French Open 2024 in Paris: Jannik Sinner gegen Carlos Alcaraz im Halbfinale von Roland-Garros - die Zukunft ist jetzt

Das Halbfinale bei den French Open in Paris zwischen Jannik Sinner und Carlos Alcaraz ist das neunte Duell (direkter Vergleich 4:4) der größten Nachwuchshoffnungen des Tennissports, die längst in puncto Konstanz an den Arrivierten vorbeigezogen sind und das Welttennis mitdominieren. In Paris marschierten beide trotz Verletzungssorgen durch das Feld. Das Match am Freitag ist richtungsweisend.

Sinner über Sprung auf Platz eins: "Besonderer Moment"

Quelle: Eurosport

Die Verantwortlichen des Turniers haben sich für die diesjährige Auflage der French Open wieder einiges ausgedacht. Auf den Social-Media-Kanälen etwa ploppt von Zeit zu Zeit eine "Dance Challenge" auf.
Sie zeigt jede Menge Topspieler die Spielertreppe des Centre Courts herunterlaufen, während plötzlich eine Musik ertönt. Dann sollen die Stars spontan und im "Freestyle" tanzen.
Jannik Sinner und Carlos Alcaraz wurden von dieser Herausforderung ebenfalls überrascht, sofern sie nicht vorher doch Bescheid wussten. Die meisten PR-Aktionen der Tour- und Grand-Slam-Verantwortlichen sind freilich abgesprochen.
So oder so: Die Social-Media-Clips taugten gut dazu, die Unterschiede der beiden zu charakterisieren.

Alcaraz, der Extrovertiertere

Während sich der 21-jährige Spanier von der Musik animieren und treiben ließ und zu einer kleinen Hip-Hop-Einlage ansetzte und lachte, lief Sinner ruhig auf den Treppen hinunter, tat nichts und versuchte, sich möglichst schnell aus dem Bild zu schleichen.
Außerhalb der Tennisplätze und ebenfalls emotional auf den Courts dieser Welt ist Alcaraz der Extrovertiertere. Tennisspezifisch begegnen sich beide Nachwuchsstars der Szene, die längst viel mehr sind, am Freitag im Halbfinale der French Open (ab 14:30 Uhr im Liveticker) auf Augenhöhe. Beide scheinen sich besser von Verletzungen erholt zu haben, als das vermutet wurde.
Sinner ist, nach dem verletzungsbedingten Rückzug von Novak Djokovic, unabhängig vom Ausgang der Begegnung gegen Alcaraz ab Montag die neue Nummer eins der Weltrangliste.
Eine Entwicklung, die folgerichtig ist und von Zahlen bestätigt wird. Sinners Einzelbilanz seit dem Mastersturnier in Peking im Herbst 2023 lautet 53:4 (15:2 gegen Top-10-Spieler).

Sinners überragende Bilanz seit Peking

Er holte seitdem fünf Titel - neben drei 500ern und einem Masters auch den Davis Cup für Italien sowie den alles überstrahlenden ersten Grand-Slam-Sieg in Melbourne. Mit den Erfolgen hat er Adriano Panatta überholt, der als bester Italiener vor 47 Jahren für zwei Wochen auf Rang vier der Weltrangliste stand und 1976 die French Open gewann.
Sinner versucht in diesen Tagen, die Krone wieder nach Italien zu holen. Die Anzahl italienischer TV-Teams im Medienbereich unterhalb des Centre Courts hat spürbar zugenommen. Die "Gazzetta dello Sport" schrieb schon 2022, da war der damals 20-Jährige dabei, sich in den Top 10 zu etablieren: "Jannik Sinner ist nicht nur die Zukunft des italienischen Tennis. Er ist die Zukunft des Tennis."
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Viertelfinale: Neue Nummer eins Sinner schlägt Dimitrov - Highlights

Quelle: Eurosport

Diese Aussage hat in 2024 deutlich an Wertigkeit zugenommen. Ausgebremst wurde er zuletzt 2023 bei einer knappen Halbfinalniederlage in Wimbledon gegen Djokovic, der dann die Krone an Alcaraz abgeben musste. In New York rang ihn Zverev nieder, dem nach dem Kraftakt wichtige Körner gegen Alcaraz fehlten.

Becker: "Nummer eins nicht in einer Woche"

Boris Becker untermauerte mit seinen Aussagen über Sinner bei Eurosport den Weg des Südtirolers: "Das passiert ja nicht über eine Woche oder ein Monat, sondern du musst über zwölf Monate der beste Spieler der Welt sein - und das ist er gefühlt seit dem Halbfinale in Wimbledon im vergangenen Jahr", meinte Becker. "Spätestens seit den Australian Open war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Jannik Sinner die Nummer eins der Welt ist."
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Becker huldigt Nummer eins Sinner: "Beeindruckende Mentalität"

Quelle: Eurosport

Sinner selbst war es bei der Pressekonferenz nach dem Viertelfinale am Mittwoch fast unangenehm, über den neuen Platz an der Sonne der Weltrangliste zu sprechen. So ordnete er erst die Djokovic-Situation ein.
Schließlich sagte er, zumindest mit etwas Stolz in der Stimme: "Was mich betrifft, so bin ich sehr glücklich über diese Leistung. Es ist eine Menge Arbeit, die wir täglich leisten, eine tägliche Routine. Natürlich bin ich glücklich, dass ich diese Zahl erreicht habe."
Dann richtete sich Sinners Blick umgehend auf das "wichtige Spiel in zwei Tagen" gegen Alcaraz.

