Deutsche Nachwuchsspieler gewinnen Junioren-Einzel und Juniorinnen-Doppel der French Open: Sweet 17
Mitten in die Flaute des deutschen Spitzentennis' platzen zwei überraschende Junioren-Siege bei den French Open in Paris: Niels McDonald gewinnt im rein deutschen Finale gegen Max Schönhaus die Einzel-Konkurrenz der Herren, Eva Bennemann und Sonja Zhenikhova (alle 17) holen sensationell den Titel im Juniorinnen-Doppel. Das macht Lust auf mehr - nicht nur bei Barbara Rittner und Boris Becker.
Zwei Titel! Deutsche Junioren und Juniorinnen RASIEREN in Roland-Garros
Quelle: Eurosport
Es war laut am Samstagmittag auf dem Court Simonne-Mathieu - und man sprach Deutsch. Mit Niels McDonald und Max Schönhaus standen sich im Endspiel der Junioren schließlich zwei DTB-Nachwuchsspieler gegenüber; ein überraschendes Finale, beide gehörten im Feld der Youngster vor dem Turnier nicht zu den Favoriten.
In den Tagen von Roland-Garros erwiesen sich die beiden 17-Jährigen aber als großer Schreck derer, die um den Titel kämpfen wollten. McDonald schaltete in Runde drei den topgesetzten Spanier Andres Santamarta Roig aus (6:4, 3:6, 6:3) und nahm drei weitere gesetzte Spieler aus dem Turnier.
Schönhaus bewies dagegen in drei Dreisatzmatches Nervenstärke: Im Viertelfinale bezwang er den US-Amerikaner Benjamin Willwerth (Nr. 6) dramatisch 6:3, 1:6, 7:6 (13:11), im Halbfinale ließ er dem favorisierten Bulgaren Ivanov (Nr. 9) beim 6:3, 6:4 keine Chance.
Da half es auch, dass sich die beiden deutschen Freunde im Turnierverlauf immer wieder gegenseitig bei ihren Matches anfeuerten. So lange, bis sie gegeneinander antreten mussten. "Da ist ein toller Zusammenhalt und ein gesunder Konkurrenzkampf", befand Eurosport-Expertin Barbara Rittner: "Das ist auch ein Verdienst der Trainer: Philipp Petzschner, Michael Kohlmann, Jasmin Wöhr, Dirk Dier. Dann kannst du dich auch gegenseitig pushen."
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Junioren-Finale: McDonald ringt Kumpel Schönhaus nieder - Highlights
Quelle: Eurosport
Bundestrainer Petzschner geht's an die Haare
Im ersten Final-Satz war das noch eine ausgeglichene Sache. McDonald wirkte optisch überlegen, Schönhaus machte die spektakuläreren Punkte und gewann schließlich den Tiebreak 7:5.
Dann aber schaltete McDonald einen Gang hoch. 6:0 und 6:3 siegte er in den weiteren Durchgängen und krönte sich so zum Nachfolger eines gewissen Alexander Zverev, der 2014 bei den Australian Open als letzter deutscher Junior einen Grand Slam gewonnen hatte. Und von Daniel Elsner, der 1997 letzter deutscher Sieger in Roland-Garros war.
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Junioren-Sieger McDonald: "Ich hatte Tränen in den Augen"
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"Es war mega geil, mich mit Max auf diesem Platz zu battlen, eine Ehre", sagte der Sieger. "Du hast einen großartigen Job gemacht, genau die richtigen Bälle gegen mich gespielt", konterte Schönhaus: "Du hast es verdient."
"Verdient" hatte sich auch Bundestrainer Philipp Petzschner einen neuen Haarschnitt. Der ehemalige Weltklasse-Doppelspieler hatte sich nach dem Finaleinzug der beiden Deutschen eine Glatze eingehandelt. "Kann er tragen - er hat sowieso meistens eine Kappe an", befand Rittner.
