Olympia 2024 - Rafael Nadal nach Niederlage gegen Novak Djokovic: "Wollt ihr mich das wirklich jeden Tag fragen?"

War das zu weiten Teilen einseitige Zweitrunden-Duell beim Olympischen Tennisturnier in Paris gegen Novak Djokovic das letzte Einzelmatch in der Karriere von Rafael Nadal? Am Montag wirkte es tatsächlich so, als wüsste es der Spanier selbst noch nicht. Die Zeichen der Zeit, sie werden deutlicher und Nadal ist auf der Suche nach einem selbstbestimmten Ende, das dem Superstar aus Spanien würdig ist.

"Absolute Sport-Ikone": Becker huldigt Nadal nach Einzel-Aus

Quelle: Eurosport

Rafael Nadal ist ein höflicher Mensch. Dass der mallorquinische Superstar öffentlich lauter oder gar unfreundlich wird, passiert so gut wie nie. Deswegen blieb die Tonalität der Aussage am Montagnachmittag zwar freundlich und mit einem ironischen Unterton unterlegt. Dennoch war zu spüren, dass es dem 38-Jährigen nahe geht - und er vom Narrativ genervt war.
"Jeden Tag? Wollt ihr mich das wirklich jeden Tag fragen?", entgegnete er einem Journalisten, der in der Mixed Zone wissen wollte, ob es sein letztes Einzelmatch gewesen sein könnte.
Er, Nadal, versuche jeden Tag, sein Bestes zu geben. "Da kann ich das nicht jeden Tag beantworten. Ich kann auch nicht jeden Tag den Platz mit dem Gefühl verlassen, dass es mein letztes Match gewesen sein könnte", führte er aus.
"Ich bin hier, spiele, gebe mein Bestes. Wenn ich entscheide, aufzuhören oder weiterzumachen, werde ich es euch wissen lassen. Ich versuche gerade alles zu geben und das zu genießen. Ich hatte die vergangenen zwei Jahre viele Verletzungen. Aber ich denke nicht jeden Tag daran, ob ich zurücktreten werde oder nicht."

Nadal und die Frage aller Fragen

Nach der über weite Strecken einseitigen und dann doch kurzzeitig dramatischen Zweitrunden-Niederlage in Runde zwei gegen Novak Djokovic (1:6, 4:6) blieb es nicht die einzige Fragestellung, die das bestimmende Narrativ dieser Tage, der vergangenen Monate und eigentlich bereits der letzten Jahre bediente: War es das mit der Weltkarriere einer der erfolgreichsten und beliebtesten Sportler der Geschichte?
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Highlights vom Giganten-Duell: Nadal verliert gegen Djokovic

Quelle: Eurosport

Im 60. Duell der Tennisgiganten hatten Nadals Fans gehofft, dass ihr Idol die Zeit noch ein letztes Mal werde zurückspulen können. Neun von zehn Matches hatte Nadal auf dem berüchtigten Centre Court Philippe-Chatrier gegen Djokovic gewonnen; fast alle Spiele in Finals oder späten Runden während der French Open und letztmals 2022 im Viertelfinale.
Vor etwas mehr als zwei Jahren gewann Nadal gegen Djokovic, siegte danach zum 14. und letzten Mal beim Sandplatzklassiker und schraubte die Zahl seiner Grand-Slam-Titel auf 22 hinauf.

Nadals Körper reagiert auf Grenzgänge 

Schon damals agierte Nadal nachweislich und nach eigener Aussage während des gesamten Turnierverlaufs mit einem betäubten Fuß. Sein langjähriger Mediziner, Angel Ruiz Cotorro, habe in Absprache mit Experten zu dieser extremen Maßnahme gegriffen, deren Folgen nur wenige Menschen in Erfolg hätten ummünzen können: ohne Gefühl, zwei Wochen lang auf dem höchsten physischen Niveau Tennis spielen.
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Gesto de Djokovic a la grada de París

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Dem Grenzgänger Nadal gelang das, doch sein in zwei Jahrzehnten Profitennis geschundener Körper bezahlte diese Ausnahmesituation später. Nadal fiel mit diversen Verletzungen aus, beendete nach den Australian Open 2023 seine Saison frühzeitig komplett. Nach einem gescheiterten Experiment zu Beginn dieses Jahres kehrte Nadal zur Sandplatzsaison zurück, verlor in der ersten Runde der French Open ungesetzt gegen Alexander Zverev, ließ die Rasensaison aus und verschwand für vier Wochen in seiner Heimat Manacor.

