Der 13-fache Champion von Paris, Rafael Nadal - eigentlich qua Gesetz Topfavorit in der französischen Hauptstadt - ist durch eine Fußverletzung geschwächt. Titelverteidiger Novak Djokovic kam zuletzt nach einem schwachen Saisonstart in Rom erstmals voll in Fahrt. Carlos Alcaraz mauserte sich nach seinen Siegen bei den Masters in Miami und Madrid - gerade bei den Buchmachern - zum Topfavoriten für Roland-Garros, muss sich mit seinen 19 Lenzen aber erst einmal bei einem Grand Slam beweisen.
Selten war die Ausgangslage vor einem Major in den vergangenen Jahren so offen wie vor den French Open (ab 22. Mai live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn).
Alexander Zverev muss indes nach einer ersten Saisonhälfte ohne Titel mit der Rolle des Mitfavoriten leben - sehr zum Unmut des Olympiasiegers selbst, wie Bruder Mischa Zverev imEurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball im Gespräch mit Barbara Rittner und Moderator Matthias Stach berichtet.
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Bei einem gemeinsamen Abendessen sei die Favoritenrolle im Hause Zverev kontrovers diskutiert worden. "Sascha sagte, dass die Wettanbieter vorhersagen, Alcaraz hätte die größten Chancen, die French Open zu gewinnen", so Mischa Zverev.

Zverev: Bei Nadal und Djokovic war es ok, aber ...

Der Olympiasieger wiederum hatte den 19 Jahre alten Spanier nach seiner Finalniederlage (3:6, 1:6) in Madrid als "besten Spieler der Welt" bezeichnet.
  • Das Gelbe vom Ball - die neue Folge mit Mischa Zverev:
Doch dass der Shootingstar aus Murcia nun als aussichtsreicher Kandidat auf den Gewinn des Coupe des Mousquetaires gehandelt wird, stößt dem sechs Jahre älteren Hamburger sauer auf. "Da hat er gesagt: 'Weißt du, als es damals Nadal oder Djokovic waren, war es okay. Jetzt Alcaraz - nein!'", zitiert Mischa seinen Bruder. Ganz nach dem Motto: "Das lasse ich mir nicht gefallen. Jetzt ist meine Zeit gekommen, jetzt möchte ich gewinnen, ich möchte der Favorit werden und es allen beweisen."

Rittner skeptisch wegen Nadal: "Es sind zu viele Probleme"

Denn: Das Selbstvertrauen ist wieder da. Nach einem schwachen Start in die Saison 2022 fand Alexander Zverev zuletzt wieder zu besserer Form zurück. Bei den zurückliegenden drei Masters-Events in Monte-Carlo, Rom und Madrid erreichte er immer mindestens das Halbfinale. "Er spielt wieder besser und seine Einstellung ist wirklich sehr gut", lobt der ältere Bruder den "gesunden Ehrgeiz" des Weltranglistendritten.

Vater Zverev wie ein Sicherheitsgurt

Im Vorjahr scheiterte Zverev bei den French Open im Halbfinale in einem Fünf-Satz-Krimi (3:6, 3:6, 6:4, 6:4, 3:6) an Stefanos Tsitsipas. Nun hat der 25-Jährige aber in Sergi Bruguera einen Trainer an seiner Seite, der weiß, wie man bei Roland-Garros gewinnt. Bruguera, der 1993 und 1994 in Paris triumphierte, begleitet den Deutschen seit einigen Monaten. "Ich brauche einen Coach, ich brauche Führung", hatte der Weltranglistendritte vor dem Masters in Madrid erklärt.
Dennoch haben sich durch den Katalanen weder Trainingsaspekte noch die Technik verändert. Der Fokus liegt an anderer Stelle, wie der ältere Bruder verrät: "Sascha ist so ein Mensch, der einfach seine Rituale und seine Routine benötigt."
Dafür diene Vater Alexander Zverev senior als stabiler Anker. "Das ist einfach wie ein Gurt, den man sich anschnallt, wenn man sich ins Auto setzt", so Mischa Zverev. Gleichzeitig könne Sandplatzspezialist Bruguera "Sascha auch ein paar Tipps geben, die vielleicht sehr interessant und wichtig sind", so Mischa Zverev.

Mischa traut Alex French-Open-Titel zu

Mut mache im Hinblick auf das Grand-Slam-Turnier in Paris insbesondere ein Blick in die Vergangenheit. Das letzte Mal, dass der 34-Jährige diesen Ehrgeiz bei seinem jüngeren Bruder festgestellt hatte, war Ende 2016, als Zverev noch außerhalb der Weltspitze platziert war.
"Da war er noch nicht in den Top Ten oder 20 und wir haben darüber gesprochen, wer von den von den jungen Spielern als nächster in die Top Ten durchbrechen wird", verrät die frühere Nummer 25 der Welt.

Alexander und Mischa Zverev im Gespräch in Turin

Fotocredit: Getty Images

Damals seien die Namen der Australier Nick Kyrgios und Bernard Tomic gefallen - nicht aber der von Alexander Zverev, was ihn anstachelte. Die Folge: Ein halbes Jahr später gewann der Hamburger erst das Masters in der italienischen Hauptstadt, kurz darauf auch das in Montréal. "Vier, fünf Monate später war er in den Top Ten, hat Rom gewonnen und ist auf einmal einer der besten Spieler der Welt", sagt Mischa Zverev im Eurosport-Podast "Das Gelbe vom Ball".
Die aktuelle Situation erinnere ihn an die Situation vor sechs Jahren, als Alexander noch die Top Ten anstrebte. "Ich hoffe, die kann er zu seinem Vorteil nutzen", so der ältere Bruder: "Vielleicht holt er sich jetzt bald auch den ersten Grand Slam." Die Chancen sind trotz eines Saisonbeginns ohne Titel allemal gegeben.
Denn die Favoritenrolle ist so ausgeglichen wie selten. Während die Buchmacher Nadal, Djokovic und eben Alcaraz vorne sehen, setzt man im Zverev-Lager auf Selbstvertrauen und eigene Stärken. Was der ältere Bruder dem jüngeren in Paris zutraut? "Mindestens das Halbfinale. Ich glaube aber an Finale oder Sieg!"
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