Kurioses Favoritensterben bei den French Open in Paris: Andere wie Sinner und Djokovic gehen, Alexander Zverev bleibt

Während Alexander Zverev seine Hausaufgaben in Runde drei der French Open gegen Quentin Hayls weitestgehend souverän löst, öffnet sich das Einzelfeld nach dem Ausscheiden weiterer Favoriten um Novak Djokovic immer mehr. Der 29-Jährige muss als nun haushoher Turnerfavorit seinen Geist und seinen Körper kontrollieren - denn alles andere als der Finaleinzug wäre jetzt schon eine Enttäuschung.

Mischa Zverev warnt: "Ab Sonntag fängt ein neues Turnier an"

Quelle: Eurosport

Um kurz nach halb zwei Uhr in der Nacht zum Samstag betrat Alexander Zverev, begleitet vom Pressesprecher der ATP, das Medienzentrum unterhalb des Center-Courts Philippe-Chatrier. Grand-Slam-Tennis kann nicht nur kräftezehrend werden. Auch das eigene Schlafverhalten wird zwangsläufig infrage gestellt. Um die Dinge zu vereinfachen und vor allem zu verkürzen, wurde auf eine offizielle Pressekonferenz verzichtet.
Stattdessen begab sich der nach dem Ausscheiden von Jannik Sinner und Novak Djokovic am höchsten gesetzte und prominenteste Spieler im Turnier kurzerhand in die Mixed-Zone.
 Geblieben waren eine Handvoll französische und etwas mehr als ein halbes Dutzend deutsche Journalisten, die den Sieg gegen Quentin Halys auf dieser provisorischen Pressekonferenz recht schnell abhandelten.
"Ich fand eigentlich, dass ich auch zu Beginn des dritten Satzes gut gespielt habe. Dann habe ich ein paar Konzentrationsschwankungen bekommen", erklärte Zverev, warum er den dritten Satz nach Break-Führung verloren hatte.
picture

3. Runde: Zverev untermauert gegen Halys Titelanspruch - Highlights

Quelle: Eurosport

Zverev bleibt cool, während andere straucheln

Es war sein erster Satzverlust im Turnierverlauf, aber nur ein kurzfristiger Betriebsunfall. Im vierten Satz zog der Deutsche schnell souverän davon und erreichte in vier Sätzen das Achtelfinale.
Dort trifft Zverev nicht etwa auf den Olympia-Zweiten von 2021, Karen Khachanov, der wie weitere Favoriten um Djokovic und Alex de Minaur am Freitag verlor - die große Geschichte in Roland-Garros ist die der stolpernden Favoriten.
picture

Tennis: Alexander Zverev ist bei den French Open 2026 favorisiert

Fotocredit: Getty Images

De Minaur brachte die Gemengelage auf frustrierte, aber treffende Weise zusammen. "Normalerweise bin ich in der Endphase der Turniere dabei, spiele gegen diese Top-Spieler und habe dann das Gefühl, dass mir die Tür vor der Nase zugeschlagen wird. Jetzt aber sind so viele ausgeschieden. So eine Chance bekommt man nur alle Jubeljahre und man muss sie nutzen können - genau das Gegenteil habe ich heute getan", sagte der Australier nach der Niederlage gegen Jakub Mensik niedergeschlagen.

Zverev muss seinen Zuckerspiegel korrigieren

Da sich die Erwartungshaltung bei Zverev nun zuspitzt in Richtung "jetzt oder nie", wäre es dem Deutschen nicht zu verdenken, wenn er sich bei ähnlichen Gedankengängen erwischt hätte. Doch Zverev spielte gegen Halys über weite Strecken souverän.
Auffällig lediglich: Bereits früh im ersten Satz musste er seinen Zuckerspiegel korrigieren, in dem er sich spritzte. An mehreren Stellen des Matches wirkte Zverev, der seit Kindesalter mit Diabetes Typ 1 lebt, deutlich angestrengter als sonst.
Bis auf die Konzentrationsschwankungen hielt er sich in seiner Presserunde aber nicht weiter damit auf. Wichtiger wurde ein anderes Narrativ.
picture