Eigentlich hätte es eine "Naruto-Frisur" (McDonald) nach dem gleichnamigen Ninja-Helden werden sollen, statt Manga-Mähne wurde schließlich kahl rasiert. "Max und ich haben uns so schlecht dabei gefühlt", erzählte McDonald auf der Sieger-PK: "So ist es schon hart genug für ihn."
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French-Open-Sieger McDonald: "Kumpel kam spontan mit dem Auto"
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DTB-Girls Bennemann/Zhenikhova gewinnen Doppel
Dabei war McDonald am Samstag nicht der einzige Sieger aus dem DTB-Lager. Fast noch überraschender als der in Cardiff geborene Schweriner mit schottischem Vater gewannen Eva Bennemann (17) und Sonja Zhenikhova (17) die Konkurrenz im Juniorinnen-Doppel.
Gegen die an Position drei gesetzten tschechischen Schwestern Alena (16) und Jana (14) Kovacková lagen die beiden ebenfalls ungesetzten Deutschen schon 4:6, 0:4 zurück, starteten dann aber eine furiose Aufholjagd und siegten im Match-Tiebreak 4:6, 6:4, 10:8.
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Deutsches Juniorinnen-Doppel krönt Comeback mit Titel - Highlights
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Mit einem ähnlichen Ergebnis (6:3, 3:6, 10:8) hatten sie in Runde eins die topgesetzten Emerson Jones (Australien) und Hannah Klugman (Großbritannien) eliminiert und dann bis ins Finale keinen Satz mehr verloren.
Finale nach 4:6, 0:4 "eigentlich schon abgehakt"
"Wir können es noch gar nicht richtig fassen", sagte Bennemann bei Eurosport: "Wir haben es vor dem Turnier nicht gedacht und dann dieser Verlauf im Finale. Wir haben uns irgendwann nur noch gedacht: Komm, wir fighten jetzt einfach für jeden Punkt und irgendwie waren wir dann im Match-Tiebreak."
Auch Zhenikhova sagte: "Hätte mir das am Anfang der Woche jemand gesagt, ich hätte ihn ausgelacht, wirklich." Dazu passte auch das skurrile Finale.
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Deutsches Juniorinnen-Doppel überglücklich: "Können es nicht fassen"
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"Bei 0:4 hatten wir die Sache eigentlich schon abgehakt", meinte die Berlinerin: "Aber fürs Scoreboard wollten wir zumindest ein Spiel gewinnen. Irgendwann haben wir dann gemerkt, dass die anfangen zu wackeln. Die ganze Woche war schon so unrealistisch, da mussten wir diese Chance auch noch packen. Und irgendwie haben wir's noch durchgebracht."
Rittner und Becker überrascht
Für Ex-Bundestrainerin Rittner war der Titel der beiden nicht weniger als "ein absoluter Knaller. Ich habe der Eva eigentlich nur mitgegeben, dass sie das alles anschauen und aufsaugen soll. Dass sie das gleich so wörtlich nimmt und den Doppel-Titel mitnimmt, hätte ich nie gedacht."
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Deutsches Juniorinnen-Doppel Eva Bennemann und Sonja Zhenikhova bejubeln French-Open-Titel
Fotocredit: Getty Images
Vor Ort freute sich auch Boris Becker mit. Der sechsmalige Grand-Slam-Sieger rief den Samstag in Roland-Garros sogleich zum "Tag der deutschen Junioren und Juniorinnen" aus. Die Titel machen "Hoffnung für die Zukunft". Angesichts aktuell nur sehr spärlich vorhandener Top-100-Spieler - gerade mal je zwei bei Herren und Damen - "brauchen wir ein bisschen was. So ist das nicht genug. Da sind wir als Nation eigentlich zu stark und haben auch zu viele Möglichkeiten, Tennis zu trainieren."
Im DTB-Nachwuchs habe man jedoch jetzt "eine gute Struktur", befand der 57-Jährige: "Nach diesem Wochenende sehe ich optimistischer in die Zukunft."
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Becker freut sich über Junioren-Titel: "Macht Hoffnung für Zukunft"
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