Sinner trifft auch unangenehme Entscheidungen

Ähnlich wie bei Roger Federer darf Sinners ruhige, zurückhaltende Art nicht fehlinterpretiert werden. Er kann auch unangenehme Entscheidungen zum Wohle seiner Karriere treffen.
2022 etwa trennte er sich von Erfolgscoach Riccardo Piatti, der ihn mit 14 Jahren aufgenommen hatte, sowie von seinem gesamten sechsköpfigen Funktionsteam - und ersetzte sie durch Simone Vagnozzi. Wenig später ergänzte der Australier Darren Cahill, der bereits mit Lleyton Hewitt und Andre Agassi Grand-Slam-Erfolge feierte, das neue Team.
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Jannik Sinner mit Simone Vagnozzi

Fotocredit: Getty Images

"Darren weiß, wie er sich auf jeden Spieler einstellen kann, und ich denke, das ist eine Qualität, die bemerkenswert ist. Die Kombination mit Simone ist wirklich, wirklich gut. Sie sind zwei verschiedene Trainer, aber sie arbeiten sehr gut zusammen. Sie sind sehr bescheiden, und sie respektieren sich gegenseitig sehr", sagte Sinner.
Wer Sinner und Alcaraz in diesen Tagen von Roland-Garros auf der für Fans nicht zugänglichen Trainingsanlage Jean Bouin beobachten kann, sieht eine etwas höhere Intensität bei Alcaraz, der noch immer ganz eng von Juan Carlos Ferrero geführt wird. Der 21-Jährige vertraut dem French-Open-Sieger von 2003 quasi blind.

Alcaraz und der mysteriöse Unterarm

Nach der zweiten Runde und dem umkämpften, etwas wackligen Vier-Satz-Sieg gegen den Niederländer Jesper den Jong hatte Alcaraz noch beklagt, quasi bei "jeder Vorhand" über seinen Unterarm nachzudenken.
Wegen eines Ödems im Unterarm verpasste er die heimischen Turniere in Barcelona und verlor im Viertelfinale von Madrid, musste auch Rom absagen. Das verbindet ihn mit Sinner, über den italienische Medien berichtet hatten, seine Hüftverletzung könnte chronisch werden. Sinner pausierte drei Wochen, gab in Paris Entwarnung.
Alcaraz ließ in Paris zuletzt souveräne und zum Teil beeindruckende Siege gegen Sebastian Korda, Félix Auger-Aliassime und Stefanos Tsitsipas folgen.
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Pleiten-Serie gegen Alcaraz: Tsitsipas spricht von "Voodoo-Zauber"

Quelle: Eurosport

Der Grieche, der mit seiner einhändigen Rückhand noch nie gegen Alcaraz gewinnen konnte, stellte konsterniert fest: "Ich glaube, dass meine Ballqualität eine der besten auf der Tour ist und jedes Mal, wenn ich gegen Carlos spiele, habe ich das Gefühl, dass er mir eine Schlagqualität entgegenbringt, die ich von anderen Gegnern nicht erhalte."
Er sei ihm in gewisser Weise überlegen, aber er sei auch geduldig genug, um es auf eine sehr konstruktive Weise zu tun." Ich habe mich noch nie so gefühlt auf dem Platz, und ich habe mich noch nicht gegen viele Spieler so auf dem Platz gefühlt."

McEnroe: "Alcaraz schaue ich am liebsten zu"

John McEnroe arbeitete bei Eurosport die große Rivalität zwischen Alcaraz und Sinner heraus, die momentan in der Einzelbilanz bei 4:4 angelangt ist: "Tennis ist ein individueller Sport, der Rivalitäten braucht. Alcaraz schaue ich am liebsten zu. Er bringt eine Energie und eine Freude in den Sport, die vor einiger Zeit noch unvorstellbar war."
McEnroe erinnerte daran, dass Alcaraz bei einem Turniersieg zum jüngsten Grand-Slam-Sieger auf drei Belägen werden würde. Das darf bei den Lobeshymnen um Sinner nicht vergessen werden. Alcaraz hat mit dem Siegen in New York und Wimbledon einen großen Titel Vorsprung. Noch?
Alcaraz, der in dieser Saison "nur" in Indian Wells triumphierte, erklärte in seiner Pressekonferenz, gegen Sinner "ein bisschen mehr Nerven zu haben" und nervöser zu sein.
"Ich meine, er ist wahrscheinlich eine der schwierigsten Herausforderungen, die wir die wir jetzt im Tennis haben. Ich denke, er ist der beste Spieler der Welt."
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Alcaraz von Djokovic-Ausfall "überrascht"

Quelle: Perform


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