, dass er die Möglichkeit haben müsse, zwischen einem Ballwechsel von einer Ecke des Courts in die andere zu laufen, um sein Handtuch zu benutzen.
Die Szene im Video:

Handtuch-Debatte: Federer versteht die Welt nicht mehr

"So habe ich ihn noch nie gesehen", meinte Boris Becker: "Aber das ist die Regel." Allerdings hätten sich der Eurosport-Experte und Moderator Matthias Stach in dieser Situation mehr Fingerspitzengefühl von Joseph gewünscht.
"Das war keine gute Entscheidung vom Schiedsrichter und das ist keine gute Regel", erklärte auch Mischa Zverev: "Wenn man am Netz den Punkt beendet und zur Grundlinie geht, dann dauert das alleine schon ungefähr zehn Sekunden. Deshalb müsste es erlaubt sein, sich ein Handtuch zu holen."
Der Eurosport-Experte wies auch noch einmal darauf hin, dass Federer normalerweise zu den schnellsten Spielern auf der Tour gehört. "Er braucht nur fünf bis zehn Sekunden, um den nächsten Ballwechsel anzufangen. Wenn er eine Time Violation bekommt, ohne groß Zeit zu verlieren, dann stimmt definitiv etwas nicht an der Regel."

Mischa Zverev kann Federers Ärger verstehen: "Keine gute Regel"

Federer klärt Zoff mit Schiedsrichter auf

Erst nach knapp drei Minuten ging es auf dem Court weiter. Auch nach Cilics Aufschlagsspiel suchte Federer noch einmal das Gespräch mit dem Stuhlschiedsrichter.
Aus der Ruhe bringen ließ sich der 39-Jährige durch die Handtuch-Debatte allerdings nur kurz. Federer musste den zweiten Satz zwar abgeben, gewann aber den dritten und vierten Durchgang und siegte am Ende 6:2, 2:6, 7:6 und 6:2.
Später klärte der Schweizer die hitzige Situation im exklusiven Interview im Eurosport-Cube auf. "Ehrlich gesagt war ich ein bisschen geschockt und überrascht, dass das passiert ist. Ich habe lange nicht verstanden, warum ich überhaupt eine Verwarnung bekommen habe", so Federer.
Er habe nicht gesehen, dass Cilic schon bereit war, um zu servieren. Erst nach dem Aufschlagspiel des Kroaten habe er realisiert, was der Grund für die Verwarnung war. "Ich weiß, man muss sich nach der Geschwindigkeit des Aufschlägers richten", so Federer: "Aber ich habe ein bisschen hinterfragt, ob ich wirklich so langsam war, oder ob Marin mich dazu gedrängt hat, extrem schnell zu spielen."
Die Auseinandersetzung mit Schiedsrichter Joseph bezeichnete der 39-Jährige als "beidseitiges Missverständnis".
Das könnte Dich auch interessieren: Ansetzungen Freitag: Zverev schlägt am Centre Court auf

Streit mit dem Schiedsrichter: Federer klärt auf

French Open
Nächster Dreisatz-Sieg: Djokovic schaltet in den Dominatoren-Modus
03/06/2021 AM 15:54
French Open
Damen-Ergebnisse: Barty muss Match abbrechen, Pliskova scheitert
03/06/2021 AM 11:08