Nadals Körper hält nicht mehr - und er weiß es

Dort trainierte er  von der Öffentlichkeit unbeachtet und erreichte mit mehreren physischen Kraftakten vorletzte Woche das Finale im schwedischen Bastad. Doch Nadals Körper ist die Belastungen, die sein extrem physisches Spiel auf den Tennisplätzen dieser Welt verlangt, nicht mehr gewohnt. In den Tagen vor den Olympischen Spielen plagten Nadal Adduktorenprobleme, seinen Oberschenkel zierte ein dicker Verband.
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Der beste Ballwechsel gegen Djokovic: Nadal bringt Publikum zum Toben

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Nadal spielte Einzel und Doppel an der Seite seines Nachfolgers Carlos Alcaraz. Doch im Einzel war nun Schluss. "Es ist schade, dass Rafa nicht auf seinem besten Level war", sagte Djokovic: "Ich habe aber auch alles versucht, damit er sich möglichst nicht wohlfühlt. Nach 6:1, 4:0 bin ich etwas nachlässig geworden. Insgesamt bin ich mit meinem Spiel aber sehr zufrieden."

Nadals Auftritt zunächst schwer mit anzusehen

Der Auftritt war für Nadals Fans zunächst hart mit anzusehen. Djokovic (37) dominierte seinen ein Jahr älteren Erzrivalen nach Belieben und führte ihn in dessen Wohnzimmer vor. Kurzzeitig stoppte Nadal nochmal die Zeit, kämpfte sich nach 0:4-Rückstand in den zweiten Durchgang. Als ihm das Break zum 4:4 mit einer herausragenden Defensivleistung und Abwehr eines Überkopfballs Djokovics gelang, drehten die Fans im Stade Roland-Garros durch. Es könnte der letzte große "Rafa-Moment" an diesem historischen Ort gewesen sein.
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Extraklasse: Djokovic und Nadal bringen Chatrier zum Kochen

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Nadal hatte trotz einer zeitweise spektakulären Aufholjagd im zweiten Satz nicht mehr die Kraft und Beweglichkeit, um in seinem früheren Hoheitsgebiet dem wild entschlossenen Serben gefährlich zu werden. Er schickte noch einmal Küsschen auf die Tribüne und schlich dann aus "seiner" Arena.

Nadal: "Ohne die Beine von vor 20 Jahren"

Djokovic schraubte die Bilanz gegen Nadal auf 31:29 und träumt weiter vom letzten großen fehlenden Einzeltitel seiner Karriere: Olympischem Gold. Nadal sagte derweil im Anschluss: "Ich habe ab einem gewissen Moment eine Reaktion gezeigt, aber das war nicht gut genug." Djokovic sei in allen Belangen besser gewesen.
"Mir war es nicht möglich, ihn in unangenehme, schwierige Positionen zu bringen. Meine Schläge waren nicht gut genug und ich habe mich nicht gut genug bewegt. Er konnte fast all seine Schläge aus für ihn angenehmen Positionen spielen und hat ziemlich gut gespielt. Gegen Novak zu spielen, ohne Schaden ausrichten zu können und ohne die Beine von vor 20 Jahren zu haben - das ist fast unmöglich", resümierte Nadal.

Doppel: Alcaraz für Nadal natürliches Doping

"Ich brauche viel mehr Qualität, um Schaden anzurichten", sagte er und verschwand. Nadal bleibt der Doppel-Wettbewerb mit Alcaraz. Im Achtelfinale trifft das Duo auf Tallon Griekspoor und Wesley Koolhof aus den Niederlanden. Wenn Nadal körperlich ansatzweise in der Lage ist, zu performen, sind die Medaillenchancen realistisch. Alcaraz ist für Nadal quasi natürliches Doping.
Der 21-Jährige bringt die Power und Laufstärke auf den Platz, die Nadal einst unspielbar machte und kaschiert die Zeichen der Zeit seines Idols. Die mentale Einstellung und die Schlagqualität bei etwas weniger Laufarbeit hat Nadal, der schon immer der beste Doppelspieler der besten Einzelspieler war, ohnehin.

Nadal: "Werde das Adrenalin vermissen"

Eine Olympische Medaille zum Ende der Karriere wäre ein mehr als versöhnlicher Abschluss für den überehrgeizigen Spanier. Bei dem sich die Öffentlichkeit nicht sicher sein kann, ob es wirklich das Ende ist. Ob er das überhaupt selbst weiß?
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Djokovic mit furioser Abwehr - doch Nadal schlägt zu

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Ein Reporter wollte am Montag dann doch noch wissen, was er vermissen werde, wenn es irgendwann mal vorbei sei. "Ich werde es vermissen, Tennis zu spielen auf diesem kompetitiven Niveau. Alle Tennisprofis haben das fast ihr gesamtes Leben getan - Tennisspielen. Es ist, was sie wirklich mögen. Ich werde das Adrenalin vermissen. Aber ich darf mich auch nicht beschweren. Ich spiele seit 20 Jahren. Ich habe mehr erreicht, als ich mir erhofft hatte. Wenn es so weit ist, gehe ich in Frieden."
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Matchball Djokovic: Das Ass, die Faust, die Geige

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Achtelfinal-Ticket gebucht: Alcaraz setzt Mission Gold fort

Quelle: Eurosport


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