Ons Jabeur ist die Nummer zwei der Welt, Tatjana Maria steht an Position 103. Da bleiben normalerweise keine Fragen offen, wenn es um die Rolle der Favoritin geht.
Im Halbfinale von Wimbledon (Donnerstag ab 14:30 Uhr im Liveticker) aber liegt der Fall ein wenig anders.
Da wäre etwa der Belag. "Auf Rasen ist Tatjana immer gefährlich, weil sie mit ihrem gefühlvollen Spiel, den unterschnittenen Bällen, die tief bleiben, sehr effektiv ist", betont Bundestrainerin Barbara Rittner.
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Maria - Jabeur: Halbfinale live im TV, Livestream und Liveticker
UPDATE 05/07/2022 UM 21:29 UHR
Und da hatte die 49-Jährige nicht die deutsche Brille auf, denn es ist Konsens, dass das Spiel der Deutschen exzellent zum Grün im All England Club passt.

Wilander staunt über Maria: "Wie eine Zeitreise"

"Sie hat ein komplettes Spiel", lobt Mats Wilander im Eurosport-Interview. "Maria zuzuschauen, ist ein wenig eine Zeitreise. Sie schlägt viele Slice-Rückhände und -Vorhände, kommt ans Netz", so der siebenmalige Grand-Slam-Turniersieger.
Diese inzwischen eher selten gewordene Strategie ist zum großen Plus der 34-Jährigen geworden.
Selbst bei deutlichen Rückständen in entscheidenden Phasen einer Partie - so geschehen gegen Sorana Cirstea, Jelena Ostpaenko und Jule Niemeier - bleibt Maria ihrem Spiel treu. "Sie kämpft wie eine Löwin um jeden einzelnen Punkt", sagt Rittner.
Der Lohn ist der nicht für möglich gehaltene Einzug ins Halbfinale.

Wilander staunt über Halbfinalistin Maria: Wie eine Zeitreise

Die Tatsache, dass die Weltranglisten-103. Außenseiterin ist, könne sich sogar zum Vorteil entwickeln, glaubt Rittner. "Ich bin sehr gespannt, wie Jabeur das nervlich wegsteckt, denn ich bin mir sicher, dass 'Tadde' relativ cool genießen und das Beste aus sich herausholen wird."

Rittner: Das ist Jabeurs Vorteil

Nichtsdestotrotz ist das Duell mit Jabeur eine extrem hohe Hürde. Die Tunesierin bringe "einen Tick mehr Power und Körperlichkeit", so Rittner. Dazu steht die 27-Jährige durch ihren Titel beim Vorbereitungsturnier in Berlin bei zehn Siegen auf Rasen in Serie. Das Selbstvertrauen könnte nicht größer sein.
Die Erwartungen allerdings auch nicht.
Jabeur spielt nicht nur für sich selbst, sondern repräsentiert als erste Spielerin aus der arabischen Welt im Halbfinale eines Grand Slams Millionen Menschen. "Das bedeutet mir viel", unterstreicht die Tunesierin. Ex-Profi Hicham Arazi habe ihr gesagt: "Araber verlieren immer im Viertelfinale, das haben wir satt." Das mit dem Viertelfinale hat Jabeur nun geändert.
Ganz besonders wird das Match aber auch durch die innige Freundschaft der beiden Halbfinalistinnen.

Tante Ons wendet kleinen Trick an

Wenn Maria in diesen aufregenden Tagen Zeit für sich braucht, weiß sie, auf wen sie sich verlassen kann. Tante Ons springt gerne ein. "Wir kennen uns schon eine Ewigkeit, sie liebt Kinder und sieht meine fast als ihre an", erzählt Maria: "Sie ist ein Teil unserer Familie."
Sie liebe Tatjana einfach, sagt Jabeur: "Ich liebe Charlotte. Und die Kleine lacht immer, das gibt so viel Energie. Ich liebe einfach die ganze Familie." So viel Liebe wird auch vom bisher größten Duell in Jabeurs und Marias Tennisleben nicht gefährdet werden. "Wir sind so professionell, wir gehen auf den Platz und geben unser Bestes, aber nach dem Match ist wieder alles in Ordnung", sagt Maria.
Einen kleinen Trick wendet Jabeur dann aber doch an, um sich in die "Pole Position" zu bringen. Sie habe Marias ältere Tochter Charlotte schon gefragt: "Bist Du für mich oder Deine Mama", berichtet sie lachend: "Ich versuche die Kids auf meine Seite zu ziehen. Ich nutze einfach die Familie für mich." War natürlich nur ein Scherz.
Ernst wird es dann am Donnerstag um 14:30 Uhr auf dem Centre Court ...
(mit SID)
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