Tatjana Maria riss die Arme in die Luft, Tränen der Freude schossen ihr in die Augen.
An einem denkwürdigen Achtelfinaltag hat die 34-Jährige ihre märchenhafte Wimbledon-Reise fortgesetzt und die nächste Favoritin aus dem Turnier geworfen.
Mit großem Kämpferherz wehrte sie zwei Matchbälle ab und zog dank einer taktischen Meisterleistung ins Viertelfinale ein.
Wimbledon
Wimbledon-Wahnsinn perfekt! Niemeier macht deutsches Viertelfinale klar
03/07/2022 UM 14:44
"Oh mein Gott. Es gibt keine Worte für dieses großartige Publikum. Ihr wart immer für mich da und dann dachte ich mir: 'Wenn ihr an mich glaubt, dann tue ich es auch'", erklärte die fassungslose Siegerin nach der Begegnung.
Die zweifache Mutter, die erst vor 15 Monaten ihre zweite Tochter zur Welt gebracht hatte, entnervte die Nummer 12 der Setzliste mit ihren unterschnittenen Vorhand- und Rückhandschlägen, die so eklig tief auf Rasen abspringen. Mit diesem Slice hatte sie vorher Sorana Cirstea (Rumänien/Nr. 26) und Maria Sakkari (Griechenland/Nr. 5) entzaubert.

Maria: Der Slice stresst alle Gegnerinnen

"Ich weiß, dass alle gestresst davon sind", hatte sie vor dem Duell mit Ostapenko gesagt.
Der Slice, vor allem mit der Vorhand, ist aus der Mode gekommen, aber, so wie ihn Maria in diesen Tagen im All England Club spielte, ungemein effektiv. Ostapenko wusste, was auf die zukommt, doch sie brauchte ein paar Minuten, um ein Gegenmittel zu finden. 3:1 lag Maria in Führung, dann wurde es ein Match.
Ostapenko mit all ihrer Power und dem Topspin in der Offensive, Maria defensiv stabil, lauernd und auf dem Weg ans Netz, wenn sich ihr die Chance bot. Während nebenan Stars und Champions - darunter auch Angelique Kerber - mit Geflüchteten, Heldinnen und Helden der Pandemie den 100. Geburtstag des Centre Courts feierten und Niemeier auf ihr Match wartete, lieferten sich Maria und Ostapenko ein hochspannendes Duell.

Maria wehrt zwei Matchbälle ab

Bei 5:6 leistete sich Maria eine kleine Schwäche, ein Doppelfehler bescherte Ostapenko den Satzball, den sie mit all ihrer Erfahrung in großen Matches nutzte.
2017 hatte sie überraschend in Roland Garros triumphiert, im selben Jahr das Viertelfinale von Wimbledon erreicht. 2018 kam sie sogar noch eine Runde weiter, ehe es stiller um die Lettin wurde.
An diesem Sonntag, dem früheren Ruhetag in Wimbledon, der in diesem Jahr bei der 135. Auflage der Championships erstmals als offizieller Spieltag genutzt wird, trat sie laut, aggressiv und kraftvoll auf und zog im zweiten Satz auf 4:1 davon. Maria hielt taktisch klug dagegen, kam heran, wehrte zwei Matchtbälle ab erzwang den dritten Durchgang, indem die Dramatik ihren Höhepunkt erreicht.
Zunächst führte Ostapenko, doch Maria ließ sich nicht abschütteln, dann schlug die Deutsche, die längst mit ihrer Familie in Florida lebt, bei 5:4 zum Sieg auf - und Ostapenko kämpfte sich zurück. Ihre nächste Chance nutzte Maria.
Die Reise geht weiter.
(SID)
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