Blackout von Halys beim Satzball! Zverev komfortabel in Führung

Quelle: Eurosport

Zverev verwechselt die Vornamen

Gebetsmühlenartig wiederholte er seine Erklärung, er könne nun lediglich seine Matches kontrollieren und werde sich darauf fokussieren. Fragen zu Druck nach dem Aus der großen Spieler erstickte er jeweils sofort. Die Djokovic-Niederlage habe er gar nicht mitbekommen: "Ich habe geschlafen im Physioraum, was ich halt immer so mache."
In einer Kombination aus Müdigkeit und dem Fokus, sich keine Blöße geben zu wollen, verwechselte er gar den Vornamen seines kommenden Gegners: "Ich weiß nur, dass ich nun gegen Frenkie de Jong spiele. Das ist alles, was für mich zählt."
picture

Zverev nach Achtelfinaleinzug: Handy aus und kurioser Versprecher

Quelle: Eurosport

Der Fußball-Star des FC Barcelona ist aber freilich nicht im Wettbewerb um die Sandplatz-Krone vertreten. Sein tatsächlicher Achtelfinal-Gegner, Jesper de Jong, war eigentlich schon in der Qualifikation ausgeschieden, rückte aber anstelle des verletzten Franzosen Arthur Fils (Nr. 30) kurzfristig als sogenannter "Lucky Loser" ins Hauptfeld.
Dort besiegte er Stan Wawrinka (1. Runde) und nun überraschend auch den Olympia-Zweiten von 2021, Khachanov. Mit sechs Siegen in Paris der Niederländer vor allem eins: eingespielt.

Zverev kennt de Jong aus dem Vorjahr

Zverev ist der Gegner trotz der Vornamensverwechslung bekannt; im Vorjahr besiegte der Deutsche de Jong (106. der Weltrangliste) in Paris nach anfänglichen Problemen in Runde zwei 3:6, 6:1, 6:2, 6:3, 2024 bezwang er ihn in Hamburg 6:2, 6:2.
Auch 2026 geht der Deutsche als turmhoher Favorit in die Partie. Erst im Viertelfinale (Rafael Jódar oder Pablo Carreño Busta/beide Spanien) könnte es für ihn zum ersten "echten" Prüfstein kommen.
Im anderen Quadranten des Feldes wahrte indes der Norweger Casper Ruud die Chance auf ein Halbfinalduell mit Zverev, indem er den US-Amerikaner Tommy Paul nach 0:2-Satzrückstand noch 4:6, 6:7 (4:7), 6:4, 7:6 (7:4), 7:5 niederrang.
So weit denkt Zverev, so zumindest seine Aussagen, aber noch nicht.
picture

3. Runde: Ruud mit Comeback-Sieg gegen Paul - Highlights

Quelle: Eurosport

Zverev muss am Sonntag tagsüber ran

Aufgrund des späten Matchendes am Freitag kam der 29-Jährige am Samstag erst nach 15:00 Uhr zum Trainieren auf Court Nummer drei. Dass er, anders als die vergangenen Tage zwischen den Matches auf der Anlage trainierte (was an Sicherheitsvorkehrungen wegen des Champions-League-Finals lag), freute Hunderte von Fans.
Viele Spieler vom Kaliber Zverevs sind nicht mehr vertreten. Die Trainingseinheit wurde daher zu einem echten Hingucker. Der Platz war bereits vor Ankunft Zverevs überfüllt. Der Deutsche blieb seinem Rythmus mit Einspielpartner, Vater, Bruder und Familie treu, änderte keine Routinen.
Nach zwei Night Sessions wird Zverev am Sonntag indes früher spielen, er ist - analog zu Djokovic bei seiner Niederlage gegen Juan Manuel Cerúndolo - als drittes Match auf Philippe-Chatrier angesetzt, nicht vor 15:30 Uhr.
Die Hitze soll dann aber aus Paris verschwunden sein, erwartet wird ein Temperatureinsturz von zehn Grad. Und damit geht dann auch für Zverev, der die warmen Temperaturen aufgrund des Einflusses auf Schläger, Ball und Boden besonders gerne mag, das Turnier von Neuem los.
picture

Zverev exklusiv über Favoritenrolle: "Fokus liegt auf de Jong"

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung